Wer sich Ehrenfriedersdorf von Norden nähert, sieht sie schon von Weitem über den Baumwipfeln: sieben Felstürme aus Granit, die aus dem Geyerschen Wald aufragen wie die Reste einer versunkenen Festung. Die Greifensteine im Erzgebirge gehören zu den markantesten Naturdenkmalen der Region – ein Ort, an dem sich Geologie, Bergbaugeschichte und Theaterkultur auf engstem Raum begegnen. Der höchste Fels erreicht 731,7 Meter über Normalhöhennull, und wer die 162 Stufen zum Aussichtsfelsen hinaufsteigt, blickt über ein Landschaftsschutzgebiet, das zwischen Ehrenfriedersdorf, Geyer, Jahnsbach und Thum liegt.
Dabei sind die Greifensteine mehr als ein Aussichtspunkt. Rund um die Felsgruppe verzweigt sich ein Netz aus Wanderwegen, vom kurzen Waldgeisterweg für Familien bis zur zwölf Kilometer langen Rundtour. Eine Felsenbühne mit über 1.200 Sitzplätzen liegt direkt zwischen den Türmen, eine Räuberhöhle versteckt sich im Wald, und wenige Kilometer entfernt fährt man in einem Besucherbergwerk hundert Meter in die Tiefe. Wer die Greifensteine im Erzgebirge besucht, sollte deshalb Zeit mitbringen – ein halber Tag ist das Minimum, ein ganzer die bessere Wahl.
Sieben Türme aus Granit
Die Greifensteine verdanken ihre Form einem geologischen Prozess, der sich Wollsackverwitterung nennt: Entlang von Klüften im Granit rundeten Verwitterung und Abtragung die Felsblöcke über lange Zeiträume ab, bis die charakteristischen, wie aufeinandergestapelte Kissen wirkenden Türme übrig blieben. Für Mineralogen ist der Ort zudem von besonderem Rang – die Greifensteine sind die Typlokalität des Minerals Greifensteinit, das hier erstmals beschrieben wurde.
Dass heute nur noch sieben Felstürme stehen, ist keine Laune der Natur, sondern Menschenwerk. Ursprünglich zählte die Gruppe mehr Türme; sechs von ihnen wurden bis 1923 durch den Steinbruchbetrieb abgetragen. Was der Abbau übrig ließ, steht heute unter Schutz. Der Aussichtsfelsen ist über eine Treppe mit 162 Stufen frei zugänglich – oben öffnet sich der Blick über die Wälder des mittleren Erzgebirges. Bei klarer Sicht lohnt der Vergleich mit anderen Aussichtsbergen der Gegend, etwa den Orgelpfeifen am Scheibenberg, die auf ganz andere Weise – aus Basalt – entstanden sind.
Die Rundwanderung durchs Greifensteingebiet
Wer die Greifensteine erwandern will, startet am besten in Ehrenfriedersdorf. Der Rundwanderweg durch das Greifensteingebiet misst rund zwölf Kilometer und lässt sich als bequeme Tagestour gehen – genug Strecke, um Wald, Felsen und Wasser zu verbinden, ohne dass die Tour zur sportlichen Prüfung wird. Wer noch mehr Weite sucht: Auch der Internationale Bergwanderweg Eisenach–Budapest, kurz EB, führt über die Greifensteine und weiter am Greifenbachstauweiher vorbei nach Ehrenfriedersdorf. Ein Abschnitt dieses Fernwegs lässt sich gut in eine eigene Tagesetappe einbauen.
| Länge | ca. 12 km (Rundweg ab Ehrenfriedersdorf) |
|---|---|
| Dauer | bequeme Tagestour |
| Höhenlage | bis 731,7 m ü. NHN (Aussichtsfelsen) |
| Start | Ehrenfriedersdorf |
| Charakter | Waldwege durchs Landschaftsschutzgebiet, Felsgruppe mit Aussichtsfelsen (162 Stufen) |
| Einkehr | Berghotel Greifensteine direkt an den Felsen |
Waldgeisterweg und Stülpnerhöhle
Für Familien mit Kindern ist der Waldgeisterweg die erste Wahl. Der rund 3,3 Kilometer lange Pfad beginnt am Stadtrand von Ehrenfriedersdorf; bis zum Felsen sind es insgesamt etwa vier Kilometer. Gesäumt wird der Weg von geschnitzten Waldgeister-Figuren, die aus dem Unterholz schauen und ihn zu einer Art Freiluftmärchen machen. Wer es lieber lehrreich mag, nimmt den etwa fünf Kilometer langen Bodenlehrpfad, der am Abenteuerspielplatz beginnt.
Etwa 300 Meter vom Aussichtsfelsen entfernt liegt am Waldgeisterweg die Stülpnerhöhle – vermutlich einst durch den Zinnbergbau freigelegt und der Legende nach Versteck des Wildschützen Karl Stülpner (1762–1841), der als sächsischer Volksheld in die Überlieferung des Erzgebirges eingegangen ist. Die Eingänge selbst sind nicht begehbar, doch ein Rastplatz davor lädt zur Pause an geschichtsträchtiger Stelle.
Naturtheater und Greifenstein-Festspiele
Was die Greifensteine von anderen Felsformationen des Erzgebirges unterscheidet, ist ihre zweite Existenz als Spielstätte. Zwischen den Granittürmen liegt das Naturtheater Greifensteine, eine Felsenbühne mit über 1.200 Sitzplätzen – die Felsen selbst bilden die Kulisse. Bespielt wird sie vom Ensemble des Eduard-von-Winterstein-Theaters der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH aus Annaberg-Buchholz. Die Greifenstein-Festspiele haben Tradition: Seit 1952 wird hier Sommer für Sommer Theater unter freiem Himmel gespielt. In der Saison 2026 läuft der Spielbetrieb vom 20. Juni bis zum 30. August. Wer Wanderung und Vorstellung verbinden will, plant den Aufstieg auf den Aussichtsfelsen am Nachmittag und den Theaterabend im Anschluss.
Mehr als Felsen: Zinngrube, Kletterwald, Stauweiher
Das Umfeld der Greifensteine erzählt vor allem eine Geschichte: die des Bergbaus. In Ehrenfriedersdorf lässt sie sich buchstäblich befahren – das Besucherbergwerk Zinngrube Ehrenfriedersdorf am Sauberg bringt Gäste per Seilfahrt auf 100 Meter Teufe. Zur Wahl stehen eine eineinhalbstündige Führung und eine zweieinhalbstündige Erlebnisführung. Seit 2019 gehört die Zinngrube zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
Über Tage geht es sportlicher zu: Der Erlebniskletterwald Greifensteine liegt direkt im Erholungsgebiet, ebenso ein Abenteuerspielplatz. Zum Baden und Rasten lockt der nahe Greifenbachstauweiher. Und dann sind da noch die Kletterer, für die die Greifensteine ein klassisches Granitklettergebiet sind: An Kreuzfelsen, Gamsfelsen und Turnerfelsen wird traditionell sächsisch geklettert, mit selbst gelegten Sicherungen. Während der Theatersaison gelten zeitweise Einschränkungen. Wer nach der Tour noch einen zweiten Gipfel der Region sucht, findet ihn am Pöhlberg bei Annaberg-Buchholz, nur wenige Kilometer entfernt.
Anreise und Einkehr
Ehrenfriedersdorf liegt rund acht Kilometer nordwestlich von Annaberg-Buchholz und etwa 21 bis 25 Kilometer südlich von Chemnitz. Mit dem Auto erreicht man das Gebiet über die B95 zwischen Chemnitz und Annaberg; am Fuß der Felsen gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz, weitere Stellflächen finden sich am Naturtheater und am Kletterwald. Wer ohne Auto unterwegs ist, nimmt die Buslinie 210 Chemnitz–Annaberg bis zur Haltestelle „Weg zu den Greifensteinen“; die Linien 441 und 412 halten direkt am Erholungsgebiet. Mehr Ideen für autofreie Touren in der Region versammelt unser Beitrag Wandern ohne Auto im Erzgebirge.
Für die Einkehr empfiehlt sich das Berghotel Greifensteine mit Gaststätte und Biergarten direkt an den Felsen (Greifensteinstraße 42, 09427 Ehrenfriedersdorf) – die aktuellen Öffnungszeiten stehen auf der Website des Hauses. Als Alternative bietet sich das Hotel Am Markt in Ehrenfriedersdorf an.
Drei Ausrüstungsteile, die auf einer Tagestour durchs Greifensteingebiet sinnvoll sind:
- DEPROC KENTVILLE MEN Outdoorhose – elastische Powerstretch-Hose für den Wechsel aus Waldwegen und Felstreppen
- DEPROC KENORA V LONG WOMEN Outdoorhose – bequeme Trekkinghose für die zwölf Kilometer lange Rundtour
- DEPROC OLAND MEN Regenhose – leichter Wetterschutz, wenn über dem Erzgebirgskamm ein Schauer aufzieht
Häufige Fragen zu den Greifensteinen im Erzgebirge
Wie lange dauert die Wanderung zu den Greifensteinen?
Das hängt von der gewählten Route ab. Der Rundwanderweg durchs Greifensteingebiet ab Ehrenfriedersdorf ist rund zwölf Kilometer lang und als bequeme Tagestour angelegt. Deutlich kürzer ist der Waldgeisterweg: Der Pfad selbst misst etwa 3,3 Kilometer, vom Stadtrand Ehrenfriedersdorf bis zum Felsen sind es insgesamt rund vier Kilometer.
Kostet der Aufstieg auf den Aussichtsfelsen Eintritt?
Nein, der Aussichtsfelsen ist frei zugänglich. Der Aufstieg erfolgt über eine Treppe mit 162 Stufen. Kostenpflichtig ist lediglich der Parkplatz am Fuß der Felsen.
Kann man die Stülpnerhöhle besichtigen?
Die Höhle liegt etwa 300 Meter vom Aussichtsfelsen entfernt am Waldgeisterweg, ihre Eingänge sind jedoch nicht begehbar. Ein Rastplatz vor der Höhle erlaubt aber einen Blick auf das legendäre Versteck des Wildschützen Karl Stülpner.
Wann finden die Greifenstein-Festspiele statt?
Die Felsenbühne wird seit 1952 bespielt. In der Saison 2026 läuft der Spielbetrieb des Naturtheaters vom 20. Juni bis zum 30. August, gestaltet vom Ensemble des Eduard-von-Winterstein-Theaters aus Annaberg-Buchholz.
Fazit
Die Greifensteine im Erzgebirge vereinen auf kleinem Raum, wofür man andernorts mehrere Ausflüge bräuchte: eine markante Granitlandschaft mit frei zugänglichem Aussichtsfelsen, Wanderwege für jede Kondition, eine Felsenbühne mit über siebzigjähriger Festspieltradition und mit der Zinngrube Ehrenfriedersdorf ein Stück UNESCO-Welterbe gleich nebenan. Ob als bequeme Tagestour auf dem Rundweg, als Familienausflug über den Waldgeisterweg oder als Etappe auf dem Bergwanderweg Eisenach–Budapest – ein Besuch lässt sich gut mit Bus und Bahn organisieren und nach Belieben um Theater, Klettern oder eine Seilfahrt in die Tiefe erweitern. Wer das Erzgebirge kennenlernen will, findet hier einen seiner charaktervollsten Orte.


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