Es gibt Strecken, die sich nicht über einzelne Anstiege definieren, sondern über die Summe. Der Stoneman Miriquidi im Erzgebirge ist so eine Strecke: 162 Kilometer Rundkurs, 4.400 Höhenmeter, neun Gipfel, verteilt auf zwei Staaten. Wer sie an einem einzigen Tag fährt, sammelt nicht nur Höhenmeter, sondern durchquert einen Mittelgebirgskamm, der sich in Hochmoore, Basaltkuppen, Fichtenwälder und alte Bergbaulandschaften gliedert. Der Name verweist auf den Miriquidi, den überlieferten Namen für den dunklen Wald, der diesen Landstrich einmal bedeckt haben soll.
Das Format stammt von Roland Stauder, einem ehemaligen Profi-Mountainbiker und Gesamtsieger der UCI MTB Marathon World Series. Seine erste Route dieser Art, der Stoneman Dolomiti in Südtirol, entstand 2010; den Stoneman Miriquidi gibt es seit 2014. Das Prinzip ist bewusst schlicht: kein Rennen, keine Startzeit, keine Wertungsliste. Es gibt eine markierte Runde, Checkpoints und eine Trophäe, deren Gestaltung von Stauder selbst stammt. Gefahren wird eigenverantwortlich, wann man möchte – innerhalb der Saison und innerhalb der Tageslichtstunden.
Stoneman Miriquidi: die Originalstrecke mit neun Gipfeln
Die Mountainbike-Route ist ein Rundkurs, der grenzüberschreitend zwischen Deutschland und Tschechien verläuft und gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird. Sie ist durchgehend beschildert, eine Navigationsleistung ist also nicht der limitierende Faktor – die Kondition ist es.
Auf deutscher Seite stehen der Bärenstein, der Pöhlberg, der Scheibenberg, der Rabenberg und der Auersberg auf dem Programm. Auf tschechischer Seite folgen der Blatenský vrch (Plattenberg), der Plešivec und der Klínovec (Keilberg), mit 1.244 Metern der höchste Gipfel des Erzgebirges. Den Abschluss bildet der Fichtelberg, mit 1.215 Metern der höchste Berg Sachsens – ein Finale, das die Runde dramaturgisch bewusst nach hinten legt.
Befahren werden darf ausschließlich bei Tageslicht. Das Zeitfenster ist monatlich gestaffelt und verkürzt sich im Jahresverlauf deutlich: Im Juni reicht es von 5:00 bis 21:00 Uhr, im Oktober nur noch von 7:30 bis 18:00 Uhr. Wer die Gold-Wertung anstrebt, sollte diese Staffelung bei der Terminwahl mitdenken. Die Betreiberangaben nennen bislang über 75.000 Fahrerinnen und Fahrer, über 41.000 Starts und rund 28.400 offizielle Finisher – Zahlen, die auch verraten, dass ein nennenswerter Teil der Antritte nicht in einer gewerteten Zieleinfahrt endet.
Gold, Silber, Bronze: das Trophäensystem
Die Wertung richtet sich nicht nach der Zeit, sondern nach der Anzahl der Tage, auf die die Runde verteilt wird. Gold bedeutet: alles an einem Tag. Silber steht für zwei Tage, Bronze für drei. Der Stein, der in die Trophäe eingesetzt wird, wird entsprechend eingefärbt. E-Bikerinnen und E-Biker erhalten einen naturfarbenen Stein – eine Lösung, die die Leistung anerkennt, ohne sie mit der muskelbetriebenen Variante gleichzusetzen.
Diese Abstufung ist mehr als Symbolik. Sie erlaubt es, dieselbe Strecke als Tagesprojekt für sehr gut Trainierte oder als Drei-Tages-Tour mit Übernachtungen zu fahren, ohne dass daraus zwei verschiedene Produkte werden.
Startpakete und Ausgabestellen
Für die Saison 2026 stehen drei Pakete zur Wahl: NOW als rein digitale Variante ab 19 Euro, CARD ab 24 Euro und CLASSIC für 39 Euro. Die Trophäe kostet 45 Euro, die Ergänzung um den Miriquidi-Stein weitere 20 Euro. Die Abholung der Startpakete ist ab 16 Uhr am Vortag möglich, was bei früher Startzeit organisatorisch relevant ist.
Ausgegeben werden die Pakete an Partnerbetrieben entlang der Strecke, die zugleich als Startorte dienen. Dazu zählen unter anderem das Best Western Ahorn Hotel und das Jens Weißflog Hotel und Restaurant im Kurort Oberwiesenthal sowie die Gästeinformation „Wiesenthaler K3“ ebendort. Weiter im Verlauf sind es das Bürger- und Berggasthaus Scheibenberg und das Hotel Sächsischer Hof in Scheibenberg, das Landhaus Bergidyll in Bärenstein, der Sportpark Rabenberg und das Landhotel Rittersgrün in Breitenbrunn, die Köhlerhütte in Grünhain-Beierfeld, das Landhaus Sonnentau in Johanngeorgenstadt sowie das Hotel Wilder Mann und die Touristinformation in Annaberg-Buchholz.
Stoneman Miriquidi Road: 290 Kilometer über 13 Anstiege
Wesentlich länger, aber auf befestigtem Untergrund, ist die Road-Version: 290 Kilometer, 4.900 Höhenmeter, 13 Anstiege beziehungsweise 13 Checkpoints, mit Rampen bis 18 Prozent. Die Trophäenlogik bleibt identisch – Gold an einem Tag, Silber an zweien, Bronze an dreien.
Die Route berührt unter anderem den Klínovec, den Kurort Oberwiesenthal, den Fichtelberg, den Bärenstein (897 Meter), Marienberg, Seiffen und Altenberg sowie, auf tschechischer Seite, Klášterec nad Ohří (Klösterle) an der Eger. Startpakete gibt es beispielsweise im Berghotel Talblick in Rechenberg-Bienenmühle (Checkpoint Holzhau), in der Gästeinformation „Wiesenthaler K3“ in Oberwiesenthal, im Hotel Weißes Roß in Marienberg, in der Köhlerhütte in Grünhain-Beierfeld, im Naturhotel Gasthof Bärenfels in Altenberg und in der Tourist-Info Altenberg.
Zu Fuß über den Kamm: der angekündigte Stoneman Miriquidi Hike
Eine Wandervariante ist angekündigt, aber noch nicht ausgearbeitet. Eine offizielle Route mit festen Streckendaten existiert zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Vorgestellt werden soll der Stoneman Miriquidi Hike erstmals im Rahmen des Tourismusfestivals Eurorando 2026, das vom 20. bis 27. September 2026 stattfindet.
Bekannt ist bislang der Rahmen: eine grenzüberschreitende Strecke zwischen Klínovec und Fichtelberg, wieder mit den Kategorien Gold, Silber und Bronze, adressiert an Trailrunner und ambitionierte Wanderer. Eine Streckenverlängerung für Ultraläufer ist in Vorbereitung. Kilometer, Höhenmeter und Etappenaufteilung sind offen; wer bereits plant, sollte die Vorstellung im September abwarten.
Eckdaten im Vergleich
| Merkmal | Stoneman Miriquidi MTB | Stoneman Miriquidi Road |
|---|---|---|
| Länge | 162 km (Rundkurs) | 290 km |
| Höhenmeter | 4.400 hm | 4.900 hm |
| Gipfel bzw. Anstiege | 9 Gipfel | 13 Anstiege / 13 Checkpoints |
| Saison 2026 | 24. April bis 1. November | 24. April bis 1. November |
| Trophäenstufen | Gold 1 Tag, Silber 2 Tage, Bronze 3 Tage | Gold 1 Tag, Silber 2 Tage, Bronze 3 Tage |
Ausrüstung für lange Tage am Erzgebirgskamm
Wer neun Gipfel an einem oder drei Tagen abarbeitet, ist mehrere Stunden am Stück exponiert: Kammlagen um 1.200 Meter, Wind, schneller Wetterwechsel und starke Temperaturunterschiede zwischen Tal und Gipfel. Drei Teile aus dem Sortiment von DEPROC, die zu diesem Anforderungsprofil passen:
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- STERLING MEN Softshellhose – winddichte, bewegungsfreundliche Tourenhose für kühle Morgenstunden und lange Etappen.
- NIGEL PEAK WOMEN Softshelljacke – wärmende Softshelljacke für Damen als Zwischenschicht an kühlen Herbsttagen.
Häufige Fragen
Wann ist der Stoneman Miriquidi befahrbar?
Die Saison 2026 läuft für die Mountainbike- und die Rennrad-Route vom 24. April bis zum 1. November. Außerhalb dieses Zeitraums ruht der reguläre Betrieb. Für den Winter existiert mit dem Stoneman Miriquidi Snow ein eigenständiges Angebot für den Skilanglauf.
Muss man die Runde an einem Tag fahren?
Nein. Die Aufteilung auf zwei oder drei Tage ist ausdrücklich vorgesehen und führt zur Silber- beziehungsweise Bronze-Wertung. Innerhalb eines Tages gilt allerdings die Tageslichtregel mit den monatlich gestaffelten Zeitfenstern.
Sind E-Bikes zugelassen?
Ja. E-Bikerinnen und E-Biker erhalten für die Trophäe einen naturfarbenen Stein statt eines eingefärbten. Die Strecke selbst ist dieselbe.
Gibt es die Wanderroute schon zu buchen?
Nein. Der Hike ist ein angekündigtes Projekt ohne veröffentlichte Streckendaten. Die erste Vorstellung ist für die Eurorando-Woche im September 2026 vorgesehen. Aktuelle Angaben zu allen Varianten finden sich auf der offiziellen Seite des Stoneman Miriquidi.
Fazit
Der Stoneman Miriquidi funktioniert, weil er auf Wettkampfrhetorik verzichtet und stattdessen eine klare, überprüfbare Aufgabe stellt: neun Gipfel, eine Runde, eine selbst gewählte Anzahl von Tagen. Die Rennrad-Variante überträgt dieses Prinzip auf deutlich größere Distanz, ohne die Logik zu verändern. Und mit der angekündigten Wandervariante zwischen Klínovec und Fichtelberg deutet sich an, dass das Format auch ohne Rad tragfähig sein könnte – wobei sich diese Einschätzung erst prüfen lässt, wenn die Strecke tatsächlich auf dem Tisch liegt. Bis dahin bleibt die Runde, was sie seit gut einem Jahrzehnt ist: eines der markantesten Bergsportprojekte des Erzgebirges, das seine Härte nicht in der Steilheit einzelner Rampen findet, sondern in der Beharrlichkeit, mit der es Gipfel aneinanderreiht.


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