Wer rund um Einsiedel wandern will, beginnt am südöstlichen Rand von Chemnitz, dort, wo die Zwönitz die Nordrandstufe des Erzgebirges verlässt. Der Ort gehört seit 1997 zur Stadt, doch wer aus dem Tal die Hänge hinaufsteigt, merkt davon wenig: Hier beginnt das Mittelgebirge, mit Laubwald an den Talflanken, Wald auf den Höhen und einem Flusstal, das als Schutzgebiet ausgewiesen ist. Oberhalb des Ortes staut sich seit 1894 Wasser hinter einer Bruchsteinmauer: Die Talsperre Einsiedel, gebaut für die Trinkwasserversorgung von Chemnitz, ist die älteste Talsperre Sachsens und bis heute in Betrieb.

Sie ist der Ausgangspunkt einer knapp 17 km langen Runde, die den Ort umkreist, zweimal die Bahnlinie berührt und über Berbisdorf bis nach Eibenberg in den Erzgebirgskreis hinausreicht. Am eindrucksvollsten ist die Tour im Herbst, wenn sich die Hangwälder im Zwönitztal färben. Markiert ist sie nicht; ein GPS-Track ist Pflicht.

Tour-Steckbrief: Rund um Einsiedel

Start / Ziel Talsperre Einsiedel, Vorbecken Herrenteich (Chemnitz-Einsiedel); Einstieg auch an den City-Bahn-Haltepunkten Einsiedel Brauerei oder Einsiedel Gymnasium
Länge ca. 16,9 km · Rundweg
Gehzeit ca. 4:15 h reine Gehzeit
Höhenmeter je ca. 374 m auf und ab · 337 bis 510 m ü. NN
Charakter mittel; lang, gute Kondition; nicht markiert, GPS-Track erforderlich
Highlights Talsperre Einsiedel (1894), Aussichtspunkt Pappel, Berbisdorf, Eibenberg, Einsiedler Brauhaus, Einsiedler Wald
Einkehr Gasthof Goldener Hahn (Altenhain), Hotel-Restaurant-Café „Zur Talsperre“
Navi / GPX GPS-Wanderatlas

Interaktive Karte mit eingezeichneter Route (zoom- und verschiebbar) · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © GPS-Wanderatlas.

Warum Einsiedel für eine Tageswanderung taugt

Seit dem 1. Januar 1997 ist Einsiedel ein Stadtteil von Chemnitz; rund 3.500 Menschen leben auf gut 11 km². Die Lage an der Nordrandstufe bedeutet: kurze Anreise aus der Stadt, und das Gelände ist bereits Gebirge. Die Runde bewegt sich zwischen 337 m im Tal und etwa 510 m auf den Höhen; in der Summe kommen knapp 375 Höhenmeter im Auf- und ebenso viele im Abstieg zusammen.

Die Talsperre und die umgebenden Wälder stehen seit 1990 als 1.185 ha großes Landschaftsschutzgebiet „Talsperre Einsiedel – Kemtauer Wald“ unter Schutz. Der Fluss selbst gehört zum FFH-Gebiet „Zwönitztal“, ausgewiesen wegen der naturnahen Laubwälder und Felsbildungen an den Hängen des Unterlaufs. Diese Hangwälder prägen die Tour, ergänzt durch den Einsiedler Wald und den Niederwald.

Die Talsperre Einsiedel: Sachsens älteste Talsperre

1890 beschloss die Stadt Chemnitz den Bau einer Talsperre zur Trinkwasserversorgung; zwischen 1891 und 1894 entstand die Bruchsteinmauer, am 14. Juni 1894 ging die Anlage in Betrieb. Die Mauer ist 180 m lang und ragt 22 m über die Talsohle; der Stausee fasst 0,318 Mio. m³ Wasser auf rund 4 ha.

Bis heute dient die Talsperre dem Trinkwasser. Sie gehört zum Talsperrensystem Mittleres Erzgebirge, zu dem auch Neunzehnhain 1 und 2 sowie Saidenbach zählen. Betreiber ist die Landestalsperrenverwaltung Sachsen. Weil die Anlage in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt, sind Baden und Wassersport verboten. Die Staumauer selbst liegt etwa 600 m westlich des Tracks; wer sie sehen will, plant vom Startpunkt aus einen kurzen Abstecher ein. Die größere Schwester des Systems stellt der Blog in der Runde um die Talsperre Saidenbach vor.

Streckenverlauf: gegen den Uhrzeigersinn um Einsiedel

Die Runde misst 16,9 km, die reine Gehzeit liegt bei etwa 4:15 h, dazu kommen rund 374 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Die Wege sind in gutem Zustand, die Kondition wird als mittel eingestuft. Die folgende Beschreibung folgt dem GPS-Track gegen den Uhrzeigersinn; das Portal ich-geh-wandern, von dem die Tour stammt, empfiehlt den Uhrzeigersinn. Beides ist möglich.

Vom Herrenteich über Altenhain in den Niederwald

Startpunkt ist das Ostende der Talsperrenanlage am Vorbecken Herrenteich (50.77506 N, 12.99297 O), an der Gemarkungsgrenze zu Dittersdorf, mit Picknickplatz und der Infotafel „Wasserstollen“. Vom Stadtguttal aus führt der Weg zum Ortsteil Altenhain mit dem Gasthof Goldener Hahn, der ersten Einkehr der Runde, und weiter in den Niederwald. An der Niederwaldstraße liegt das ganzjährig nutzbare Wassertretbecken von Einsiedel, vom Haltepunkt Einsiedel Gymnasium nur rund 50 m entfernt.

Über die Pappel nach Berbisdorf und Eibenberg

Am Haltepunkt Einsiedel Gymnasium berührt die Runde erstmals die Strecke der City-Bahn. Danach steigt der Weg zum Aussichtspunkt „Pappel“ auf 450 m an. Es folgen Berbisdorf, 1935 nach Einsiedel eingemeindet, und wenig später Eibenberg. Hier verlässt die Tour das Chemnitzer Stadtgebiet: Eibenberg ist ein Ortsteil von Burkhardtsdorf und gehört zum Erzgebirgskreis. An der Eibenberger Straße liegt mit etwa 510 m der höchste Punkt der Runde.

Brauhaus und Haltepunkt Einsiedel Brauerei

Zurück im Zwönitztal führt der Track zum Einsiedler Brauhaus an der Einsiedler Hauptstraße 144. Die Privatbrauerei wurde 1885 von Emil Schwalbe gegründet, das Brauhaus steht unter Denkmalschutz. Ein öffentlicher Gaststättenbetrieb ist dort nicht belegt, wohl aber Führungen für angemeldete Gruppen ab zehn Personen, montags bis donnerstags zwischen 11 und 17 Uhr. Nahe der Brauerei liegt der gleichnamige Haltepunkt der City-Bahn, an dem sich die Runde abbrechen oder beginnen lässt.

Durch den Einsiedler Wald zurück zum Herrenteich

Vom Haltepunkt Brauerei steigt der Weg noch einmal in den Einsiedler Wald an, der am Mühlberg 509 m erreicht. Die Wettinhöhe (465 m) liegt seitlich des Tracks und lässt sich als Abstecher mitnehmen. Durch den Fischzuchtgrund, laut Tafel vor Ort ein Flächennaturdenkmal, kehrt die Runde zum Ausgangspunkt am Herrenteich zurück.

Einkehr und Rast

Zwei Gasthäuser in Einsiedel kommen für eine Rast infrage, beide mit mehreren Ruhetagen. Der Gasthof Goldener Hahn, Zschopauer Straße 565 in Altenhain, öffnet donnerstags von 10 bis 22 Uhr, freitags und samstags von 11 bis 22 Uhr und sonntags von 11 bis 20 Uhr; Montag bis Mittwoch ist Ruhetag, Reservierung erforderlich. Das Hotel-Restaurant-Café „Zur Talsperre“, Altenhainer Allee 8, öffnet montags und dienstags von 11 bis 21 Uhr, freitags von 14 bis 21 Uhr, samstags von 11 bis 22 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr; Mittwoch und Donnerstag sind Ruhetage. Selbstversorger nutzen den Picknickplatz am Herrenteich. Die Öffnungszeiten sollten vor der Tour geprüft werden.

Anreise: mit der City-Bahn oder dem Auto

Die City-Bahn-Linien C13 und C14 fahren vom Chemnitzer Hauptbahnhof ohne Umsteigen über Einsiedel und Thalheim nach Aue, die C13 im Stundentakt. Im Ort halten die Züge an den Haltepunkten Einsiedel Brauerei, August-Bebel-Platz (Bedarfshalt), Einsiedel und Einsiedel Gymnasium (Bedarfshalt). Ergänzend fahren die CVAG-Buslinie 76 (Altchemnitz–Einsiedel–Eibenberg) und die RVE-Linie 208 (Altchemnitz–Einsiedel–Thum). Die aktuellen Linienpläne stehen bei der City-Bahn Chemnitz; weitere Touren mit Bahn- und Busanschluss bündelt der Beitrag Wandern ohne Auto im Erzgebirge.

Mit dem Pkw sind es vom Chemnitzer Markt rund 10 km nach Einsiedel. Geparkt wird im Ort; einen ausgewiesenen Wanderparkplatz an der Talsperre sollte man nicht voraussetzen.

Herbst an der Zwönitz: die beste Zeit

Die naturnahen Laubwälder in den Hangbereichen des Zwönitztals sind der Grund, die Runde in den Herbst zu legen. Am Aussichtspunkt Pappel und auf der Wettinhöhe öffnet sich der Wald, dazwischen läuft man lange unter Laubdach. Die Kehrseite sind die kurzen Tage: Bei gut 4 h reiner Gehzeit plus Pausen sollte man im Oktober und November früh aufbrechen. Weitere Ideen für die Saison liefert die Übersicht Herbstwanderungen im Erzgebirge.

Ausflugstipps in der Nähe

Rund 4 km Luftlinie westlich der Runde liegt das Wasserschloss Klaffenbach, ein Renaissance-Wasserschloss an der Würschnitz. Geöffnet ist es dienstags bis donnerstags von 12 bis 17 Uhr, freitags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen; der Eintritt kostet 8 Euro. Wer das Zwönitztal lieber mit dem Rad erkundet, folgt dem Zwönitztal-Radweg über Einsiedel, Dittersdorf und Kemtau.

Häufige Fragen

Ist die Runde ausgeschildert?

Nein. Ein GPS-Track auf Smartphone oder Uhr ist notwendig; an Kreuzungen im Wald hilft zusätzlich die Beschilderung der örtlichen Wanderwege.

Kann man die Runde abkürzen?

Ja. Der Track berührt die Haltepunkte Einsiedel Gymnasium und Einsiedel Brauerei der City-Bahn. Wer dort startet oder aussteigt, kann die Runde in zwei Teilstücke zerlegen oder unterwegs abbrechen.

Darf man an der Talsperre baden?

Nein. Die Talsperre Einsiedel liegt in einem Trinkwasserschutzgebiet; Baden und Wassersport sind verboten. Abkühlung bietet das Wassertretbecken an der Niederwaldstraße.

Ist die Tour für Kinder geeignet?

Mit 17 km und rund 375 Höhenmetern ist die komplette Runde eher etwas für geübte Familien. Kürzer geht es dank der City-Bahn, etwa als Teilstück ab Einsiedel Gymnasium mit Wassertretbecken und Aussichtspunkt Pappel.

Passende Ausrüstung von DEPROC

Knapp 17 km durch Wald und über Höhen, dazu kühle Herbstluft im Zwönitztal: Drei Teile, die zu dieser Runde passen:

Fazit

Die Runde um Einsiedel verbindet auf 16,9 km die Geschichte der Chemnitzer Wasserversorgung mit den geschützten Hangwäldern des Zwönitztals. Sie verlangt einen GPS-Track und etwa 4:15 h reine Gehzeit; dafür gibt es eine Trinkwassertalsperre von 1894, zwei Aussichtspunkte und eine Anreise ohne Umsteigen vom Chemnitzer Hauptbahnhof. Für den Herbst ist sie eine naheliegende Tagestour am Nordrand des Erzgebirges, sofern man früh startet und die Ruhetage der Gasthäuser beachtet.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert