Wer von Carlsfeld aus nach Süden über den Erzgebirgskamm blickt, sieht auf der böhmischen Seite vor allem Wald, Moor und Heide. Irgendwo dazwischen, auf 886 Metern Höhe, liegt Přebuz, zu Deutsch Frühbuß. Der Ort im Bezirk Sokolov in der Karlsbader Region bezeichnet sich selbst als kleinste Stadt Tschechiens: Rund 70 Menschen leben hier, verteilt auf fast 30 Quadratkilometer – gerade einmal zwei Einwohner pro Quadratkilometer.
Nach Přebuz kommt man nicht zufällig. Wer es tut, findet eine Kirche, einen Platz mit Nepomuk-Statue, einen alten Förderturm und dahinter eine der ursprünglichsten Moorlandschaften des Erzgebirges. Dieser Beitrag stellt den Berglehrpfad Frühbuß und das Naturreservat Rolavská vrchoviště vor und gibt Hinweise für Anreise und Einkehr.
Eckdaten
- Lage: Přebuz (Frühbuß), Bezirk Sokolov, Karlsbader Region; rund 6 km südlich des Erzgebirgskamms
- Höhe: 886 m
- Einwohner: rund 70
- Tour: Berglehrpfad Frühbuß (Hornická poznávací trasa), Rundweg mit 13 Stationen, rund 5 km
- Anreise: mit dem Auto über Kraslice (von Klingenthal) oder über Nejdek; Buslinie 203 ab Kraslice
- Einkehr: Kovářská Bouda im Ort, Poštovna Rolava nördlich davon
- Beste Zeit: Mai bis Oktober für Wanderungen; im Winter gespurte Loipen
- Hinweis: Das Nationale Naturreservat Rolavská vrchoviště darf nur auf markierten Wegen betreten werden.
Geschichte von Přebuz: vom Zinnbergbau zum Stadtrecht
Frühbuß verdankt seine Existenz dem Zinn. Die erste Erwähnung stammt von 1542. Bereits 1553 verlieh Viktorin Schlick dem Ort Bergfreiheiten, 1556 erhielt er ein eigenes Bergamt. Seine Blütezeit erlebte der Bergbau zwischen 1698 und 1760. 1933 wurde er mit den Schächten Otto, Hauptschacht und Ritterschacht noch einmal aufgenommen.
Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Frühbuß einschließlich der Ortsteile Rolava und Chaloupky knapp 3.000 Menschen; 1930 zählte die Stadt allein 1.396 Einwohner. Die Bevölkerung war überwiegend deutschsprachig. Nach dem Krieg wurden die meisten Bewohner vertrieben. Von 1946 bis 1948 folgten Erkundungen auf Uran, von 1953 bis 1958 auf Zinn. Das Stadtrecht erhielt Přebuz erst am 22. Juni 2007 zurück. Mehr dazu auf der Website der Gemeinde zur Geschichte.
Sichtbar ist diese Vergangenheit bis heute. Die spätbarocke Kirche St. Bartholomäus (sv. Bartoloměj) stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts und wird schrittweise saniert; ihre Glocke ist von 1565. Dazu kommen das ehemalige Pfarrhaus, das Haus Nr. 46 – Mitte des 18. Jahrhunderts eine Ausspannwirtschaft – und die Nepomuk-Statue auf dem Platz.
Der Berglehrpfad Frühbuß (Hornická poznávací trasa)
Am anschaulichsten erschließt sich die Bergbaugeschichte auf dem Berglehrpfad Frühbuß, tschechisch Hornická poznávací trasa Přebuz. Der Rundweg ist rund 5 Kilometer lang und hat 13 Stationen. Station 1 liegt im Ort auf 886 Metern; von dort führt die Route über den Hartelsberg (Čertova hora) und zurück nach Přebuz.
Zu den markantesten Punkten gehört der Förderturm des Hauptschachts, der bis 1958 in Betrieb war und heute als technisches Denkmal gilt. Dazu kommt die Ruine der Aufbereitungsanlage, die von 1933 bis 1945 arbeitete. Ein weiteres Zeugnis des Bergbaus ist der rund 6 Kilometer lange Erbgraben.
Zur Vorbereitung lohnt das dreisprachige Faltblatt zum Berglehrpfad (Tschechisch, Deutsch, Englisch), herausgegeben im Umfeld des Geoparks Egeria und des Muzeum Sokolov. Es weist ausdrücklich auf nassen, weichen Boden hin. Feste Schuhe sind daher Pflicht, auch wenn die Strecke kurz ist.
Rolava und die Hochmoore
Nördlich von Přebuz beginnt das Nationale Naturreservat Rolavská vrchoviště. Es besteht seit dem 1. Juli 2012 und liegt zwischen 880 und 950 Metern Höhe. Aufgegangen sind darin die früheren Reservate Velké jeřábí jezero (Großer Kranichsee) und Velký močál. Moorfichtenwälder, offene Hochmoore und Heiden prägen das Gebiet, das zugleich Quellgebiet der Rolava ist. Das Klima ist rau: Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 4 bis 5 Grad, jährlich fallen rund 1.000 Millimeter Niederschlag.
Der Große Kranichsee liegt auf etwa 950 Metern beiderseits der Grenze südlich von Carlsfeld. Sein kleineres Gegenstück auf sächsischer Seite beschreibt der Beitrag zum Kleinen Kranichsee. Rund um Přebuz schließen sich der Naturpark Přebuz mit 98 Quadratkilometern sowie die Naturdenkmäler Přebuzské vřesoviště (Frühbußer Heide) und Rašeliniště Haar an. Laut CzechTourism führen unter anderem wegen Birkhuhn und Auerhuhn nur wenige markierte Wege durch das Reservat; mehr dazu bei Kudy z nudy.
Etwa 1,5 Kilometer nördlich von Přebuz lag das Dorf Rolava, deutsch Sauersack. 1951 wurde es in die Grenzzone einbezogen und danach abgerissen. Erhalten blieb nur die ehemalige Post, heute das Restaurant Poštovna Rolava. Im Reservat liegen außerdem die ehemalige Zinngrube Rolava und das Gelände des Kriegsgefangenenlagers Sauersack aus dem Zweiten Weltkrieg. Einsam ist die Gegend nicht immer: An Spitzentagen kommen laut Polizei Hunderte bis Tausende Besucher.
Regeln im Reservat
- Nur auf markierten Wegen gehen.
- Feuer und Zelten sind verboten; für Feuer ohne Genehmigung drohen Strafen bis 100.000 Kč.
- Polizei und Feuerwehr kontrollieren, auch mit Drohnen.
- Die Hochmoorflächen des Großen Kranichsees nicht betreten – das gilt ebenso für den Kleinen Kranichsee auf sächsischer Seite.
Anreise und Einkehr
Mit dem Auto
Nach Přebuz führen Straßen von Nejdek sowie von Kraslice über Stříbrná. Aus Sachsen bietet sich die Anfahrt über Klingenthal und Kraslice oder über Nejdek an. Der direkte Übergang von Carlsfeld über Weitersglashütte und den Frühbußer Pass ist für den öffentlichen Kfz-Verkehr gesperrt. Im Winter sind die Straße durch das Rájecké údolí und der Abschnitt Jelení–Přebuz für Autos nicht befahrbar. Jelení (Hirschenstand), ein Ortsteil von Nové Hamry mit vier Einwohnern, liegt am 943 Meter hohen Hirschenstander Pass. Die aktuelle Straßenlage sollte man vorab prüfen. An der Poštovna Rolava gibt es nur wenige Gästeparkplätze.
Mit Bus und Rad
Die Buslinie 203 des Verkehrsbetriebs Dopravní podnik Karlovy Vary verbindet Kraslice über Rotava und Šindelová mit Přebuz, auch an Wochenenden; ein Blick in den aktuellen Fahrplan empfiehlt sich. Für Wanderer und Radfahrer ist der Waldweg über den Frühbußer Pass offen. So lässt sich eine Tour mit der Wanderung an der Talsperre Carlsfeld verbinden. Radfahrer nutzen die nationale Radroute 23 (Magistrála Krušné hory), deren Abschnitt Rolava–Klínovec hier beginnt; Tipps dazu im Beitrag über den Klínovec.
Einkehren und übernachten
Im Ort liegt die Horská chata Kovářská Bouda (Přebuz 82), eine Berghütte mit Restaurant, sechs Zimmern mit 19 Betten und eigenem kleinen Skihang mit Lift. Die Poštovna Rolava bietet nur Gastronomie, keine Übernachtung. Daneben gibt es Ferienhäuser im Ort. Die Öffnungszeiten ändern sich; sie sollten vor dem Besuch erfragt werden.
Häufige Fragen zu Přebuz
Ist Přebuz wirklich die kleinste Stadt Tschechiens?
Přebuz bezeichnet sich selbst so. Mit rund 70 Einwohnern und Stadtrecht seit 2007 ist der Ort jedenfalls außergewöhnlich klein.
Wie lang ist der Berglehrpfad Frühbuß?
Der Rundweg ist rund 5 Kilometer lang und hat 13 Stationen. Start ist im Ort auf 886 Metern.
Kann man von Carlsfeld mit dem Auto nach Přebuz fahren?
Nicht direkt. Der Übergang über den Frühbußer Pass ist für den öffentlichen Kfz-Verkehr gesperrt, zu Fuß und mit dem Rad aber möglich. Autofahrer nehmen den Weg über Kraslice oder Nejdek.
Lohnt sich Přebuz im Winter?
Ja, für Langläufer: Es gibt gespurte Loipen mit Anschluss an die Krušnohorská magistrála; Wander- und Radwege dienen dann als Skiwege. Die Zufahrt ist allerdings eingeschränkt.
Passende Ausrüstung von DEPROC
Auf rund 900 Metern, mit nassem Moorboden und einem Jahresmittel von 4 bis 5 Grad, zählt in Přebuz vor allem Wetterschutz. Drei Teile, die zu einem Tag auf dem Berglehrpfad passen:
- LAVAL MEN Outdoorjacke – wetterfeste Außenlage für wechselhaftes Kammwetter und lange Tage im Gelände.
- GLORY MAY WOMEN Fleecejacke – wärmende Zwischenschicht für die Rast am Förderturm oder den Abend in der Berghütte.
- STERLING WOMEN Softshellhose – robuste Hose für feuchte Wege und den Anstieg zum Hartelsberg.
Fazit
Přebuz ist kein Ort für eine Besichtigungsliste, sondern für einen langen Tag im Gelände. Der Berglehrpfad erzählt in 13 Stationen, wie das Zinn eine Stadt entstehen ließ und wie Krieg und Vertreibung sie fast verschwinden ließen. Die Hochmoore von Rolava zeigen, was die Natur aus dem Grenzland gemacht hat. Wer auf markierten Wegen bleibt, feste Schuhe trägt und Anreise sowie Öffnungszeiten vorab prüft, erlebt abseits der Spitzentage eine der stillsten Ecken des böhmischen Erzgebirges. Als Fortsetzung bietet sich die Grenzwanderung von Boží Dar zum Fichtelberg an.


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