Am 21. Mai 2026 wurde der Grüne Graben bei Pobershau nach rund fünf Jahren Sanierung vollständig wiedereröffnet. Der Kunstgraben zieht sich acht Kilometer von Kühnhaide nach Pobershau am Hang entlang, hoch über dem Talgrund. Wer im Schwarzwassertal wandern will, hat damit wieder die Wahl zwischen unten und oben. Das Tal liegt im mittleren Erzgebirge bei Marienberg, rund 40 Autominuten südlich von Chemnitz.
Wo das Schwarzwassertal liegt – und welches Schwarzwasser gemeint ist
Der Bach heißt eigentlich Schwarze Pockau, regional Schwarzwasser. Er entspringt auf 890 Metern über NHN in einem Hochmoor nordöstlich des Jelení hora (Haßberg) auf tschechischer Seite, ist 33 Kilometer lang und mündet in Pockau in die Flöha. Nicht zu verwechseln mit dem Schwarzwasser im Westerzgebirge, das bei Aue in die Zwickauer Mulde fließt.
Der schluchtartige Abschnitt liegt zwischen Kühnhaide (750 m) und der Kniebreche bei Neusorge (450 m): 140 Höhenmeter Gefälle auf etwa fünf Kilometern. Ein Kerbtal, stellenweise 80 Meter tief eingeschnitten und darin geomorphologisch einzigartig in Sachsen. Das Naturschutzgebiet „Schwarzwassertal“ reicht rund acht Kilometer vom Hinteren Grund bei Pobershau bis Kühnhaide, liegt zwischen 540 und 735 Metern über NN und umfasst etwa 186 Hektar. Geschützt seit 1967, 2003 durch das Regierungspräsidium Chemnitz neu festgesetzt, seit 2011 zugleich FFH-Gebiet „Tal der Schwarzen Pockau“. In der Naturschutzstation Pobershau sitzt die Erzgebirgs-Außenstelle des Zweckverbands Naturpark Erzgebirge/Vogtland.
Der Grüne Graben: Bergbautechnik aus dem 17. Jahrhundert, fünf Jahre Sanierung
Der Graben entstand um 1680 und diente einem Zweck: Er führte Aufschlagwasser zu den Bergbauanlagen am Wildsberg. Weil der Bach dafür zu tief lag, legten die Bergleute den Graben mit minimalem Gefälle in den Hang. Heute ist er technisches Denkmal und laut Stadt Marienberg Bestandteil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge.
Saniert wurden Grabenprofil und Mauern, Böschungen wurden befestigt, bestehende Fußgängerbrücken erneuert, fünf neue kamen hinzu, teils aus Robinienholz. Kosten: rund drei Millionen Euro, getragen vom Freistaat Sachsen; Bauherr war Sachsenforst, Forstbezirk Marienberg. Der Weg am Graben ist schmal, er folgt dem Bauwerk und nicht dem Komfort.
Die Route: von Kühnhaide nach Pobershau
Die offizielle Tour des Tourismusverbands führt von Kühnhaide nach Pobershau: 11,0 Kilometer, rund drei Stunden, 210 Höhenmeter Abstieg, ein Höhenmeter Aufstieg, Höhen zwischen 707 und 497 Metern. Start ist der Wanderparkplatz Kühnhaide. Kilometer 1,45: Steinbogenbrücke am Neubrückenweg. Kilometer 3,0: Abzweig zum Kaffee-Kurt. Kilometer 5,0: Nonnenfelsen und Teufelsmauer. Kilometer 6,0: Abzweig zum Katzenstein. Kilometer 9,2: Naturschutzstation, Kilometer 9,5: Schwarzbeerschänke.
Varianten und Rundwege
Wer nicht mit zwei Autos oder dem Bus zurückfahren will, kombiniert Talweg und Grünen Graben zur Runde. Der Karrenweg verbindet beide, der Arnoldweg führt zum Katzenstein, der Pionierweg zur Hüttstattmühle, und ab der Naturschutzstation beginnt ein Naturerlebnispfad zur Stiftskanzel. Die Längenangaben schwanken je nach Quelle: 6,4 Kilometer für die kurze Runde, 13,4 Kilometer ab Parkplatz Katzenstein, 17,3 Kilometer bis zum Hinteren Grund. Wer plant, sollte sich auf eine Quelle festlegen und nicht auf den Mittelwert.
Parken und Anreise
Der Wanderparkplatz Kühnhaide gegenüber der Gaststätte Schwarzwassertal ist kostenfrei, der Parkplatz am Katzenstein über die Bergstraße kostet rund 1,50 Euro pro Tag. Dazu kommen der Wanderparkplatz Hinterer Grund und zwei Ersatzparkplätze in Pobershau, unter anderem oberhalb der Kirche am ehemaligen Heizhaus. Mit Bahn und Bus geht es über Pockau-Lengefeld nach Marienberg, Knotenpunkt der PlusBus-Linie 207; die Linie 490 hält an der Haltestelle Pobershau Brücke. Zuständig ist der Verkehrsverbund Mittelsachsen, Fahrpläne sollten vorab geprüft werden. An der Schwarzwassertalstraße sind Bauarbeiten möglich, die Hinweise der Stadt Marienberg sind zu beachten.
Was im Tal zu sehen ist
Der Katzenstein ist der bekannteste Aussichtspunkt: ein Felsen auf 706 Metern, rund 80 bis 90 Meter über dem Talgrund. Weiter unten stehen der 60 Meter hohe Nonnenfelsen, Teufelsmauer, Ringmauer, Vogeltoffelfelsen und Stiftskanzel, dazu die Hüttstattmühle, der Burgstall am Nonnenfelsen, das Raubschloss Liebenstein und die Wüstung Ullersdorf. Größere Felsformationen finden sich bei den Greifensteinen; hier stehen die Wände dichter am Weg.
Der Wald ist nicht der, den man erwartet. Der ursprüngliche Fichten-Tannen-Buchenwald wurde durch den Bergbau ab 1521 weitgehend zerstört; heute dominieren Fichtenforste, teils noch geschädigt durch die Schwefeldioxid-Immissionen der 1970er Jahre. Buchen- und Schluchtwaldreste halten sich an Seitentälern und Hängen, dazu kommen Blockhalden, Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation und Erlen-Eschen-Auwälder am Ufer. Die Herbstfärbung fällt entsprechend punktuell aus: Erlen und Weiden am Bach, lichter Buchenwald an den bodensauren Hängen, Heidel- und Preiselbeere auf den Halden. Wer flächiges Laub sucht, ist im Herbst im Erzgebirge anderswo besser aufgehoben.
Die Schutzgebietsverordnung nennt Wasseramsel, Gebirgsstelze, Braunkehlchen und Neuntöter; dokumentiert sind außerdem Raufußkauz, Sperlingskauz, Schwarzspecht, Grauspecht, Zwergschnäpper, Wanderfalke und Uhu. Je nach Quelle brüten hier über 50 oder mindestens 70 Vogelarten regelmäßig. Im Bach lebt die Westgroppe, ein Indikator für hohe Wasserqualität; an Katzenstein und Ringmauer wächst seltenes Leuchtmoos.
Bergbau und Welterbe rundherum
Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist seit 2019 UNESCO-Welterbe. Marienberg ist mit der 1521 gegründeten Altstadt vertreten, einer Renaissance-Idealstadt und der ersten ihrer Art nördlich der Alpen, dazu mit der Bergbaulandschaft Lauta. Im Welterbegebiet liegt das Besucherbergwerk Molchner Stolln in Pobershau, Dorfstraße 67, wo seit 1491 Silber, Zinn, Kupfer und Eisen gefördert wurden und das 2021 nach der Sanierung wiedereröffnet hat. Geöffnet ist es ganzjährig Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, Führungen starten 10:00, 11:30, 13:00, 14:30 und 16:00 Uhr und dauern 45 bis 60 Minuten; Erwachsene zahlen 8 Euro, Kinder 4 Euro. Für einen zweiten Wandertag in der Umgebung bietet sich der Hirtstein bei Satzung mit seinem Basaltfächer an.
Regeln im Naturschutzgebiet
Die Verordnung ist eindeutig: Die Wege dürfen nicht verlassen werden. Baden und Bootfahren sind verboten, Hunde sind anzuleinen, Feuer, Zelten und Radfahren abseits der Wege sind untersagt. Klettern ist nur an Nonnenfelsen, Katzensteinnadel, Goldkrone, Silberwand und Teufelsmauer erlaubt, nach den sächsischen Kletterregeln.
Einkehr
Die Lage ist unübersichtlich. Das Hotel und Restaurant Schwarzbeerschänke im Ortsteil Hinterer Grund liegt unmittelbar am Naturschutzgebiet und ist in Betrieb. Bei der Gaststätte und Pension Schwarzwassertal, Am Schwarzwasser 6 in Kühnhaide, sollte der Gaststättenbetrieb vorab telefonisch geprüft werden (037364 8710), weil die Angaben widersprüchlich sind. Das Waldcafé Kaffee-Kurt bei Kilometer 3,0 öffnet laut Tourismusverband nur an Wochenenden und Feiertagen bei Schönwetter und ist derzeit geschlossen. Die Betreiber der Bergschänke zum Katzenstein haben zum 14. Juni 2026 aufgegeben, der Betrieb ist derzeit ungeklärt. Wer verlässlich einkehren will, plant die Schwarzbeerschänke ein oder nimmt Verpflegung mit.
Eckdaten der Tour
- Länge: 11,0 km Punkt zu Punkt; Rundvarianten 6,4 bis 17,3 km
- Dauer: rund 3 Stunden
- Höhenmeter: 210 m Abstieg, 1 m Aufstieg; Höhen 707 bis 497 m
- Schwierigkeit: überwiegend abwärts; der Weg am Grünen Graben ist schmal
- Start: Wanderparkplatz Kühnhaide, kostenfrei
- Ziel: Pobershau, Naturschutzstation und Schwarzbeerschänke
- Schutzgebiet: NSG „Schwarzwassertal“, rund 186 ha, im FFH-Gebiet „Tal der Schwarzen Pockau“
- Beste Zeit: laut Stadt Marienberg zu jeder Jahreszeit begehbar
- Anreise: Bahnhof Pockau-Lengefeld, Bus nach Marienberg, Linie 490 bis Pobershau Brücke
Ausrüstung für einen Tag im Kerbtal
Im Talgrund bleibt es auch an milden Tagen kühl und feucht, der Bach sorgt für Luftfeuchte, die Fichten für Schatten. Oben am Grünen Graben steht man dagegen im Wind. Das Lagenprinzip aus wärmender Zwischenschicht und wetterfester Außenlage ist hier die richtige Wahl. Drei Stücke aus dem Sortiment von DEPROC, die zu dieser Tour passen:
- ROBSON MEN Regenjacke – Regenschutz für den feuchten Talgrund zwischen Kühnhaide und Pobershau.
- GLORY APRIL WOMEN Fleecejacke – wärmende Zwischenschicht für die Rast unter den Fichten.
- NUNAVUT WOMEN Softshelljacke – winddichte Außenlage für den schmalen Weg am Grünen Graben.
Häufige Fragen
Ist der Grüne Graben wieder komplett begehbar?
Ja, seit dem 21. Mai 2026, nach rund fünf Jahren Sanierung und dem Bau von fünf neuen Brücken.
Wie lang ist die Wanderung durch das Schwarzwassertal?
Die offizielle Strecke von Kühnhaide nach Pobershau misst 11,0 Kilometer und dauert etwa drei Stunden. Für Rundwege werden je nach Quelle 6,4 bis 17,3 Kilometer angegeben.
Darf man im Schwarzwasser baden?
Nein. Baden und Bootfahren sind verboten, ebenso Feuer, Zelten und Radfahren abseits der Wege. Hunde müssen angeleint bleiben, die Wege dürfen nicht verlassen werden.
Gibt es unterwegs eine Einkehr?
In Betrieb ist die Schwarzbeerschänke im Hinteren Grund. Der Kaffee-Kurt ist geschlossen, die Bergschänke zum Katzenstein hat keinen bestätigten Betreiber; beim Gasthaus in Kühnhaide sollte man vorher anrufen.
Fazit
Die Wiedereröffnung des Grünen Grabens gibt dem Schwarzwassertal zwei Ebenen zurück: den Bach unten, die Bergbaugeschichte am Hang. Die Standardroute ist mit 11 Kilometern und überwiegendem Gefälle konditionell moderat, verlangt aber Trittsicherheit auf dem schmalen Grabenweg. Wer den Wald hier für unberührt hält, irrt: Er ist das Ergebnis von 500 Jahren Bergbau. Die Einkehrlage ist dünn, die Regeln sind streng. Beides gehört in die Planung.
Tour-Steckbrief: Grüner Graben und Schwarzwassertal
© OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © GPS-Wanderatlas


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