Der Schellenberg schiebt sich als Bergsporn über das Zschopautal, und wer aus dem Tal heraufblickt, sieht zuerst die Dächer und den hellen Baukörper von Schloss Augustusburg. Der Höhenunterschied prägt den Ort: Während die Zschopau im Stadtgebiet auf etwa 300 Metern über dem Meer fließt, liegt das Plateau mit Schloss und Altstadt auf 516 Metern. Dazwischen: bewaldete Hänge, alte Steige und eine Standseilbahn, die seit 1911 in Betrieb ist.

Die Stadt Augustusburg liegt am östlichen Stadtrand von Chemnitz und markiert den Nordrand des Erzgebirges. Lange trug sie den Namen des Berges: Bis 1899 hieß sie Schellenberg, erst dann übernahm sie den Namen des Schlosses. Für einen Tagesausflug ist die Kombination günstig – Museumsbesuch, Aussicht und Wanderung lassen sich ohne Auto verbinden, weil Bahn, Bus und Seilbahn direkt ineinandergreifen.

Schloss Augustusburg: Renaissance über dem Zschopautal

Kurfürst August von Sachsen ließ die Anlage zwischen 1568 und 1572 errichten; die Weihe fand am 30. Januar 1572 statt. Die Bauleitung lag zunächst bei Hieronymus Lotter; nach dessen Entlassung 1571 folgte ihm Rochus Guerrini Graf zu Lynar. Nach heutigem Forschungsstand gilt Lotter allerdings nicht als Entwerfer des Baus, sondern als ausführender Oberbaumeister, der nach einem fertigen Modell arbeitete. Das Ergebnis ist eine streng symmetrische Vierflügelanlage, wie sie in Sachsen sonst kaum erhalten ist.

Im Innern lohnt zunächst die Schlosskirche, die größte protestantische Schlosskirche Sachsens. Das Altargemälde stammt von Lucas Cranach dem Jüngeren. An der Südwestecke liegt das Hasenhaus mit rund 100 Bildfriesen zum Motiv der verkehrten Welt, in der die Hasen die Menschen jagen. An der Nordostecke steht die Schlosslinde, 1421 gepflanzt und damit älter als das Schloss selbst.

Ein technisches Kernstück liegt unter Tage. Zwischen 1568 und 1577 schlug Bergmeister Martin Planer den Schlossbrunnen 130,6 Meter tief in den Fels; nach dem Brunnen der Festung Königstein ist er der zweittiefste Sachsens. Das zugehörige Brunnenhaus beherbergt den ältesten Treibgöpel Sachsens und wird vom Betreiber als Höhepunkt der Führungen bezeichnet – wer die Anlage sehen möchte, sollte sich vorab über den Führungsbetrieb informieren, denn die Zugänglichkeit hängt vom Programm ab.

Dazu kommen mehrere Museen: das Motorradmuseum mit über 170 Exponaten und einer der bedeutendsten Sammlungen Europas, das Kutschenmuseum im ehemaligen Stallgebäude, das seit 2025 wieder zugänglich ist, ferner das Jagdtier- und Vogelkundemuseum, das Schlossmuseum sowie der Kerker. Im Lindenhaus führen 130 Stufen und 30 Höhenmeter auf den Aussichtsturm mit 360-Grad-Rundblick; bei klarer Sicht reicht er bis Leipzig und bis zum Fichtelberg. Wer sich für solche Perspektiven interessiert, findet weitere Ziele in der Übersicht zu den Aussichtstürmen im Erzgebirge. Betrieben wird das Ensemble von der Augustusburg / Scharfenstein / Lichtenwalde Schlossbetriebe gGmbH, vermarktet als „Die Sehenswerten Drei“. Das Jagdschloss ist zugleich ausgewählte Stätte des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge. Im Schloss selbst gibt es eine Jugendherberge mit 116 Betten.

Mit der Drahtseilbahn von Erdmannsdorf nach Augustusburg

Die Drahtseilbahn Erdmannsdorf–Augustusburg wurde am 24. Juni 1911 eröffnet. Die Standseilbahn fährt mit zwei Wagen und Abt’scher Weiche, ist 1.239,8 Meter lang und überwindet 168 Höhenmeter. Die Steigung liegt im Mittel bei 13,5 Prozent, maximal bei 20,14 Prozent, die Spurweite beträgt 1.000 Millimeter. Gefahren wird konstant mit drei Metern pro Sekunde; die Fahrt dauert acht Minuten. Die Wagen von 1996 bieten je 36 Sitz- und 39 Stehplätze; Fahrräder können mitgenommen werden. Betreiber ist seit 2016 der Verkehrsverbund Mittelsachsen.

Die Talstation liegt an der Friedenstraße im Ortsteil Erdmannsdorf, unmittelbar am Bahnhof; Parkplätze sind vorhanden. Fahrkarten gibt es an der Talstation. An der Bergstation „Zur Drahtseilbahn 10“ lässt sich durch ein Glasdach in den Maschinenraum blicken. Im Winter dient die Bahn als Aufstiegshilfe für die 1,5 Kilometer lange Naturrodelbahn. Wichtig für die Planung: Einmal im Jahr geht die Bahn in eine Wartungspause. 2026 stand sie vom 9. bis 27. März still und fährt seit dem 28. März wieder; vergleichbare Pausen wiederholen sich. Vor der Anreise lohnt daher ein Blick auf die aktuellen Betriebszeiten der historischen Drahtseilbahn.

Ohne Auto funktioniert die Anreise unkompliziert. Der Haltepunkt Erdmannsdorf-Augustusburg liegt an der Zschopautalbahn Chemnitz–Flöha–Annaberg-Buchholz. Dazu kommen die Buslinien 703 (Frankenberg–Flöha–Erdmannsdorf–Augustusburg), 704 (Chemnitz–Erdmannsdorf–Augustusburg–Lengefeld) und 705 (Chemnitz–Flöha–Augustusburg–Eppendorf). Weitere Touren dieser Art sind in der Sammlung zum Wandern ohne Auto mit Bahn und Bus zusammengestellt.

Wanderungen rund um Augustusburg

Drei Touren decken unterschiedliche Ansprüche ab – vom leichten Themenweg bis zur langen Talwanderung. Auf den Waldwegen kann es wegen Holzeinschlags zu Umleitungen kommen; Sperrungen und Markierungen vor Ort sollte man beachten.

Naturlehrpfad Augustusburg–Erdmannsdorf–Hennersdorf: leicht und familientauglich

Der Themenweg misst 8,9 Kilometer, dauert rund zweieinhalb Stunden und überwindet 174 Höhenmeter. Die Stadt Augustusburg führt ihn auf outdooractive als leicht; er besteht aus zwei Rundwegen und verläuft ausschließlich auf Waldwegen. Das macht ihn zur naheliegenden Option für Familien und für alle, die den Ausflug mit einem Museumsbesuch kombinieren wollen.

Kunnerstein-Runde: Aussichtsfelsen über der Zschopau

Die Rundwanderung „Sightseeing einmal anders“ ist 8,1 Kilometer lang, dauert etwa zwei Stunden und 45 Minuten, verlangt 267 Höhenmeter und gilt als mittelschwer. Ziel ist der Kunnerstein, ein Aussichtsfelsen am Südhang des Schellenberges auf 369 Metern über dem Meer, mit Blick auf die Zschopau Richtung Hennersdorf und Kunnersdorf. Ende des 19. Jahrhunderts gab es hier ein Ausflugsrestaurant; es bestand bis 1972. Heute dient eine geräumige Schutzhütte als Rastplatz.

Zschopautalwanderweg: lange Etappe für Geübte

Für Geübte bietet sich das Teilstück Hennersdorf–Augustusburg–Erdmannsdorf–Flöha an: 28,5 Kilometer, rund acht Stunden und 15 Minuten, 537 Höhenmeter im Aufstieg. Das ist eine lange Tagestour oder eine Etappenwanderung mit Übernachtung. Nördlich davon lohnt ein Abstecher zum Hetzdorfer Viadukt, der denkmalgeschützten ehemaligen Eisenbahnbrücke der Strecke Dresden–Werdau. Bis 1992 fuhren hier Züge; heute ist das 43 Meter hohe und 328 Meter lange Bauwerk mit seinen 17 Bögen zu Fuß begehbar. Auf der alten Trasse verläuft ein etwa 2,5 Kilometer langer Bahntrassenradweg, der in Falkenau an den Flöhatal-Radweg anschließt.

Eckdaten für den Besuch: Öffnungszeiten, Preise, Anreise

  • Lage und Höhe: Schloss Augustusburg auf dem Schellenberg, 516 Meter über dem Meer, Nordrand des Erzgebirges; Zschopautal im Stadtgebiet bei etwa 300 Metern.
  • Anreise mit Bahn und Bus: Haltepunkt Erdmannsdorf-Augustusburg an der Zschopautalbahn Chemnitz–Flöha–Annaberg-Buchholz, Buslinien 703, 704 und 705.
  • Drahtseilbahn: Talstation Friedenstraße in Erdmannsdorf direkt am Bahnhof, Fahrzeit acht Minuten, Fahrkarten an der Talstation; Betriebszeiten und Wartungspause im März vorab prüfen.
  • Öffnungszeiten (Stand 2026, Änderungen vorbehalten): April bis Oktober täglich 10 bis 17 Uhr, November bis März täglich 10 bis 16 Uhr; die genannte Endzeit ist jeweils der letzte Einlass. Die Museen schließen eine Stunde nach dem letzten Einlass. Am 24. Dezember geschlossen, am 31. Dezember bis 14 Uhr, am 1. Januar ab 11 Uhr.
  • Preise (Stand 2026, Änderungen vorbehalten): Schlossticket 20 Euro, ermäßigt 16, Familie 50. Schlossmuseum einzeln 15 / 12 / 38 Euro, Motorradmuseum 10 / 8 / 25 Euro, Schlossführung 8 / 6 / 21 Euro. Aussichtsturm als Einzelticket 3 Euro pro Person am Drehkreuz. Kinder bis einschließlich sechs Jahre frei. Mittwochs Seniorentag mit 10 Prozent Ermäßigung vor Ort. Die schlösserlandKARTE wird nicht mehr akzeptiert.
  • Parken: kostenpflichtige Parkplätze auf der Südseite unmittelbar am Schloss, dazu ausgewiesene Reisebusstellplätze und gebührenpflichtige Wohnmobilstellplätze; zwei Behindertenparkplätze vor dem Schloss, von dort sind es rund 80 Meter in den Innenhof. Weitere Parkplätze am Bahnhof Erdmannsdorf.

Details zu Tickets und Terminen finden sich beim Betreiber unter Besuch planen.

Einkehr in Augustusburg

Auf dem Schlossgelände liegt das Café Anna: von April bis Oktober täglich 11 bis 17 Uhr, von November bis März 11 bis 16 Uhr; warme Küche gibt es bis eine Stunde vor Schluss, tagesaktuelle Abweichungen sind möglich. In der Stadt röstet das Röstcafé Augustusburg in der Schloßstraße 2 selbst. Die Konditorei und Café Schreier in der Hohen Straße 13 hat täglich geöffnet. Bodenständiger geht es im Gasthaus „Zum Schloßberg“ in der Waldstraße 1 zu. Böhmische Küche serviert das Restaurant „Baronka“ in der Hohen Straße 26, donnerstags bis samstags von 11.30 bis 22 Uhr und sonntags von 11.30 bis 20 Uhr; montags bis mittwochs ist Ruhetag.

Ausrüstung für den Tag zwischen Tal und Plateau

Zwischen Zschopautal und Schlossplateau liegen rund 200 Höhenmeter, und im Wald bleibt es auch an warmen Tagen kühl. Wer Museumsbesuch und Wanderung kombiniert, ist mit dem Lagenprinzip aus wärmender Zwischenschicht und wetterfester Außenlage gut bedient. Drei Stücke aus dem Sortiment von DEPROC, die zu diesem Ausflug passen:

Häufige Fragen

Wie viel Zeit sollte man für Schloss und Museen einplanen?

Wer Schlossmuseum, Motorradmuseum, Kutschenmuseum und das Jagdtier- und Vogelkundemuseum sehen will, braucht mehrere Stunden. Sinnvoll ist ein Start am Vormittag, zumal die Museen eine Stunde nach dem letzten Einlass schließen. Für das Schloss plus eine der kürzeren Wanderungen reicht ein voller Tag.

Kommt man ohne Auto nach Augustusburg?

Ja. Die Zschopautalbahn hält in Erdmannsdorf-Augustusburg, unmittelbar neben der Talstation der Drahtseilbahn. Von dort geht es in acht Minuten hinauf zur Bergstation. Alternativ verkehren die Buslinien 703, 704 und 705 bis in den Ort.

Fährt die Drahtseilbahn ganzjährig?

Grundsätzlich ja, im Winter dient sie zusätzlich als Aufstiegshilfe für die Naturrodelbahn. Einmal im Jahr steht sie jedoch für Wartungsarbeiten still, 2026 vom 9. bis 27. März. Solche Pausen wiederholen sich, daher sollte man die Betriebszeiten vor der Fahrt prüfen.

Welche Wanderung eignet sich für Familien?

Der Naturlehrpfad mit 8,9 Kilometern, rund 174 Höhenmetern und der Einstufung leicht verläuft ausschließlich auf Waldwegen und lässt sich als zwei Rundwege gehen. Er ist damit besser geeignet als die anspruchsvollere Kunnerstein-Runde oder das lange Teilstück des Zschopautalwanderwegs.

Fazit

Augustusburg verbindet auf engem Raum, was sonst getrennte Ausflüge wären: eine Renaissanceanlage mit Schlosskirche, Brunnen und mehreren Museen, eine über 110 Jahre alte Standseilbahn und ein Wegenetz zwischen Plateau und Zschopautal. Die Anreise mit Bahn und Bus funktioniert zuverlässig, die Seilbahn ersetzt den Aufstieg zu Fuß. Wer Betriebszeiten, Öffnungszeiten und Preise vorab abgleicht und mögliche Umleitungen auf den Waldwegen einkalkuliert, kann den Tag entspannt planen – ob als kurzer Museumsbesuch mit Turmaufstieg oder als Wandertag mit Einkehr in der Altstadt.

Tour-Steckbrief: Jagdschloss Augustusburg, Zschopautal und die Drahtseilbahn

Länge 7,8 km (Rundtour)
Gehzeit ca. 2:10 h
Anspruch mittel, Wegzustand gut
Start/Ziel Augustusburg, Nähe Drahtseilbahn (50.81115, 13.09829)
Highlights Schloss Augustusburg, Kunnerstein, Zschopautal, Schwarzer Teich, Drahtseilbahn
Tour & GPX GPS Wanderatlas: Tourbeschreibung mit GPX-Download


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Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © GPS-Wanderatlas


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