An klaren Tagen schiebt sich der Blick vom Erzgebirge mühelos über die Landesgrenze: Wo die bewaldeten Höhenzüge sanft auslaufen, taucht hinter dem letzten Tal die böhmische Seite auf. Wer das erleben will, steigt auf einen der Aussichtstürme, die auf den Basalt- und Granitkuppen des Gebirges stehen. Dieser Ratgeber stellt die schönsten Aussichtstürme im Erzgebirge vor – mit Höhe, Anfahrt, Aufstieg, Geschichte und Einkehr, dazu die beste Besuchszeit, Hinweise für Familien und die passende Ausrüstung.

Warum sich Aussichtstürme im Erzgebirge lohnen

Das Erzgebirge ist ein Mittelgebirge mit weichen, bewaldeten Rücken statt schroffer Felswände. Genau das macht seine Türme so reizvoll: Sie sitzen auf den markanten Kuppen aus Basalt und Granit und heben den Blick über die Baumwipfel hinweg – über endlose Wälder, stille Täler und die Bergstädte mit ihren Kirchtürmen. Viele Gipfel erreicht man über kurze Wege oder eine Bergstraße, ideal für eine Halbtagestour mit Einkehr. Und fast jeder dieser Berge trägt eine Geschichte: vom Bergbau über die Geologie bis zu den alten Bergbauden, in denen heute Kaffee und Kuchen auf Wandernde warten.

Die schönsten Aussichtstürme im Erzgebirge

1. Fichtelberg (1.215 m) – der höchste Aussichtspunkt Sachsens

Über dem Kurort Oberwiesenthal erhebt sich der höchste Berg Sachsens. Schon der Weg nach oben ist ein Erlebnis: Wer nicht zu Fuß geht, steigt in die Fichtelberg-Schwebebahn, eine der traditionsreichsten Seilschwebebahnen Deutschlands. Oben prägen das historische Fichtelberghaus und die Wetterwarte das Bild – hier werden seit Langem Messdaten erfasst, denn der Fichtelberg zählt zu den kältesten und schneereichsten Orten der Region.

Der Lohn ist ein weiter Rundblick über das obere Erzgebirge, der an klaren Tagen bis zum unmittelbar benachbarten böhmischen Keilberg (Klínovec) reicht. Im Sommer starten von hier zahllose Wanderungen, im Winter dreht sich alles um den Schnee.

  • Anfahrt/Aufstieg: zu Fuß ab Oberwiesenthal in etwa 45 Minuten, alternativ mit der Schwebebahn.
  • Highlight: höchster Punkt Sachsens, Blick zum Keilberg.
  • Einkehr: Fichtelberghaus direkt am Gipfel.

2. Auersberg (1.018 m) – steinerner Turm im Westerzgebirge

Der Auersberg bei Eibenstock ist die dritthöchste Erhebung Ostdeutschlands und ringsum von dichtem Wald umstanden. Sein steinerner Turm wurde 1860 errichtet, ursprünglich zur Waldüberwachung und als Vermessungsstation, und 1901 auf seine heutige Höhe aufgestockt; über 168 Stufen erreicht man die Plattform in rund 28 Metern. Von dort schweift der Blick über die scheinbar endlosen Wälder des Naturparks Erzgebirge/Vogtland bis hinüber zur Talsperre Eibenstock und ins böhmische Bergland.

Weil ein Parkplatz nahe am Gipfel liegt, ist der Auersberg auch ohne lange Wanderung zu haben – ein dankbares Ziel, wenn die Zeit knapp ist oder kleinere Kinder dabei sind.

  • Anfahrt/Aufstieg: Parkplatz nahe dem Gipfel, von dort nur ein kurzer Anstieg.
  • Highlight: Steinturm von 1860, Blick über Wälder und Talsperre.
  • Einkehr: Berggasthof am Auersberg.

3. Scheibenberg (807 m) – Turm über den „Orgelpfeifen“

Der Scheibenberg über dem gleichnamigen Städtchen ist ein Naturdenkmal von Rang. An seiner Flanke stehen senkrechte Basaltsäulen, die man ihrer Form wegen „Orgelpfeifen“ nennt. Geologisch ist der Berg berühmt: Er gilt als ein Schauplatz des historischen „Basaltstreits“, in dem Gelehrte um die Entstehung des Gesteins rangen. Den flachen Gipfel krönt der Aussichtsturm.

Von oben öffnet sich der Blick weit ins obere Erzgebirge. Ein Rundweg verknüpft Turm, Basaltsäulen und Wald zu einer kleinen, abwechslungsreichen Runde.

  • Anfahrt/Aufstieg: von der Stadt Scheibenberg in rund 30 Minuten zu Fuß.
  • Highlight: Basalt-„Orgelpfeifen“ und Aussichtsturm.
  • Tipp: Rundweg um den Berg für Turm und Basaltformation.

4. Pöhlberg (832 m) – Hausberg von Annaberg-Buchholz

Der Pöhlberg ist einer der markanten Basaltberge der Region und der Hausberg der Bergstadt Annaberg-Buchholz. Vom Aussichtsturm fällt der Blick über die Dächer der Stadt und das umliegende Bergland; gleich nebenan lohnt die bizarre Basaltformation „Butterfässer“ einen Abstecher. Rund um den Gipfel führen Lehrpfade an Zeugnissen von Geologie und Bergbaugeschichte vorbei.

  • Anfahrt/Aufstieg: bequem über die Bergstraße oder einen kurzen Wanderweg.
  • Highlight: Aussichtsturm, Basalt-„Butterfässer“, Naturlehrpfad.
  • Einkehr: Pöhlbergbaude.

5. Bärenstein (898 m) – Aussicht ins Böhmische

Den kegelförmigen Bärenstein erkennt man schon von Weitem an seiner markanten Form. Er steht unmittelbar an der Grenze zu Böhmen; vom gedeckten Turm, dessen Grundstein 1913 gelegt wurde, blickt man hinunter nach Vejprty (Weipert) und an klaren Tagen hinüber zum Fichtelberg und zum Klínovec. Der Anstieg ist kurz, stellenweise steil – dafür wirkt der Gipfel angenehm ursprünglich.

  • Anfahrt/Aufstieg: kurzer, teils steiler Anstieg vom Ort Bärenstein.
  • Highlight: markante Bergform, grenzüberschreitender Ausblick.

6. Schwartenberg (789 m) – Bergbaude mit Weitblick

Bei Neuhausen gelegen, ist der Schwartenberg vor allem für seine Bergbaude und den weiten Blick über das mittlere Erzgebirge bekannt. Ein gemütliches Ziel, das sich gut mit einer Wanderung verbinden lässt – und im Winter wird die Gegend zum beliebten Skirevier. Ein Ort zum Ankommen, Schauen und Einkehren.

Beste Zeit & Tipps für den Turmbesuch

Am meisten gibt ein klarer Tag mit guter Fernsicht her – im Spätsommer und Herbst stimmen die Bedingungen oft. Im Herbst liegt morgens häufig Nebel in den Tälern, während die Gipfel schon im Sonnenlicht stehen: der beste Moment für ein Panoramafoto. Plane Zeit für die Aussicht und eine Einkehr ein. Manche Türme haben feste Öffnungszeiten oder erheben einen kleinen Eintritt – ein Blick auf die jeweilige Website vorab lohnt sich.

Die richtige Ausrüstung

Auf den Gipfeln und Plattformen weht es meist kühler und kräftiger als unten im Tal. Bewährt hat sich das Zwiebelprinzip mit einer wind- und wasserabweisenden Jacke als äußerer Schicht. Feste Schuhe mit Profil geben auf den teils wurzeligen Wegen Halt. Passende Outdoor-Bekleidung – auch in großen Größen – findest du in unserem Outdoor-Shop.

Aussichtstürme mit Kindern

Viele Türme sind familienfreundlich: Pöhlberg und Auersberg lassen sich bequem erreichen, der Fichtelberg punktet mit der Schwebebahn, und am Scheibenberg lassen sich die Basaltsäulen mit der Hand begreifen. Plane genug Pausen ein, nimm Snacks und Wasser mit und behalte die Kinder auf der Aussichtsplattform im Blick.

Häufige Fragen

Welcher Aussichtsturm im Erzgebirge hat den weitesten Blick?
Vom Fichtelberg (1.215 m) als höchstem Punkt Sachsens reicht der Blick am weitesten, bei klarer Sicht bis zum böhmischen Keilberg.

Welche Türme sind ohne lange Wanderung erreichbar?
Pöhlberg und Auersberg lassen sich über Bergstraße bzw. einen gipfelnahen Parkplatz schnell erreichen – ideal für einen kurzen Ausflug.

Sind die Aussichtstürme für Kinder geeignet?
Ja, viele sind familienfreundlich. Besonders Scheibenberg und Pöhlberg bieten zusätzlich spannende Natur-Highlights.

Kostet der Besuch Eintritt?
Einige Türme sind frei zugänglich, andere haben feste Öffnungszeiten oder einen kleinen Eintritt – am besten vorab prüfen.

Fazit

Die Aussichtstürme des Erzgebirges belohnen jeden Aufstieg mit weiten Ausblicken – vom Gipfel des Fichtelbergs bis zu den „Orgelpfeifen“ am Scheibenberg. Pack die richtige Ausrüstung ein und such dir dein nächstes Ziel aus. Mehr Tourenideen sammelt unsere Übersicht Wandern im Erzgebirge; wer die Türme im Abendlicht erleben möchte, findet Anregungen im Beitrag Sonnenuntergang im Erzgebirge. Gut kombinieren lässt sich der Ausflug außerdem mit den Talsperren des Erzgebirges.

Tour-Steckbrief: Crottendorfer Heide & Aussichtsturm Scheibenberg

Zum Turm der Türme: Diese Runde führt auf den Scheibenberg mit seinem Aussichtsturm und den berühmten Basaltsäulen.

Start / Ziel Scheibenberg (Stadt)
Länge ca. 11,39 km · Rundweg
Gehzeit ca. 2:57 h
Charakter überwiegend leichte bis mittlere Wege, kurzer Anstieg zum Gipfel
Highlights Aussichtsturm Scheibenberg, Basaltsäulen „Orgelpfeifen“, Basaltlehrpfad, Crottendorfer Heide
Einkehr Gastronomie in Scheibenberg, Berggasthaus am Gipfel
Navi / GPX Track & Höhenprofil beim GPS-Wanderatlas



Interaktive Karte mit eingezeichneter Route (zoom- und verschiebbar) · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © GPS-Wanderatlas.

Wegpunkt für Wegpunkt

Start in Scheibenberg: Hinauf zum Gipfel des Scheibenbergs mit dem Aussichtsturm. Orgelpfeifen: Am Basaltlehrpfad reihen sich die bis zu mehrere Meter hohen Basaltsäulen auf. Crottendorfer Heide: Weiter durch Wald und Heide, ehe die Runde zurück in den Ort führt.

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