Die Preßnitz kommt aus Böhmen und hat sich zwischen Jöhstadt und Wolkenstein ein enges, waldreiches Tal in den Erzgebirgskamm geschnitten. Fichten stehen dicht an den Hängen, dazwischen Felsen, schmale Wiesen, wenige Häuser. Wer im Herbst im Preßnitztal wandern geht und am Bahnhof Steinbach steht, hört den Zug meist, bevor er ihn sieht: ein Pfiff, dann der Rhythmus einer Dampflok auf 750-Millimeter-Spur, die sich talaufwärts nach Jöhstadt arbeitet. Die Preßnitztalbahn ist keine Kulisse, sondern eine Museumsbahn mit regulärem Betrieb – rund 600 Mitglieder der IG Preßnitztalbahn e. V. halten sie in Gang.

September und Oktober sind für die Kombination aus Wanderung und Bahnfahrt die günstigsten Monate. Die Bahn fährt in diesem Zeitraum an vielen Wochenenden, in der letzten Septemberwoche sogar täglich, die Laubbäume im Tal färben sich, und die Luft über den Höhen ist klarer als im Sommer. Die hier beschriebene Rundtour verbindet die beiden Jöhstädter Ortsteile an der Strecke, Steinbach und Schmalzgrube. Wer nicht die ganze Runde gehen will, steigt in Schmalzgrube in den Zug.

Tour-Eckdaten

Start/Ziel Bahnhof Steinbach (Jöhstadt), 538 m
Länge ca. 11 km Rundweg
Gehzeit ca. 3 Stunden
Höchster Punkt 791 m am Alten Berg
Anstiege ca. 450–500 Hm, mehrere Gegenanstiege
Anspruch mittel
Einkehr Forellenhof Schmalzgrube, Raststätte „Am Wildbach“ Steinbach
Parken Ladestraße am Bahnhof Steinbach
GPX Track im GPS-Wanderatlas

Karte der Runde

Interaktive Karte mit eingezeichneter Route (zoom- und verschiebbar) · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © GPS-Wanderatlas.

Im Preßnitztal wandern: Steinbach – Alter Berg – Schmalzgrube

Steinbach liegt auf 559 Metern, der Bahnhof etwas tiefer im Talgrund. Der Ort wurde 1401 erstmals erwähnt, zählt rund 590 Einwohner und gehört seit 1999 zu Jöhstadt. Die Kirche stammt aus den Jahren 1684 bis 1686, im Ort steht eine Ortspyramide. Vom Bahnhof folgt man zunächst der Schmalzgrubner Straße und biegt dann in die Postbergstraße ab, die den Ort nach oben verlässt.

Der erste Anstieg führt über den Tiefenbach hinauf zum Alten Berg. Mit 791 Metern ist er der höchste Punkt der Runde, gut 250 Meter über dem Bahnhof. Diese Steigung ist der Grund, warum die Tour trotz moderater Länge als mittelschwer eingestuft wird: Insgesamt summieren sich die Gegenanstiege auf etwa 450 bis 500 Höhenmeter. Oben liegen die Kammwälder im Rücken, voraus fällt das Gelände nach Schmalzgrube ab.

Über den Schulberg steigt man in den Ort hinunter. Schmalzgrube liegt auf 600 bis 614 Metern an der Stelle, an der das Jöhstädter Schwarzwasser in die Preßnitz mündet. Von hier sind es rund fünf Kilometer zurück nach Steinbach, doch zunächst lohnt ein Halt.

Schmalzgrube: Eisenhütte und Kreuzungsbahnhof

Schmalzgrube ist der industriegeschichtlich wichtigste Punkt der Runde. Bereits 1550 wird hier ein Hammerwerk erwähnt, 1659 erhielt der Ort das Privileg für einen Hochofen. Erhalten ist ein acht Meter hoher Holzkohlehochofen aus Bruchstein mit der Tafel „HAvEE 1819“, daneben das Hammerherrenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Spätestens 1870 endete die Eisenproduktion, 1991/92 wurde der Ofen restauriert. Heute gehört die Eisenhütte Schmalzgrube als Teil des Montangebiets Jöhstadt zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge, das die Bergbaulandschaft beiderseits der Grenze umfasst.

Der Bahnhof Schmalzgrube wurde nahezu originalgetreu wiederaufgebaut und dient als Kreuzungsbahnhof: An Fahrtagen mit zwei Zügen begegnen sich hier die Garnituren aus Jöhstadt und Steinbach. Wenige Schritte weiter, direkt am Haltepunkt Forellenhof, liegt die Gaststätte Forellenhof (Hauptstraße 2), die Forellen aus eigener Zucht serviert. Geöffnet ist Mittwoch bis Samstag von 11 bis 21 Uhr, sonntags von 11 bis 20 Uhr; Montag und Dienstag sind Ruhetage.

Zurück durch das Tal

Der Rückweg folgt dem Floßzechenweg über Grumbach talabwärts und verläuft nun weitgehend in Sichtweite der Bahnstrecke. Zwischen Schmalzgrube und Steinbach liegt der Andreas-Gegentrum-Stolln, ein Besucherbergwerk mit eigenem Bahn-Haltepunkt seit 1998. Bergbau ist hier seit 1748 nachgewiesen, seit 1997 wird der Stolln als Schaubergwerk geführt; erreichbar ist er nur zu Fuß. Laut Tourismusportal ist das Besucherbergwerk derzeit aus technischen Gründen geschlossen. Wer eine Befahrung einplanen will, sollte sich vorab informieren.

Am Felseneck verengt sich das Tal, danach führt der Weg entlang der Preßnitz zurück nach Steinbach. Am Ortseingang aus Richtung Schmalzgrube liegt die Raststätte „Am Wildbach“ (Schmalzgrubner Straße 18), die per Brücke vom Haltepunkt Wildbach erreichbar ist. Sie öffnet Mittwoch bis Sonntag ab 11 Uhr, Montag und Dienstag ist Ruhetag. Von dort sind es nur noch wenige Minuten bis zum Bahnhof.

Die Preßnitztalbahn: Geschichte, Fahrpreise und Fahrtage

Die Strecke Wolkenstein–Jöhstadt wurde am 1. Juni 1892 eröffnet, 23 Kilometer mit 750 Millimetern Spurweite. Am 31. Dezember 1986 wurde sie als letzte Schmalspurbahn der DDR vollständig stillgelegt. Ab 1990 begann der Wiederaufbau: 1992 lagen die ersten Gleise, 1993 war Schlössel erreicht, Pfingsten 1995 Schmalzgrube, am 18. August 2000 Steinbach. Heute umfasst die Museumsstrecke Jöhstadt – Schlössel – Loreleifelsen – Schmalzgrube – Forellenhof – Andreas-Gegentrum-Stolln – Wildbach – Steinbach rund acht Kilometer bei neun Kilometern Gleislänge. Die Infrastruktur gehört der Stadt Jöhstadt, Betriebszentrum ist Jöhstadt mit dreiständigem Lokschuppen. Wie sich die Bahn in das Netz der Schmalspurbahnen im Erzgebirge einordnet, beschreibt ein eigener Beitrag.

Für Wanderer ist vor allem eine Variante interessant: zu Fuß über den Alten Berg nach Schmalzgrube, mit dem Zug zurück nach Steinbach. Die halbe Strecke kostet einfach 6 Euro, hin und zurück 10 Euro; die Gesamtstrecke 10 Euro einfach und 16 Euro hin und zurück. Kinder von 6 bis 14 Jahren zahlen 8 Euro für Hin- und Rückfahrt auf der Gesamtstrecke, Familien- und Tageskarte kosten jeweils 35 Euro (Stand: Fahrpreise ab 5. Januar 2026). Fahrkarten gibt es in Steinbach, Schmalzgrube und im Zug.

Die Fahrtage im Herbst 2026 im Überblick:

  • 12./13. September: Tag des offenen Denkmals
  • 19./20. September: Zweizugdampfbetrieb zur EURORANDO 2026
  • 21. bis 25. September: täglich Dampfbetrieb
  • 26./27. September: Herbstanfang
  • 3./4. Oktober: Tag der Deutschen Einheit mit historischer Ausflugslinie Preßnitztal Wolkenstein–Steinbach (5 Euro)
  • 10./11., 17./18. und 24./25. Oktober: „Volldampf im Herbst“
  • 15. und 22. Oktober: Ferienexpress mit Diesellok
  • 31. Oktober: Reformationstag; 1. November: Saisonausklang

Anreise und Praktisches

Mit dem Auto parkt man an der Ladestraße am Bahnhof Steinbach (E-Ladestation mit 11 kW) oder auf dem Seitenstreifen der Jöhstädter Straße. Mit dem Bus fährt die Linie 430 des RVE von Annaberg-Buchholz über Königswalde, Jöhstadt und Schlössel nach Schmalzgrube, Forellenhof und Grumbach, auch am Wochenende. Die Linie 431 Annaberg-Buchholz – Steinbach Bahnhof – Satzung – Reitzenhain verkehrt nur Montag bis Freitag. Wer am Wochenende mit dem Bus anreist, beginnt die Runde deshalb besser in Schmalzgrube oder nutzt den Zug nach Steinbach. Zubringer ist die Erzgebirgsbahn Chemnitz – Annaberg-Buchholz unterer Bahnhof; aktuelle Fahrpläne auf rve.de prüfen. Das Deutschland-Ticket gilt in der Preßnitztalbahn nicht.

Etwa einen Kilometer talaufwärts von Schmalzgrube liegt der Rad- und Wander-Grenzübergang nach Kryštofovy Hamry. Dahinter staut die Talsperre Preßnitz den Fluss, eine rund 50 Meter tiefe Trinkwassertalsperre, deren Damm 1970/71 begonnen und 1976 fertiggestellt wurde. In ihrem Bereich lag die Bergstadt Preßnitz, die mit Reischdorf und Dörnsdorf 1973/74 aufgegeben und am 30. Juni 1974 aufgelöst wurde. Für längere Touren: Der Preßnitztalradweg folgt auf rund 25 Kilometern der alten Bahntrasse Wolkenstein–Steinbach, der Annaberger Landring führt durch Steinbach. Ein lohnendes Ziel in der Nachbarschaft ist der Hirtstein bei Satzung mit seinem Basaltfächer.

FAQ

Kann man die Tour abkürzen?

Ja. An Fahrtagen fährt man von Schmalzgrube mit der Preßnitztalbahn zurück nach Steinbach (halbe Strecke, 6 Euro einfach). Die Wanderung verkürzt sich dann auf rund sechs Kilometer mit dem Hauptanstieg über den Alten Berg.

Ist die Runde für Kinder geeignet?

Die Strecke ist technisch unschwierig, verlangt aber wegen der Gegenanstiege Ausdauer. Mit der Zugoption ab Schmalzgrube und dem Forellenhof als Pausenziel ist sie für geübte Familien machbar.

Gilt das Deutschland-Ticket in der Preßnitztalbahn?

Nein. Die Museumsbahn hat eigene Fahrpreise; Fahrkarten gibt es in Steinbach, Schmalzgrube und im Zug. Für die Anreise mit Bus und Erzgebirgsbahn gilt das Ticket dagegen.

Kann man das Besucherbergwerk am Weg besichtigen?

Der Andreas-Gegentrum-Stolln ist laut Tourismusportal derzeit aus technischen Gründen geschlossen. Vor der Tour den aktuellen Stand prüfen.

Fazit

Die Runde von Steinbach nach Schmalzgrube ist keine Kammwanderung, sondern eine Talgeschichte: Eisenhütte, Bergwerk, Bahnhöfe und ein Fluss, dessen namensgebende Stadt jenseits der Grenze in einer Talsperre verschwunden ist. Der Anstieg zum Alten Berg sorgt für den sportlichen Teil, der Dampfzug für den Rahmen. Wer die Fahrtage im September und Oktober 2026 nutzt, bekommt beides an einem Tag – und mit der halben Strecke für 6 Euro eine bequeme Rückfahrt.

Passende Ausrüstung von DEPROC

Für die Runde im Preßnitztal empfiehlt sich das Lagenprinzip: Im Herbst wechseln Sonne im Tal und Wind auf dem Alten Berg schnell.

Hinweis: Die verlinkten Produkte stammen aus dem Sortiment von DEPROC (deproc.de), das zum Herausgeber dieses Blogs gehört.


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