Wer im Herbst im Erzgebirge unterwegs ist, sollte seine Jacke vorher prüfen: Perlt das Wasser auf dem Außenstoff nicht mehr ab, heißt es Funktionsjacke imprägnieren und richtig pflegen. Das gilt auch am Fichtelberg, mit rund 1.215 Metern der höchste Berg Sachsens. Die TU Chemnitz verzeichnet dort als größten Tagesniederschlag 138,7 Liter pro Quadratmeter am 12. August 2002. Das ist ein Extremwert, zeigt aber: Regenschutz ist im Mittelgebirge keine Nebensache. Hier erfährst du, was die Imprägnierung leistet, wie du den Zustand testest und wie du die Jacke wieder auf Stand bringst.

Funktionsjacke imprägnieren im Überblick

  • Was imprägniert wird: der Außenstoff, nicht die Membran. Die Imprägnierung (DWR) ist eine hauchdünne Schicht, die dafür sorgt, dass Wasser abperlt.
  • Wann nötig: wenn Wasser nicht mehr abperlt, der Stoff sich vollsaugt und dunkle Flächen entstehen.
  • Vorher: Jacke mit Flüssigwaschmittel waschen (kein Pulver, kein Weichspüler).
  • Aufbringen: als Wash-In im Waschgang oder als Pumpspray, danach bei geeigneten Jacken kurz mit Wärme aktivieren.
  • Wichtige Ausnahme: GORE-TEX SHAKEDRY wird gesondert gepflegt (siehe Abschnitt „Waschen, reaktivieren, erneuern“).
  • Im Zweifel: Es gilt das Pflegeetikett.

Imprägnierung und Membran: Was wofür zuständig ist

Die Durable Water Repellency, kurz DWR, ist laut Gore-Tex eine hauchdünne Schicht auf dem Außenstoff. Sie senkt die Oberflächenenergie, sodass Wasser abperlt, und weist laut Gore auch Öl, Fett und Schmutz ab. Sie hält nicht dauerhaft; wie lange, hängt davon ab, wie oft die Jacke getragen wird.

Die Membran darunter bleibt von einer nachlassenden Imprägnierung unberührt, eine neue verbessert ihre Wasserdichtigkeit deshalb auch nicht. Sie hält aber das Obermaterial trocken und verbessert die Atmungsaktivität. Ist der Außenstoff durchnässt, bleibt die Membran zwar dicht, die Jacke fühlt sich aber kalt und klamm an. Nikwax nennt einen Verlust von bis zu 70 Prozent Atmungsaktivität, wenn der Außenstoff Wasser aufnimmt.

Wie die Jacke ins Gesamtsystem passt, erklärt unser Beitrag zum Zwiebelprinzip beim Wandern.

Funktionsjacke imprägnieren: Wann ist es nötig?

Spritze Wasser auf das Obermaterial und prüfe die ganze Jacke, nicht nur eine Stelle. Perlt es ab, ist alles in Ordnung. Zieht es ein und entstehen dunkle Flächen, hat die Imprägnierung nachgelassen.

Wichtig ist die Reihenfolge: Gore empfiehlt, zunächst zu waschen und die DWR danach zu reaktivieren. Erst wenn das Wasser trotzdem nicht mehr abperlt, wird sie erneuert, und zwar erst, wenn sicher keine DWR mehr vorhanden ist.

Funktionsjacke imprägnieren: Waschen, reaktivieren, erneuern

  1. Vorbereiten: Pflegeetikett beachten und alle Reißverschlüsse schließen.
  2. Waschen: bei 40 °C mit Flüssigwaschmittel (laut Gore etwa 30 ml, je nach Wasserhärte und Füllmenge), zweimal spülen, höchstens 400 Umdrehungen pro Minute. Kein Pulver, kein Weichspüler, kein Fleckenentferner, kein Bleichmittel. Gewöhnliche Waschmittel hinterlassen laut Nikwax einen Film, der die Wasserabweisung überdeckt.
  3. Trocknen: Lufttrocknen wird empfohlen; alternativ geht der Trockner warm und schonend, nicht heiß.
  4. DWR reaktivieren: danach 20 Minuten in den Trockner, bei Bedarf wiederholbar. Ohne Trockner kannst du bei niedriger Stufe (zwei Punkte) bügeln, ohne Dampf und mit einem Tuch dazwischen.
  5. Erneuern: Perlt das Wasser danach immer noch nicht ab, kommt eine neue Imprägnierung drauf (siehe nächster Abschnitt). Anschließend trocknet die Jacke 20 Minuten im Trockner oder wird gebügelt.

Ausnahme GORE-TEX SHAKEDRY: Hier gilt: 40 °C Schonwaschgang, kein Trockner, kein Bügeln, keine DWR-Behandlung. Heimreinigungs-Kits empfiehlt Gore nicht. Weicht das Etikett ab, zählt das Etikett. Die vollständigen Angaben stehen in der Gore-Pflegeanleitung für Oberbekleidung.

Wash-In oder Spray

Wash-In: Beim Nikwax TX.Direct Wash-In läuft zuerst ein separater Waschgang mit Tech Wash, das Teil bleibt nass. Danach folgt der Wash-In-Gang mit höchstens zwei sauberen Teilen, 100 ml pro Teil, bei 30 °C (Synthetik) und langsamem Schleudern; Reste im Einspülfach vorher entfernen. Dann lufttrocknen. Von Hand: 100 ml auf 7,5 Liter heißes Wasser, 5 Minuten einwirken lassen, kalt spülen, bis das Wasser klar ist. Laut Hersteller werden auch Nähte, Bänder und Kordeln behandelt; das Mittel gilt für Gore-Tex, Sympatex und eVent und wird als PFAS-frei beworben.

Spray: Gore bevorzugt Pumpsprays, weil Aerosole umweltschädlicher sind. Ein Spray eignet sich für stark beanspruchte Stellen wie Schultern, Ellenbogen und Knie. Das Grangers Performance Repel Plus kommt auf ein frisch gereinigtes, feuchtes Teil; der Überschuss wird abgewischt, laut Hersteller ist keine Hitzeaktivierung nötig. Es ist als PFC-frei, bluesign-zertifiziert und biologisch abbaubar angegeben.

Die Stiftung Warentest hat am 31. August 2023 14 Imprägniermittel geprüft (11 Sprays, 3 Wash-in): 6 waren mangelhaft, 6 gut. Die mangelhaften enthielten PFAS/PFC oder ihr Sprühnebel kann laut Test die Lunge schädigen. Sprays daher im Freien oder gut belüftet anwenden.

PFC-frei und die neue EU-Regel ab 10. Oktober 2026

PFC machen Outdoorkleidung laut Umweltbundesamt wasser-, fett- und schmutzabweisend, sind aber langlebig und reichern sich an. Achte deshalb beim Kauf auf den Hinweis „PFC-frei“, wie ihn auch die Stiftung Warentest empfiehlt.

Ab dem 10. Oktober 2026 gilt nach der Verordnung (EU) 2024/2462 (REACH Anhang XVII, PFHxA und verwandte Stoffe, seit 10. Oktober 2024 in Kraft) eine Beschränkung für Textilien, Leder und Pelze in Bekleidung und Zubehör für die Allgemeinheit sowie für Schuhe; übrige Textilien folgen ab dem 10. Oktober 2027. Die Grenzwerte liegen bei 25 ppb für PFHxA und 1.000 ppb für verwandte Stoffe. Betroffen sind Erzeugnisse, die ab dem Stichtag in Verkehr gebracht werden, nicht Besitz oder Nutzung deiner Jacke. Ob Altbestände noch verkauft werden dürfen, regelt der Text nicht ausdrücklich als Verbot. Ausnahmen gibt es etwa für bestimmte persönliche Schutzausrüstung der Kategorie III, Medizinprodukte und Bautextilien. Es ist kein vollständiges PFAS-Verbot.

Zum Praxiswert: Laut Gore ist PFAS-freie DWR bei Öl weniger widerstandsfähig und braucht mehr Pflege; regelmäßiges Waschen ist wesentlich. Als älteres Beispiel (test 10/2020) enttäuschten fluorfreie Funktionsjacken: Nach fünf Wäschen waren alle weniger regendicht.

Im Erzgebirge: Einkehr nach nasser Tour

Das Fichtelberghaus (Fichtelbergstraße 8, 09484 Oberwiesenthal) ist seit dem 1. März 2026 als Hotel für Übernachtungen geschlossen und wird modernisiert; die Wiedereröffnung ist für Dezember 2026 geplant. Das Restaurant „Erzgebirgsstuben“ bleibt offen. Prüfe die Öffnungszeiten vorab auf hotel-fichtelberghaus.de. Ebenfalls in Oberwiesenthal liegt das Naturhotel Sachsenbaude (Fichtelbergstraße 4), ein Hotel mit Restaurant.

Ohne Auto hilft die Fichtelbergbahn: Der Dampfzug fährt zwischen Cranzahl und Kurort Oberwiesenthal, den aktuellen Fahrplan findest du auf fichtelbergbahn.de. Weitere Verbindungen beschreibt unser Beitrag Wandern ohne Auto im Erzgebirge. Routen findest du in der Fichtelberg-Wanderung und bei den Etappen des Kammwegs.

FAQ

Wie oft sollte ich meine Funktionsjacke imprägnieren?

Nicht pauschal: Laut Gore hängt die Haltbarkeit der DWR davon ab, wie oft die Jacke getragen wird. Entscheidend ist der Wassertest.

Macht neues Imprägnieren die Jacke wieder wasserdicht?

Nein, die Membran wird dadurch nicht dichter. Die Imprägnierung hält den Außenstoff trocken und verbessert die Atmungsaktivität.

Kann ich normales Waschmittel verwenden?

Gore empfiehlt Flüssigwaschmittel und rät von Pulver, Weichspüler, Fleckenentferner und Bleichmittel ab. Gewöhnliche Waschmittel überdecken die Wasserabweisung laut Nikwax mit einem Film.

Wash-In oder Spray: Was ist besser?

Einen Sieger nennen wir nicht. Der Wash-In behandelt das ganze Teil einschließlich Nähten, ein Pumpspray eignet sich für stark beanspruchte Stellen. Maßgeblich ist das eingenähte Etikett.

Gilt die EU-Regel für meine alte Jacke?

Nein, sie betrifft Erzeugnisse, die ab dem Stichtag in Verkehr gebracht werden, nicht Besitz oder Nutzung.

Passende Ausrüstung von DEPROC

Drei Teile aus dem DEPROC-Sortiment, an denen sich die beschriebene Pflege lohnt:

Fazit

Eine Funktionsjacke imprägnieren heißt: erst waschen, dann reaktivieren, erst bei Bedarf erneuern. Der Wassertest zeigt, wann es so weit ist, das Pflegeetikett hat im Zweifel das letzte Wort. Wer vor der Herbstsaison einmal gründlich prüft, bleibt im Erzgebirge trocken.


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