Es gibt Wanderwege, die man an einem Nachmittag abhakt, und es gibt solche, die zum Lebensprojekt werden. Der Kammweg Erzgebirge–Vogtland gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Auf rund 285 Kilometern und 17 Etappen folgt er den Höhenzügen des Erzgebirges und des Vogtlands, vom Osterzgebirge bis nach Thüringen. Wer den kompletten Weg unter die Sohlen nimmt, erlebt das Erzgebirge dort, wo es am ursprünglichsten ist: auf dem Kamm, mit weiten Fernblicken, tiefen Wäldern und einer Bergbaugeschichte, die bis heute die Landschaft prägt.
Was den Kammweg besonders macht
Der Kammweg zählt zu den ältesten Fernwanderwegen Europas und ist vom Deutschen Wanderverband als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet. Das Prädikat steht für eine durchgängige, verlässliche Beschilderung, abwechslungsreiche Wegeführung und wanderfreundliche Gastgeber entlang der Strecke. Der Weg beginnt im Osterzgebirge bei Altenberg und Geising und endet nach 17 Etappen im thüringischen Blankenstein – jenem Ort, an dem auch der Rennsteig endet und mehrere Fernwanderwege zusammentreffen.
Die einzelnen Etappen sind zwischen etwa 18 und 30 Kilometern lang. Das klingt sportlich, verteilt sich aber angenehm: Der Kammweg verläuft überwiegend auf den Höhen, sodass die großen Anstiege meist am Etappenbeginn liegen und danach lange, aussichtsreiche Passagen folgen. Man muss nicht alles am Stück gehen. Viele Wandernde nehmen sich einzelne Etappen als Tagestouren vor oder kombinieren ein verlängertes Wochenende zu einer Mini-Durchquerung.
Die Höhepunkte entlang der Route
Schon die erste Etappe führt über den Kahleberg (905 Meter), einen der markanten Gipfel des Osterzgebirges mit weitem Blick über die Bergbaulandschaft rund um Altenberg. Von dort zieht sich der Weg westwärts über die Kämme – und mit jeder Etappe verschiebt sich der Charakter der Landschaft.
Über das Dach Sachsens
Der landschaftliche Höhepunkt im wörtlichen Sinn ist die Etappe über den Fichtelberg. Mit 1.215 Metern ist er der höchste Berg Sachsens, und der Kurort Oberwiesenthal an seinem Südhang gilt mit 914 Metern als höchstgelegene Stadt Deutschlands. Der Aufstieg führt an der Sportheim-Hütte Waldeck vorbei, einer der wenigen verlässlichen Einkehrmöglichkeiten auf diesem Abschnitt. Oben belohnen bei klarer Sicht Fernblicke bis ins böhmische Erzgebirge und zum benachbarten Keilberg.
Basalt, Wälder und stille Kämme
Im mittleren und westlichen Erzgebirge wird der Weg ruhiger. Am Hirtstein (890 Meter) beeindruckt der freigelegte Basaltfächer, ein seltenes geologisches Naturdenkmal. Der Auersberg, der zweithöchste Berg Sachsens, trägt einen Aussichtsturm, der den Rundumblick über die Wälder öffnet. Wer den Kamm im Sommer geht, wandert hier oft über Stunden durch dichte Fichten- und Mischwälder, ohne einer größeren Ortschaft zu begegnen.
Kultur am Wegesrand
Der Kammweg ist nicht nur Natur. Er streift das Spielzeugdorf Seiffen, führt an der Saigerhütte in Olbernhau vorbei – einem historischen Hüttenwerk, das zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří gehört – und passt im Vogtland den Schneckenstein bei Klingenthal, einen der wenigen bekannten Topasfelsen der Welt. In Klingenthal grüßt außerdem die Vogtland Arena, eine der modernsten Skisprungschanzen Deutschlands.
Eckdaten auf einen Blick
- Gesamtlänge: rund 285 Kilometer
- Etappen: 17 (je etwa 18 bis 30 Kilometer)
- Verlauf: Altenberg/Geising (Osterzgebirge) bis Blankenstein (Thüringen)
- Höchster Punkt: Fichtelberg, 1.215 Meter
- Auszeichnung: Qualitätsweg Wanderbares Deutschland
- Beste Zeit: Mai bis Oktober; die Höhenlagen bleiben lange kühl
Tipps für die Planung
Der Kammweg lässt sich hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln kombinieren. Die schmalspurige Fichtelbergbahn bringt Wandernde nach Oberwiesenthal, viele Etappenorte sind per Bus oder Bahn erreichbar, sodass sich Einzeletappen bequem als Tagestour planen lassen. Wer mehrtägig unterwegs ist, sollte die Übernachtungen vorab organisieren – auf den Kammlagen liegen die Orte teils weit auseinander. Einen Überblick über passende Adressen bietet unser Beitrag zu wanderfreundlichen Gastgebern im Erzgebirge.
Wichtig ist die Verpflegung: Nicht jede Etappe hat eine Einkehr am Weg, deshalb gehören ausreichend Wasser und Proviant in den Rucksack. Das Wetter am Kamm schlägt schnell um, selbst im Hochsommer kann es auf dem Fichtelberg empfindlich frisch und windig werden. Eine wind- und wetterfeste Jacke sowie das bewährte Zwiebelprinzip sind Pflicht. Wer noch nach der passenden Route für den Einstieg sucht, findet in unserer Übersicht der schönsten Sommertouren im Erzgebirge Anregungen. Und für alle, die vor allem den Fernblick suchen, lohnt ein Blick auf die Aussichtstürme im Erzgebirge, von denen einige direkt am Kammweg liegen.
Häufige Fragen zum Kammweg
Wie lange braucht man für den gesamten Kammweg?
Geübte Fernwandernde planen für die 17 Etappen rund zwei bis drei Wochen ein. Wer einzelne Etappen als Tagestouren geht, kann sich den Weg über eine ganze Saison verteilen.
In welche Richtung sollte man wandern?
Die offizielle Wegführung verläuft von Blankenstein nach Geising, viele Erzgebirgs-Wandernde starten jedoch im Osten bei Altenberg. Beide Richtungen sind durchgängig beschildert.
Ist der Kammweg für Einsteiger geeignet?
Die Beschilderung ist vorbildlich und die Höhenunterschiede moderat. Anspruchsvoll sind vor allem die Etappenlängen. Wer einzelne, kürzere Abschnitte auswählt, findet auch als Gelegenheitswanderer einen guten Einstieg.
Fazit
Der Kammweg Erzgebirge–Vogtland ist mehr als ein Wanderweg – er ist eine Reise über den Rücken eines ganzen Mittelgebirges. Zwischen dem Kahleberg im Osten und Blankenstein im Westen reihen sich Sachsens höchste Gipfel, seltene Geologie und eine dichte Bergbau- und Handwerksgeschichte aneinander. Ob als große Durchquerung oder als Sammlung einzelner Etappen: Wer den Kamm sucht, findet hier das Erzgebirge von seiner weitesten Seite.
Passende Ausrüstung für lange Kammtouren
Auf den Höhenlagen des Kammwegs entscheidet die richtige Jacke oft über einen guten Wandertag. Diese drei Modelle aus dem DEPROC-Sortiment sind auf wechselhaftes Bergwetter ausgelegt:
- DEPROC LAVAL WOMEN Outdoorjacke – wetterfeste Allrounderin für lange Etappen in den Höhenlagen.
- DEPROC LAVAL MEN Outdoorjacke – robuster Begleiter für Regen, Wind und kühle Kammpassagen.
- DEPROC CANADA MEN Windstopperjacke – windabweisender Fleece für den frischen Gipfelwind am Fichtelberg.


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