Zwischen Marienberg und der deutsch-tschechischen Grenze liegt ein Moor, das amtlich als größtes Plateau-Hochmoor Ostdeutschlands gilt: die Mothäuser Heide, 414,1 Hektar groß, 1915 erstmals gesichert und damit das älteste Moor- und Schutzgebiet im Erzgebirge. Wer sich dafür interessiert, stößt fast zwangsläufig auch auf den Moorlehrpfad Stengelhaide. Beide Namen tauchen häufig gemeinsam auf, gemeint sind jedoch zwei verschiedene Gebiete.
Der Moorlehrpfad Stengelhaide liegt am Ortsrand von Kühnhaide und erschließt das Moor Stengelhaide. Er führt nicht durch das Naturschutzgebiet Mothäuser Heide. Der Unterschied ist praktisch bedeutsam: In der Kernzone der Mothäuser Heide dürfen die Flächen abseits der Görkauer Straße nicht betreten werden. Wer ein Hochmoor im Erzgebirge aus nächster Nähe sehen will, geht deshalb über die Holzbohlen der Stengelhaide. Im Herbst, wenn die Besenheide blüht und Nebel über den Flächen steht, lohnt der Weg besonders.
Wo liegen Moorlehrpfad Stengelhaide und Mothäuser Heide?
Kühnhaide ist ein Ortsteil von Marienberg im Erzgebirgskreis, gelegen im Tal der Schwarzen Pockau. Rund einen Kilometer nordwestlich der Ortslage beginnt das NSG Mothäuser Heide, das bis in Grenznähe reicht; Reitzenhain liegt direkt an der Grenze. Es umfasst 414,1 Hektar, davon 111,8 Hektar Kernzone und 302,3 Hektar Randzone. Festgesetzt wurde es durch Rechtsverordnung des Regierungspräsidiums Chemnitz vom 6. März 2003; es ist zugleich FFH-Gebiet und liegt laut Landratsamt auf 730 bis 780 Metern. Das Moor Stengelhaide liegt dagegen direkt am Ort auf rund 760 Metern, umfasst etwa 110 Hektar, wird vom Stinkenbach gespeist und entstand vor etwa 9.000 Jahren; der Torf ist dort bis zu sechs Meter mächtig.
Der Moorlehrpfad Stengelhaide: Was der Rundweg zeigt
Der Pfad wurde vom Naturpark Erzgebirge/Vogtland angelegt und wird von ihm betreut. Der Rundweg misst rund 2,2 Kilometer und verläuft teilweise über Holzbohlenwege; Höhepunkt ist eine Aussichtsplattform. Barrierefrei ist die Strecke nicht. Ausgangspunkt ist der kostenlose Waldparkplatz „Moorlehrpfad“ an der Brückenstraße. Durch den Pfad führen zwei Maskottchen, „Rauschi“ für die Rauschbeere und „Moosi“ für die Moosbeere.
Ein Detail bestimmt die Planung: Die Infotafeln stehen nur vom 1. Mai bis 31. Oktober, danach werden sie eingelagert. Wer im November kommt, läuft denselben Rundweg ohne jede Erklärung. Exkursionen für Gruppen ab fünf Personen gibt es nach Vereinbarung, Führungen an ausgewählten Terminen; Kontakt ist der Naturpark, Schloßplatz 8, 09487 Schlettau, Telefon 03733 622106.
Zu sehen sind Wollgras, Moosbeere, Rauschbeere und Torfmoos-Vegetation, dazu ein auffälliger Birken- und Fichtenbewuchs als Folge der früheren Entwässerung. Der Torfabbau reicht bis ins Mittelalter zurück, hatte seinen Höhepunkt zwischen 1947 und 1989 und endete 1990; der zentrale Teil des Moores fehlt seither. Seit 1992 wird wiedervernässt, indem Gräben angestaut und Hangwasser eingeleitet werden. Zur Tierwelt zählen der sehr seltene Hochmoor-Gelbling, dessen Raupen an der Rauschbeere fressen, sowie Dukatenfalter und Waldeidechse.
Mothäuser Heide: Spirken, Torf und ein Moor in der Reparatur
Die Rechtsverordnung bezeichnet die Mothäuser Heide als Wasserscheidenhochmoor; fachlich gilt sie als Hang-Regenmoor mit teilweiser Hangwasserspeisung. Prägend ist der seltene Fichten-Spirken-Moorwald. Die Moor-Kiefer, auch Spirke genannt, ist ein Eiszeitrelikt, wächst sehr langsam und erreicht höchstens 20 Meter. Geschützt sind unter anderem die prioritären Lebensraumtypen Lebende Hochmoore, Bergkiefern-Moorwälder und Fichten-Moorwälder. Am Boden wachsen Rosmarinheide, Schwarze Krähenbeere, Sumpfporst und Wollgräser. Das Klima liefert die Voraussetzung: 950 bis 1.000 Millimeter Jahresniederschlag, eine Jahresmitteltemperatur von nur 5,4 Grad Celsius.
Der Mensch hat dem Moor früh zugesetzt. Nach der Gründung Marienbergs 1521 entstand die Görkauer Straße, die die seit dem 12. Jahrhundert bestehende Salzstraße nach Prag verkürzte. Sie zerschnitt das Moor und wirkt bis heute als Wasserbarriere. Ab etwa 1824 folgte die systematische Entwässerung mit umfangreichem Torfabbau; nach 1875 wurde die Grabenräumung als unwirtschaftlich aufgegeben.
Seit 2022 wird gegengesteuert: Rund 500 Meter der Görkauer Straße wurden zurückgebaut, Staubauwerke errichtet, Material per Hubschrauber eingeflogen. Der zweite Renaturierungsschritt läuft von 2025 bis 2027, weitere Gräben werden verschlossen, Bäume entnommen. 2025 entstand hier die erste Erosionsschutzkaskade Sachsens. Wichtig für die Planung: Wegen der Bauarbeiten ist eine Wegeumleitung ausgeschildert, der direkte Weg zwischen Marienberg und Kühnhaide verlängert sich dadurch um mehr als einen Kilometer.
Kühnhaide: das Kälteloch im Schwarzwassertal
Kühnhaide gilt als kältester bewohnter Ort Deutschlands. Die Zuschreibung beruht auf Messungen privater Wetterstationen; eine amtliche Feststellung des Deutschen Wetterdienstes gibt es nicht. Ursache ist die Geländeform: Das Tal der Schwarzen Pockau verengt sich taleinwärts so stark, dass der Luftabfluss nahezu abgeriegelt wird; Berge stehen in allen Himmelsrichtungen. Das Kälteloch auf 710 bis 750 Metern wirkt vor allem in windstillen, wolkenlosen Nächten; in jedem Monat ist mit Bodenfrost zu rechnen, auch im Sommer. Am 12. Februar 2012 kam Jörg Kachelmann mit SpiegelTV wegen minus 31 Grad nach Kühnhaide und errichtete eine eigene Station; im MDR-Wetterbericht laufen die Werte als „Marienberg-Kühnhaide“.
Kühnhaide wandern: Kammweg-Etappe 06 zum Hirtstein
Etappe 06 des Kammwegs Erzgebirge–Vogtland führt von Kühnhaide nach Satzung: 14,0 Kilometer, rund vier Stunden, 185 Höhenmeter Aufstieg, eingestuft als schwer. Start ist der Wanderparkplatz Schwarzwassertal, Ziel der Hirtstein; Wegpunkte sind Grüner Graben, Sportplatz Kühnhaide, Moorlehrpfad Stengelhaide, Reitzenhain und Reißigmühle. Der Grüne Graben ist ein im 17. Jahrhundert angelegter Kunstgraben, der über acht Kilometer Wasser zu den Gruben von Pobershau führt. Auf dem Hirtstein, 890 Meter hoch, steht der etwa 15 Meter große Basaltfächer, Geotop und Naturdenkmal von europäischer Bedeutung. Schwarzwassertal und Grüner Graben gehören zu einem eigenen Naturschutzgebiet, zugleich FFH-Gebiet „Tal der Schwarzen Pockau“.
Eckdaten auf einen Blick
| Ausgangspunkt | Waldparkplatz „Moorlehrpfad“, Brückenstraße, Kühnhaide, kostenlos |
| Rundweg | ca. 2,2 km, teils Holzbohlen, nicht barrierefrei |
| Höhe | Stengelhaide ca. 760 m, NSG Mothäuser Heide 730 bis 780 m |
| Infotafeln | 1. Mai bis 31. Oktober |
| Auto | B 174 ab Marienberg Richtung Reitzenhain, Abfahrt Brückenstraße |
| ÖPNV | Buslinie 497, Haltestelle „Kühnhaide Abzweig Brückenstraße“, Fahrpläne über RVE/VMS |
| Einkehr | Hirtsteinbaude und Erbgericht in Satzung, Pension Waldeck in Pobershau, Gasthaus Rübenau, Hotel Weißes Roß in Marienberg |
| Schutzstatus | NSG und FFH-Gebiet Mothäuser Heide, 414,1 Hektar |
In Kühnhaide selbst sollte man sich nicht auf eine Einkehr verlassen, sondern vorher anrufen oder Proviant mitnehmen. Der Gasthof Erbgericht in Satzung liegt auf 850 Metern und besitzt das Braurecht seit 1799.
Regeln im Naturschutzgebiet
Verstöße gegen die Rechtsverordnung sind Ordnungswidrigkeiten. In der Kernzone ist das Betreten von Flächen außerhalb der Görkauer Straße verboten; die Kernzone soll sich selbst überlassen bleiben. Hunde dürfen nicht frei laufen. Radfahren, Reiten und Skilaufen sind nur auf den Wegen Schwertflügel, Dreiflügel, Görkauer Straße und Neues Sträßel sowie auf dem befestigten Abschnitt des Reitsteiges erlaubt. Zelten, Lagern, Feuer, das Nachstellen von Tieren und das Befahren mit Fahrzeugen sind untersagt. Wegen der empfindlichen Moorböden gilt ein strenges Wegegebot. Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Erzgebirgskreis.
Häufige Fragen
Führt der Moorlehrpfad durch das NSG Mothäuser Heide?
Nein. Der Lehrpfad liegt in der Stengelhaide am Ortsrand von Kühnhaide. Die Mothäuser Heide beginnt rund einen Kilometer nordwestlich und ist ein eigenes Schutzgebiet.
Darf man das Hochmoor der Mothäuser Heide betreten?
In der Kernzone ist das Betreten außerhalb der Görkauer Straße verboten. Für das Gebiet gilt zudem ein striktes Wegegebot.
Lohnt der Moorlehrpfad im November?
Der Rundweg bleibt begehbar, die Infotafeln stehen jedoch nur bis zum 31. Oktober. Im November fehlen die Erklärungen vor Ort.
Wie lang ist der Rundweg und wie anspruchsvoll?
Mit rund 2,2 Kilometern ist der Rundweg kurz, er führt aber teils über Holzbohlen und ist nicht barrierefrei. Wer mehr gehen will, hängt die Kammweg-Etappe 06 an.
Fazit
Die Rollenverteilung ist klar: Der Moorlehrpfad Stengelhaide ist der Ort zum Hinsehen, die Mothäuser Heide der Ort zum Abstandhalten. Beste Wanderzeit ist Mai bis Oktober; im Herbst setzen blühende Besenheide und graue Nebelschwaden den Rahmen, eine bunte Laubfärbung liefert der Moorwald aus Fichte, Spirke und Birke nicht. Wer die Umleitung einplant und für die Verpflegung vorsorgt, bekommt eine kurze Runde, die sich mit der Kammweg-Etappe zum Hirtstein verbinden lässt. Als weiteres Hochmoor im Erzgebirge bietet sich der Kleine Kranichsee an.
Passende Ausrüstung von DEPROC
Bodenfrost in jedem Monat, dazu 950 bis 1.000 Millimeter Jahresniederschlag: Das Kälteloch Kühnhaide stellt eigene Ansprüche an die Ausrüstung. Wer im Herbst über die Bohlenwege geht, braucht weniger eine schwere Bergausrüstung als warme, windfeste Zwischenschichten:
- WAWA BAY WOMEN Fleecejacke – warme Zwischenschicht für kühle Morgenstunden am Moor.
- SEWARD MEN Fleecejacke – das Gegenstück für Herren, angenehm auf kurzen Runden ohne große Steigung.
- CANADA WOMEN Windstopperjacke – für die zugigen Passagen auf dem Kammweg Richtung Hirtstein.


Schreibe einen Kommentar