Wer von Westen kommt, sieht Schwarzenberg erst spät. Dann öffnet sich das Tal, und über einer engen Schleife des Schwarzwassers steht ein Felssporn aus Augengneis, auf dem sich Schloss und Kirche zusammendrängen, als wäre unten kein Platz gewesen. Rund 40 Meter fällt der Fels zum Wasser ab. Auf der gegenüberliegenden Seite antworten zwei Felsen: Ottenstein und Totenstein.

Schwarzenberg im Erzgebirge ist Große Kreisstadt im Erzgebirgskreis, hat 15.210 Einwohner (Stand 30.09.2025) und erstreckt sich über 46,24 Quadratkilometer zwischen 400 und 823 Metern Höhe. Die Altstadt liegt bei etwa 468 Metern, die B 101 führt mitten hindurch. Im Stadtgebiet mündet die Große Mittweida ins Schwarzwasser. Für einen Tagesausflug heißt das: vormittags Altstadt und Museum, nachmittags der Panoramaweg.

Die Altstadt von Schwarzenberg auf dem Felssporn

Die Altstadt ist klein und in einer knappen Stunde umrundet. Schloss und St.-Georgen-Kirche bilden ein Ensemble, das von unten wie von oben Eindruck macht. Die Stadt nennt sich selbst „Perle des Erzgebirges“ – ein Werbeslogan, kein offizieller Titel, doch die Lage über dem Tal erklärt, woher er kommt.

St.-Georgen-Kirche

Die barocke Saalkirche entstand von 1690 bis 1699 nach Plänen von Johann Georg Roth aus Lößnitz und wurde am 22. Oktober 1699 geweiht. Der Granit stammte aus den Steinbrüchen am Rockelmann. Sehenswert ist vor allem die reich geschnitzte, freitragende flache Holzdecke, dazu das barocke Altargitter von Zacharias Georgi aus dem Jahr 1721.

Schloss Schwarzenberg und das Museum PERLA CASTRUM

Im 12. Jahrhundert als Wehranlage gegründet, 1310 erstmals urkundlich erwähnt, 1433 neu gebaut und zwischen 1555 und 1558 für Kurfürst August von Sachsen zum kurfürstlich-sächsischen Jagdschloss umgebaut: Das Schloss hat mehrere Leben hinter sich. Ältester Bauteil ist der untere Abschnitt des Bergfrieds aus dem 12. Jahrhundert. Von 1876 bis 1990 saß hier das Gericht. Seit 2019 ist die Anlage assoziierte Stätte des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.

Heute beherbergt das Schloss das städtische Museum PERLA CASTRUM (Obere Schloßstraße 36) auf rund 700 Quadratmetern, verteilt auf drei Etagen und den Turmbereich. Die Themen reichen von Stadt- und Schlossgeschichte über Eisen und Zinn, Klöppelspitze und Waschmaschinenproduktion bis zur „unbesetzten Zeit“. Der Bergfried ist seit 2006 begehbar. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 3 Euro (Stand August 2026, vorab prüfen).

Der Panoramaweg Schwarzenberg: 13,8 Kilometer rund um die Stadt

Der Panoramaweg Schwarzenberg umrundet die Stadt, nimmt Höhenrücken und Ortsteile mit und kehrt über die beiden Felsen gegenüber der Altstadt zurück. Streckenweise verläuft er auf dem Europäischen Fernwanderweg E3.

Länge 13,8 km, Rundtour
Dauer ca. 4 Stunden
Höhenmeter 422 m Aufstieg, 399 m Abstieg
Schwierigkeit mittel
Markierung gelb
Start/Ziel Parkplatz Am Hammerweg unterhalb der Altstadt

Vom Parkplatz geht es hinauf – zu Fuß über den Kirchsteig oder mit dem Schrägaufzug. Die Stationen der Runde:

  • Galgenberg (560 m)
  • Becherberg
  • Aussichtspunkt Waldbühne
  • Bermsgrün und Rosenthal
  • Ortsteil Erla-Crandorf
  • Eisenstraße und Freitaggut
  • Park Ottenstein (473,5 m) und Park Totenstein (477,8 m)
  • zurück in die Altstadt

Wichtig: Der direkte Aufstieg zum Totenstein ist nicht mehr möglich; ausgeschildert ist eine Alternativroute über die Bahnhofstraße und die alte Markthalle. Am Rockelmann (577 m) liegen das Naturtheater von 1924 und die Waldbühne von 1938.

Weitere Touren rund um Schwarzenberg

Wer länger bleibt, hat die Wahl: Rundwanderweg Pöhlwassertal (17,3 km), Bergbau-Rundweg „Von der Gelben Birke zum Graul“ (7,2 km) und Rundwanderweg Bermsgrün (5,2 km). Seit Oktober 2021 verbindet der Rundwanderweg „W@ndelbarer Silberberg“ auf rund 97 Kilometern Aue-Bad Schlema, Lauter-Bernsbach, Lößnitz, Schneeberg und Schwarzenberg. Zur Bergbaugeschichte führen die Lehrpfade Baumannsgraben und Fröbesteig. Durch die Stadt laufen zudem die Silberstraße und der Bergwanderweg Eisenach–Budapest.

Schwarzenberg hat Anteil am Naturpark Erzgebirge/Vogtland – die Gemarkung Schwarzenberg teilweise, Grünstädtel und Pöhla vollständig. Der Auersberg (1.018 m) und die Staumauer der Talsperre Eibenstock liegen jeweils rund 13,6 Kilometer Luftlinie entfernt.

Geschichte: 42 Tage unbesetzt

Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 blieben der Landkreis Schwarzenberg und Teile des Landkreises Stollberg rund 42 Tage unbesetzt – weder US-amerikanische noch sowjetische Truppen rückten ein. Warum, ist bis heute ungeklärt; kursierende Erklärungen sind Spekulation, die Münzwurf-Version stammt aus der Fiktion. Bekannt wurde die Episode durch Stefan Heyms Roman „Schwarzenberg“ von 1984. Vor Ort erschließen der Rundgang „Schwarzenberg UNBESETZT“ und die Ausstellung im Museum das Thema.

Anreise, Parken und der Schrägaufzug

Mit der Bahn erreicht man Schwarzenberg über die Linie RB 95 der Erzgebirgsbahn (Zwickau – Aue – Schwarzenberg – Johanngeorgenstadt). Der Busbahnhof liegt direkt am Bahnhof, mit Verbindungen unter anderem nach Chemnitz, Aue, Oberwiesenthal und Johanngeorgenstadt sowie zwei Stadtbuslinien. Auf der Strecke Annaberg-Buchholz–Schwarzenberg gibt es keinen regulären Personenverkehr. Wie sich Touren ohne eigenes Auto planen lassen, haben wir gesondert beschrieben.

Mit dem Auto: Hammerparkplatz am Fuß der Altstadt, über 90 kostenfreie Stellplätze. Von dort führt der Schrägaufzug hinauf, die Bergstation liegt neben der St.-Georgen-Kirche. Die Kabine fasst sechs Personen, die Schienenlänge beträgt 56 Meter, eine Berg- oder Talfahrt kostet 0,50 Euro. In Betrieb ist der Aufzug täglich von 5:30 bis 22:00 Uhr, von April bis Oktober bis 23:00 Uhr.

Einkehr

In der Altstadt finden sich das Hotel Ratskeller mit dem Restaurant „De gute Stub’“ (Markt 1), die Steigerstube (Obere Schloßstraße 15) und Kunst und Kneipe (Obere Schloßstraße 5), am Fuß des Bergs das BonAire Café und Weinbistro (Hammerweg 8). Am Panoramaweg Schwarzenberg liegen die Erzgebirgsgaststätte im Haus des Gastes Bermsgrün (Schulstraße 11), das Sonnenhotel Hoher Hahn in Bermsgrün und der Gasthof „Zur Eisenhütte“ in Erla-Crandorf (Karlsbader Straße 97); in Pöhla lädt der Erzgebirgische Landgasthof „Vugelbeerschänk“ (Hauptstraße 32) ein.

Termine im Jahreslauf

Vom 14. bis 16. August 2026 findet das 31. Schwarzenberger Altstadt- und Edelweißfest statt, mit mittelalterlichem Markt und mehreren Bühnen. Der Weihnachtsmarkt läuft vom 4. bis 13. Dezember 2026 täglich von 11 bis 20 Uhr; urkundlich belegt ist er seit 1534. Dazu gehören eine Bergparade und die älteste erhaltene Großpyramide der Welt, die Krauß-Pyramide von 1933/34. Dazwischen liegt die Spielzeit der Waldbühne Schwarzenberg.

Die Erzgebirgische Aussichtsbahn verkehrt seit 2009 im touristischen Ausflugsverkehr zwischen Schwarzenberg und Annaberg-Buchholz. Betreiber ist der Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde e. V., der auch das Eisenbahnmuseum im Lokschuppen von 1902 (Schneeberger Straße 60) unterhält. Als Fahrtage 2026 nennt der Veranstalter unter anderem den 8. und 15. August, den 19./20. September und den 17./18. Oktober – Fahrplan und Buchung vorab prüfen.

Ausrüstung für den Panoramaweg

Die Runde führt über offene Höhenrücken und durch schattigen Wald, im Sommer wechseln Wärme und auffrischender Wind schnell. Drei Stücke aus dem Sortiment von DEPROC Active, die für eine Tagestour dieser Länge passen:

Häufige Fragen

Wie lang ist der Panoramaweg Schwarzenberg?

13,8 Kilometer als Rundtour, rund vier Stunden, 422 Höhenmeter im Aufstieg und 399 im Abstieg, Schwierigkeit mittel, Markierung gelb.

Kann man den Totenstein noch besteigen?

Der direkte Aufstieg ist nicht mehr möglich. Ausgeschildert ist eine Alternativroute über die Bahnhofstraße und die alte Markthalle.

Wo parkt man in Schwarzenberg am besten?

Am Parkplatz Am Hammerweg unterhalb der Altstadt, über 90 kostenfreie Stellplätze. Hinauf geht es über den Kirchsteig oder mit dem Schrägaufzug für 0,50 Euro.

Was kostet der Eintritt ins Museum PERLA CASTRUM?

6 Euro, ermäßigt 3 Euro, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr (Stand August 2026). Aktuelle Angaben finden sich unter schwarzenberg.de.

Fazit

Schwarzenberg im Erzgebirge lässt sich an einem Tag erfassen und lohnt doch einen zweiten. Der Felssporn mit Schloss und Kirche liefert das Bild, das Museum die Tiefe, der Panoramaweg die Bewegung. Anschlusstouren in der Region finden sich beim Tourismusverband Erzgebirge.

Tour-Steckbrief: Panoramaweg Schwarzenberg

Charakter Rundwanderweg um Schwarzenberg, Markierung gelber Strich
Länge 13,8 Kilometer
Gehzeit ca. 4 Stunden 5 Minuten
Auf-/Abstieg 422 m / 399 m
Start/Ziel Wanderparkplatz „Am Hammerweg“ unterhalb der Altstadt
Highlights Altstadt mit Schloss und St.-Georgen-Kirche, Galgenberg, Aussichtspunkt Waldbühne (681 m), Bermsgrün, Ottenstein und Totenstein
Tour-Info Panoramaweg Schwarzenberg bei Outdooractive



Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © Outdooractive / Tourismusverband Erzgebirge


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