Wasser, Wald und weite Blicke: Die rund 14 Kilometer lange Runde um die Talsperre Saidenbach ist größtenteils familiengeeignet – nur die Länge sollte man nicht unterschätzen.
Tour-Steckbrief: Talsperre Saidenbach
Interaktive Karte mit eingezeichneter Route (zoom- und verschiebbar) · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © GPS-Wanderatlas.
Wer an einem Sommermorgen durch Forchheim geht, sieht zuerst den Kirchturm. Die barocke Haube der George-Bähr-Kirche überragt das Waldhufendorf, das sich als Ortsteil von Pockau-Lengefeld an den Hang zieht – Bauerngärten, Fachwerk, dahinter Wald. Erst wenige Minuten später, hinter dem Rittergut Niederforchheim, öffnet sich der Blick auf das, weshalb die meisten hierherkommen: die Talsperre Saidenbach, 146 Hektar Wasserfläche, still und für den Badegast unerreichbar, denn hier lagert Trinkwasser für Chemnitz und Südsachsen.
Genau diese Mischung macht die Seerunde aus. Auf 13,78 Kilometern führt der Rundweg einmal um den Stausee, durch Wald, entlang offener Uferabschnitte und über die begehbare Staumauer. Die Planung nennt 3:38 Stunden Gehzeit, realistisch sind mit Pausen eher vier. Der Anspruch liegt bei leicht bis mittel – eine Tour für Familien also, sofern man die Länge nicht unterschätzt.
Unterwegs: von Forchheim einmal um den See
Start und Ziel ist Forchheim, ab dem Rittergut Niederforchheim. Von dort führt der Weg in Richtung Ufer, und ob man die Runde im Uhrzeigersinn oder dagegen läuft, ist am Ende Geschmackssache – die Wege sind durchgehend in gutem Zustand. Nennenswerte Steigung gibt es nur eine: den Anstieg am Mühlberg mit rund 60 Höhenmetern. Die Mühe lohnt sich, denn oben wartet ein Aussichtspunkt, von dem aus der Stausee in seiner ganzen Ausdehnung zu überblicken ist, mit den bewaldeten Ufern und den Dörfern ringsum – Forchheim, Görsdorf, Lengefeld, Lippersdorf und Reifland liegen um die Talsperre verteilt.
Charakteristisch für die Runde sind die Talarme. Die Talsperre staut nicht nur den namensgebenden Saidenbach, sondern unter anderem auch den Haselbach, den Lippersdorfer Bach und den Forchheimer Dorfbach – der Weg folgt diesen Buchten, taucht in den Wald ein und kehrt immer wieder ans offene Ufer zurück. Im Sommer wechseln sich schattige Waldpassagen und sonnenexponierte Abschnitte ab; Sonnenschutz und ausreichend Wasser gehören deshalb in den Rucksack, zumal unterwegs keine Einkehr am Weg liegt und Verpflegung mitgenommen werden sollte. Ein Höhepunkt zum Schluss oder zu Beginn: der Gang über die Staumauer, die öffentlich begehbar ist. Wer mit Kindern unterwegs ist, findet am Naturlehrpfad an der Talsperre zusätzliche Stationen – die Kinderwagentauglichkeit der gesamten Runde ist allerdings nicht offiziell bestätigt. Machbar ist die Tour grundsätzlich das ganze Jahr über.
Die Talsperre: Trinkwasser für Chemnitz seit 1933
Gebaut wurde die Talsperre Saidenbach zwischen 1929 und 1933, seit der Inbetriebnahme 1933 versorgt sie Chemnitz und Südsachsen mit Trinkwasser. Sie arbeitet dabei nicht allein: Im Talsperrenverbund „Mittleres Erzgebirge“ ist sie mit den Talsperren Neunzehnhain I und II sowie Einsiedel verbunden. Betrieben wird die Anlage von der Landestalsperrenverwaltung Sachsen.
Die Staumauer ist ein Stück Ingenieurgeschichte: eine gekrümmte Gewichtsstaumauer aus Bruchstein nach dem Intze-Prinzip, 334 Meter lang und 58,5 Meter hoch ab Gründungssohle. Dahinter fasst der Stausee 22,4 Millionen Kubikmeter Wasser auf 146 Hektar Fläche.
Weil hier Trinkwasser gewonnen wird, gelten klare Regeln: Baden und Wassersport sind verboten, der Uferrandbereich darf nicht betreten werden. Wandern und Angeln sind dagegen erlaubt, und auch die Staumauer steht Besuchern offen. Eingebettet ist das Ganze in ein Landschaftsschutzgebiet von rund 4.500 Hektar – wer die Regeln respektiert, bekommt dafür eine Wasserlandschaft, die von Motorbooten und Badebetrieb verschont bleibt.
Abstecher: die George-Bähr-Kirche in Forchheim
Vor oder nach der Runde lohnt der Weg zur Dorfkirche, denn Forchheim besitzt ein Bauwerk von überregionalem Rang. Die George-Bähr-Kirche wurde 1719 bis 1726 errichtet – ihr Baumeister war George Bähr, der Dresdner Architekt der Frauenkirche. Der barocke Zentralbau über griechischem Kreuzgrundriss trägt nicht umsonst den Beinamen „kleine Frauenkirche“. Im Inneren steht eine Silbermann-Orgel.
2026 feiert die Kirche ihr 300-jähriges Jubiläum, unter anderem mit einer Orgelnacht am 21. August 2026. Wer die Seerunde in diesem Jahr plant, kann Wanderung und Konzertbesuch verbinden – der Weg vom Wanderparkplatz zur Kirche ist kurz.
Einkehr und Anreise
Direkt am Weg gibt es keine Gastronomie, wohl aber in den Dörfern. In Forchheim liegt das Landcafé Bleul (Wernsdorfer Str. 21) nahe dem Wanderparkplatz – praktisch für den Abschluss der Tour. Wer es unkomplizierter mag, findet an der Hauptstr. 8 den Imbiss Broadway B 101. In Lengefeld bewirtet der Gasthof & Pension Forsthaus seine Gäste bereits seit 1873.
Mit dem Auto erreicht man Forchheim über die B 101; an der Ecke Wernsdorfer Straße steht ein großer Parkplatz zur Verfügung. Wer ohne Auto anreist, steigt an der Bushaltestelle „Forchheim, Am Schloss“ aus, nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt. Hier halten die Linien 492 in Richtung Marienberg und 400 auf der Verbindung Annaberg-Buchholz–Pockau–Freiberg. Weitere Tipps für autofreie Touren in der Region gibt es im Beitrag Wandern ohne Auto im Erzgebirge.
FAQ
Wie lang ist die Runde um die Talsperre Saidenbach und wie viel Zeit sollte ich einplanen?
Der Rundweg misst 13,78 Kilometer bei rund 3:38 Stunden reiner Gehzeit. Mit Pausen sollte man eher vier Stunden einplanen. Es gibt nur einen nennenswerten Anstieg von etwa 60 Höhenmetern am Mühlberg.
Darf man in der Talsperre Saidenbach baden?
Nein. Die Talsperre ist eine Trinkwassertalsperre – Baden und Wassersport sind verboten, auch der Uferrandbereich darf nicht betreten werden. Erlaubt sind Wandern und Angeln.
Ist die Tour für Kinder geeignet?
Ja, der Anspruch liegt bei leicht bis mittel, die Wege sind in gutem Zustand. Die Länge von knapp 14 Kilometern sollte man mit Kindern aber nicht unterschätzen; die Kinderwagentauglichkeit ist nicht offiziell bestätigt. Verpflegung gehört in den Rucksack.
Wie komme ich ohne Auto zur Talsperre Saidenbach?
Mit dem Bus bis zur Haltestelle „Forchheim, Am Schloss“: Dort halten die Linie 492 (Richtung Marienberg) und die Linie 400 (Annaberg-Buchholz–Pockau–Freiberg). Vom Halt sind es nur wenige Meter bis zum Ausgangspunkt.
Fazit
Die Seerunde um die Talsperre Saidenbach verbindet auf knapp 14 Kilometern Wasserblicke, Waldpassagen und ein Stück sächsische Ingenieur- und Baugeschichte – von der Bruchsteinmauer von 1933 bis zur „kleinen Frauenkirche“ George Bährs. Wer die Länge realistisch einschätzt und Proviant dabei hat, bekommt eine der lohnendsten Familienrunden im mittleren Erzgebirge. Und wer danach Lust auf mehr hat: Die Rundwanderung im Schwarzwassertal bei Pobershau liegt nicht weit entfernt, und für Weitwanderer bietet der Kammweg Erzgebirge gleich mehrere Etappen Stoff.
Titelbild: Talsperre Saidenbach, Luftaufnahme – Foto: Lord van Tasm, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0.
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