Das Erzgebirge wird meist von Westen her erzählt. Fichtelberg, Auersberg, die Kammlagen um Oberwiesenthal – dort liegen die Zahlen, die in jeder Aufzählung der höchsten Berge des Erzgebirges auftauchen. Der östliche Teil des Gebirges, jener Streifen zwischen Müglitztal und böhmischer Grenze, bleibt in dieser Erzählung eine Randnotiz. Zu Unrecht.

Denn rund um Altenberg, staatlich anerkannter Luftkurort im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, verdichtet sich auf wenigen Quadratkilometern eine Landschaft, die geologisch, bergbaugeschichtlich und botanisch schwer zu überbieten ist: ein Quarzporphyrklotz mit Blockhalden, eine Basaltkuppe mit Aussichtsturm von 1891, ein Hochmoor mit Bohlenweg, dazu ein Bergbaurevier, das seit 2019 zum UNESCO-Welterbe zählt. Wer hier zwei Tage wandert, sieht mehr als auf mancher Kammüberquerung.

Der Kahleberg: 905 Meter harter Porphyr

Der Kahleberg misst genau 905,1 Meter über NHN und liegt rund zwei Kilometer südwestlich von Altenberg, nahe der tschechischen Grenze. Er ist der höchste Berg des sächsischen Osterzgebirges – eine Formulierung, auf die es ankommt: Jenseits der Grenze übertreffen ihn die Loučná (Wieselstein, 956 m) und der Prameneč (Bornhau, 909 m).

Seine Form verdankt der Berg dem Gestein. Quarzporphyr, auch Rhyolith, ist außerordentlich hart und hat der Abtragung länger widerstanden als das umgebende Material. Das Ergebnis ist eine markante Steilstufe nach Norden, Westen und Osten; an der Nord- und Westflanke haben sich Blockhalden gebildet, Felder aus kantigem Blockwerk, wie sie sonst eher aus dem Hochgebirge bekannt sind.

Was man vom Gipfel sieht – und was nicht

Einen Aussichtsturm gibt es auf dem Kahleberg heute nicht. Das war einmal anders: 1865 errichtete die Landesvermessung hier einen fünf Meter hohen Steinturm, der später auch als Aussichtsturm diente und wegen Baufälligkeit abgerissen wurde; zwischen 1954 und 1966 stand daneben ein 25 Meter hoher hölzerner Feuerwachturm. Wer heute Übersicht sucht, findet sie auf dem Felsplateau oberhalb der Blockhalde – und die genügt vollauf. Bei klarer Luft reicht der Blick über das Dresdner Elbtal zum Elbsandsteingebirge und weiter zum Böhmischen Mittelgebirge; nach Westen zieht sich der Erzgebirgskamm, im Vordergrund liegen die Galgenteiche, der Geisingberg und die Altenberger Pinge. Auf dem Gipfel steht die Kahlebergbaude.

Ein Hinweis zur Einordnung, weil er häufig falsch wiedergegeben wird: Das Naturschutzgebiet Kahleberg existierte von 1961 bis 1983 und umfasste 63 Hektar, wurde dann aber gelöscht. Geschützt ist heute die Blockhalde als Flächennaturdenkmal von drei Hektar.

Die Rundtour: 8,7 Kilometer ab Altenberger Bahnhof

Die Tourist-Information Altenberg führt eine „Rundtour zum Kahleberg“, die den Berg von Norden erschließt und über die Galgenteiche zurückführt. Sie ist die naheliegende Variante für alle, die mit der Bahn anreisen – Start und Ziel liegen am Bahnhof.

  • Länge: 8,7 km
  • Dauer: ca. 2:15 Stunden
  • Höhenmeter: 149 im Auf- und Abstieg
  • Höchster Punkt: 900 m, tiefster Punkt 752 m
  • Schwierigkeit: leicht (T1)
  • Untergrund: 88 Prozent Schotterweg, 10 Prozent Asphalt, gut 1 Prozent Pfad
  • Verlauf: Altenberg (Bahnhof) – Kurpark – Alter Zaunhäuser Weg – Moorweg – I-Flügel – Schneise 30 – Kahleberg – zurück über I-Flügel – Schneise 31 – Neugraben – Großer Galgenteich – Schellerhauer Weg – Altenberg

Zwei Anmerkungen zur Orientierung. Erstens: Einen eigens benannten „Kahlebergweg“ gibt es nicht; der Aufstieg lässt sich über mehrere markierte Wanderwege bewältigen, die Schneisenbezeichnungen im Routenverlauf sind Forstwegnamen. Zweitens: Einige Tourenportale führen die Runde als rollstuhl- oder kinderwagengeeignet. Das passt zum hohen Schotteranteil, nicht aber zum felsigen Gipfelbereich – wer bis auf das Plateau will, muss über Blockwerk.

Der Geisingberg und der Louisenturm

Rund 1,5 Kilometer vom Altenberger Ortszentrum erhebt sich der Geisingberg, 824 Meter, eine Basaltkuppe über dem Ortsteil Geising. Er ist der fotogenere der beiden Berge und der mit der besseren Geschichte.

Der Gebirgsverein Altenberg errichtete hier 1891 in nur 68 Tagen den Louisenturm: 18 Meter hoch, achteckig, Ziegelmauerwerk mit Basaltverblendung im unteren Drittel, 88 Stufen bis zur Plattform. Geweiht wurde er am 27. September 1891 und nach Prinzessin Louise benannt. Zwischen 1947 und 1970 stand auf dem Gipfel zusätzlich eine Wetterwarte.

Zwei praktische Hinweise, die man vor dem Aufstieg kennen sollte. Der Turm ist Privatbesitz und gehört zur benachbarten Gaststätte; der Zugang ist damit an deren Öffnungszeiten gebunden, die man vorab prüfen sollte. Und: Der Eschenwald auf dem Gipfelplateau ist über die Jahrzehnte gewachsen. Der Turm ragt heute nur noch wenige Meter darüber hinaus – ein ehrlicher Punkt, den man unter den Aussichtstürmen im Erzgebirge selten so deutlich liest. Sichtbar ist von hier unter anderem der Aussichtsturm Oberbärenburg.

Der Berg selbst ist Teil des Naturschutzgebiets Geisingberg und Geisingwiesen, 314 Hektar groß. Es geht auf Ausweisungen von 1961 und 1967 zurück, die im Jahr 2000 zusammengelegt und erweitert wurden. In Geising, am Fuß des Berges, beginnt außerdem der Kammweg Erzgebirge–Vogtland: Er endet nach 289 Kilometern in 17 Etappen in Blankenstein an der Saale in Thüringen, wo Frankenweg, Rennsteig und Weg der Deutschen Einheit zusammentreffen. Etappe 1 führt über rund 25 Kilometer nach Holzhau, über den Geisingberg und vorbei am Bergbaumuseum Altenberg und der Altenberger Pinge.

Georgenfelder Hochmoor: ein Zehntel auf sächsischer Seite

Im Altenberger Ortsteil Zinnwald-Georgenfeld, Hochmoorweg 9, liegt das Georgenfelder Hochmoor. Von seinen 120 Hektar Gesamtfläche befindet sich nur etwa ein Zehntel auf sächsischem Gebiet. Ein Lehrpfad besteht hier bereits seit 1926, ein Bohlenweg führt durch das Naturschutzgebiet, eine Aussichtsbrücke spannt sich über das Moor.

Botanisch ist es die dichteste Station der Region. Die Moorkiefer, das niedrige Krummholz der Hochmoore, prägt das Bild; dazwischen wachsen Moosbeere und Rauschbeere, Torfmoose, Rundblättriger Sonnentau, Scheidiges und Schmalblättriges Wollgras, Sumpfporst, Heidelbeere und Heidekraut. Betreiber ist die Stadt Altenberg. Der Eintritt beträgt (Stand 2025) für Erwachsene 5 Euro, mit Gästekarte 4 Euro, für Kinder von 6 bis 16 Jahren 3 beziehungsweise 2 Euro. Geöffnet ist saisonal und witterungsabhängig – die aktuellen Zeiten vorab prüfen.

Die Pinge und das Welterbe

Wer in Altenberg steht, steht auf hohlem Grund. Der Zinnerzabbau begann 1440, gewonnen wurde fast ausschließlich durch Feuersetzen in Weitungsbauen. Ab 1545 kam es wiederholt zu Brüchen, der größte ereignete sich 1620. Zurück blieb die Altenberger Pinge, ein Einbruchtrichter von rund 400 Metern Durchmesser und etwa 130 bis 150 Metern Tiefe. Der Bergbau endete im März 1991.

Wichtig für die Tourenplanung: Der Aussichtspunkt am Pingenrand ist öffentlich nicht frei zugänglich. Man erreicht ihn nur im Rahmen der geführten Pingenwanderung, die von Mai bis Oktober mittwochs und sonntags um 10:30 Uhr an der Tourist-Information am Bahnhofsvorplatz startet und am Bergbaumuseum endet: drei Kilometer, 1,5 bis 2 Stunden, Voranmeldung bis 13 Uhr am Vortag, Mindestteilnehmerzahl fünf, Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kinder frei.

Das Bergbaumuseum Altenberg ist in der historischen Zinnwäsche „Wäsche IV“ untergebracht, mit originaler Erzaufbereitung, funktionierendem Pochwerk und Wasserrad; daneben liegt der rund 200 Meter befahrbare Schaustollen „Neubeschert-Glück-Stolln“. Geöffnet ist täglich außer freitags von 10 bis 16 Uhr (Stand 2026, bitte vorab prüfen).

Die „Bergbaulandschaft Altenberg-Zinnwald“ gehört als einer von 22 Bestandteilen zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří – 17 sächsische, fünf tschechische –, eingeschrieben am 6. Juli 2019. Sie ist das östlichste der historischen Bergreviere im sächsischen Erzgebirge; über 100.000 Tonnen Zinn wurden hier gewonnen. Sechs Hauptelemente bilden sie: Altenberger Pinge, Wäsche IV, Zwitterstock Tiefer Erbstolln mit dem Bergbaugebiet Neufang, Aschergraben, Arno-Lippmann-Schacht und Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald. Der Aschergraben, zwischen 1452 und 1458 angelegt und 7,4 Kilometer lang, ist die älteste künstliche Wasseranlage des Reviers. Wer mehrere Ziele plant, sollte den Welterbe-Pass der Urlaubsregion Altenberg prüfen: Er gilt ein Jahr für Schloss Lauenstein, Bergbaumuseum, Pinge und das Besucherbergwerk Zinnwald.

Weitere Touren, Einkehr und Anreise

Dokumentiert sind neben der Kahlebergrunde der Grenzenlose Rundwanderweg Rehefeld/Moldava (12,5 km, 3:15 Stunden, 202 Höhenmeter, 16 Infotafeln), die Wanderung zum Geisingbergsee und nach Lauenstein (7,2 km, 1:50 Stunden) sowie der grenzüberschreitende Bergbaulehrpfad über rund 40 Kilometer.

Zur Einkehr bieten sich die Kahlebergbaude direkt auf dem Gipfel und die Bergbaude Geisingberg mit Sonnenterrasse unmittelbar neben dem Louisenturm an. Im Tal liegen das Naturhotel Gasthof Bärenfels im Kurort Bärenfels, ein historischer Gasthof aus dem 17. Jahrhundert mit regionaler sächsischer Küche, und die Rodelklause in Altenberg. Öffnungszeiten in allen Fällen vorab prüfen.

Die Anreise gelingt ohne Auto: Die Müglitztalbahn, Linie RB 72, fährt von Heidenau nach Kurort Altenberg (Erzgeb) und hält unterwegs unter anderem in Glashütte und Geising; von Dresden ist ein Umstieg in Heidenau nötig. Alternativ verkehren die Buslinie 360 ab Dresden Hauptbahnhof und die Linie 398 ab Teplice.

Ausrüstung für die Kammlagen

Auf 900 Metern schlägt das Wetter im Osterzgebirge schneller um als im Müglitztal, und der Wind über den offenen Moorflächen kühlt spürbar aus. Bewährt hat sich das Lagenprinzip aus atmungsaktiver Basisschicht, wärmender Zwischenschicht und wetterfester Außenlage. Drei Stücke aus dem Sortiment von DEPROC, die zu dieser Tour passen:

Häufige Fragen

Gibt es auf dem Kahleberg einen Aussichtsturm?

Nein. Ab 1865 stand hier ein fünf Meter hoher Steinturm der Landesvermessung, der später auch als Aussichtsturm genutzt und wegen Baufälligkeit abgerissen wurde; von 1954 bis 1966 daneben ein 25 Meter hoher hölzerner Feuerwachturm. Die Aussicht bietet heute das Felsplateau oberhalb der Blockhalde.

Ist der Kahleberg der höchste Berg des Osterzgebirges?

Er ist der höchste Berg des sächsischen Osterzgebirges. Auf tschechischer Seite sind die Loučná (Wieselstein) mit 956 Metern und der Prameneč (Bornhau) mit 909 Metern höher.

Kann man den Louisenturm jederzeit besteigen?

Nein. Der Turm ist Privatbesitz und gehört zur benachbarten Gaststätte, der Zugang ist an deren Öffnungszeiten gebunden. Zudem ragt er heute nur noch wenige Meter über den Eschenwald auf dem Gipfelplateau hinaus.

Wie kommt man ohne Auto nach Altenberg?

Mit der Müglitztalbahn, Linie RB 72, von Heidenau nach Kurort Altenberg (Erzgeb), Zwischenhalte unter anderem Glashütte und Geising. Von Dresden ist ein Umstieg in Heidenau nötig. Die Tourist-Information liegt am Bahnhofsvorplatz, dort startet die Rundtour.

Fazit

Das Osterzgebirge um Altenberg belohnt niemanden mit Rekordhöhen. Was die Region auszeichnet, ist die Dichte: eine Porphyrkuppe mit Blockhalden und weitem Rundblick, eine Basaltkuppe mit einem Turm von 1891, ein Hochmoor mit Bohlenweg und Sonnentau, ein Bergbaurevier mit einem 400 Meter weiten Einbruchtrichter und UNESCO-Status – alles innerhalb eines Radius von wenigen Kilometern, alles per Bahn erreichbar. Die 8,7 Kilometer lange Rundtour zum Kahleberg ist der beste Einstieg; wer mehr Zeit mitbringt, hängt Geisingberg, Hochmoor und Pingenwanderung an und hat ein volles Wochenende.

Tour-Steckbrief: Rundwanderung ins Georgenfelder Hochmoor

Die Runde startet in Rehefeld-Zaunhaus, führt am Georgenfelder Hochmoor und zwischen Kleinem und Großem Lugstein hindurch und streift die Flanke des Kahlebergs – sie verbindet damit gleich mehrere der hier beschriebenen Ziele auf einem belegten GPS-Track.

Tour Rundwanderung ins Georgenfelder Hochmoor (GPS-Wanderatlas)
Art Rundtour
Länge 11,08 km
Gehzeit ca. 2:46 h
Anspruch mittel, Wegzustand gut
Höhenlage 689 bis 891 m ü. NN, rund 368 Höhenmeter im Anstieg
Start Parkplatz Talstraße, Rehefeld-Zaunhaus (50.72885, 13.70294)
Highlights Jagdschloss Rehefeld, Georgenfelder Hochmoor mit Moorlehrpfad, Kleiner und Großer Lugstein, Flanke des Kahlebergs
GPX-Track GPX-Datei herunterladen



Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © GPS-Wanderatlas


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