Wer von Annaberg aus nach Süden blickt, sieht ihn schon von Weitem: einen Berg mit auffallend flachem Scheitel, der wie mit dem Lineal gezogen über dem Sehmatal steht. Der Bärenstein im Erzgebirge ist mit 897,8 Metern der höchste der drei Basalt-Tafelberge der Region – und einer der lohnendsten Aussichtsberge des oberen Erzgebirges, direkt an der Grenze zu Böhmen.

Ein Lavastrom als Berg: Geologie des Bärensteins

Die charakteristische Tafelform ist kein Zufall, sondern Erdgeschichte. Der Bärenstein ist der Erosionsrest eines Lavastroms: Während das umgebende, weichere Gestein über Jahrmillionen abgetragen wurde, blieb die harte Basaltdecke stehen. Gemeinsam mit dem Pöhlberg bei Annaberg-Buchholz und dem Scheibenberg mit seinen Orgelpfeifen bildet er das Trio der Basalt-Tafelberge des oberen Erzgebirges – und überragt beide. Wie das Gestein im Inneren aussieht, zeigt der aufgelassene Steinbruch an der Nordseite: Dort stehen die Basaltsäulen frei, jene regelmäßigen Strukturen, die beim langsamen Erkalten der Lava entstanden. Das gesamte Bergmassiv liegt im Landschaftsschutzgebiet Bärenstein; nördlich des Gipfels ist zudem rund ein Hektar als Flächennaturdenkmal „Der Bärenstein“ ausgewiesen.

Gipfelplateau und Aussichtsturm

Oben überrascht der Berg mit einem regelrechten Gipfelensemble. Das Berghotel Bärenstein, hervorgegangen aus einem Berggasthaus mit Unterkunftshaus, wurde 1913 erbaut – Grundsteinlegung im Mai, Einweihung Ende November desselben Jahres. 1936 kam ein Saalanbau hinzu, 1992/93 folgte eine Sanierung. Nach der Schließung 2019 öffnete das Haus im Juni 2021 nach erneuter Sanierung wieder. Zum Hotel gehört ein 30 Meter hoher Aussichtsturm, der die Baumwipfel überragt und den Blick freigibt: auf Klínovec (Keilberg) und den Fichtelberg, im Westen auf die Talsperre Cranzahl, im Südosten auf den Mědník (Kupferhübel) und die böhmischen Kammlagen, im Norden auf Annaberg mit dem Pöhlberg, dazu der Blick hinab ins Sehmatal.

Das Plateau selbst erschließt der „Obere Rundweg Bärenstein“: 1,4 Kilometer, rund 30 Minuten, etwa 51 Höhenmeter – leicht, kinderwagengerecht und mit weiß-gelb-weißer Markierung ab dem Parkplatz am Berghotel ausgeschildert. Vier Aussichtspunkte und drei Sagentafeln liegen am Weg, außerdem das Gipfelkreuz, das „Hirtengrab“ und die wiedererrichtete Königlich-Sächsische Triangulationssäule von 1865, die 2005 neu aufgestellt wurde – ein Zeugnis der frühen Landesvermessung Sachsens.

Bärenstein wandern: Wege auf den Berg

Wer am Bärenstein wandern will, hat die Wahl zwischen kurzem Anstieg und ausgedehnter Grenzrunde.

Der steile Aufstieg ab Bergstraße

Die direkte Variante beginnt am großen Wanderparkplatz am Waldrand an der Bergstraße. Der Wegweiser „Steiler Aufstieg“ sagt bereits, was einen erwartet: ein kurzer, aber knackiger Anstieg zum Gipfel – ideal, wenn man vor allem den Turm und den Gipfelrundweg im Sinn hat.

Große Runde: Über den Kamm zum Bärenstein

Deutlich mehr vom Charakter der Grenzregion zeigt die Tour „Über den Kamm zum Bärenstein“: 11,4 Kilometer, rund 3:15 Stunden, 365 Höhenmeter, Schwierigkeit mittel. Start ist der Wanderparkplatz an der B95. Die Route folgt zunächst dem Kammweg Erzgebirge–Vogtland, passiert die Talsperre Cranzahl und erreicht den Ort Bärenstein. Dann wird es grenzüberschreitend: Der Weg wechselt hinüber nach Vejprty, vorbei an den zwei Kirchen der Stadt und dem Rastplatz „Günthers Ruh“, ehe es zurück über die Grenze und im Schlussaufstieg hinauf zum Gipfel geht. Wichtig: Die Runde ist nicht durchgängig markiert – ein digitaler Track auf dem Handy oder GPS-Gerät gehört hier ins Gepäck.

Alternative ab Bahnhof Cranzahl

Wer mit der Bahn anreist, startet am Bahnhof Cranzahl: Von dort führt eine rund elf Kilometer lange Variante über die Talsperre Cranzahl zum Berg – eine stimmige Kombination aus Wasser, Wald und Weitblick.

Grenzort mit zwei Gesichtern: Bärenstein und Vejprty

Der Ort Bärenstein liegt an der B95 unmittelbar an der Grenze; nur der Pöhlbach trennt ihn von der tschechischen Stadt Vejprty, dem einstigen Weipert. Die Ostseite des Berges fällt steil ins Pöhlbachtal ab. Wie eng beide Orte zusammengewachsen sind, zeigt die „Gemeinsame Mitte Bärenstein/Vejprty“: eine grenzüberschreitend gestaltete Ortsmitte mit Pavillon, eröffnet 2013. 2027 begeht der Ort das Festjahr „500 Jahre Bärenstein“. Sportlich hat die Gegend nicht nur im Sommer etwas zu bieten: Im Winter locken Skilift, Rodelhang und Loipen, und die Mountainbike-Route Stoneman Miriquidi führt über den Berg.

Anreise und Parken

Mit dem Auto ist der Bärenstein über die B95 erreichbar. Zum Parken stehen der Wanderparkplatz an der Bergstraße (20 Plätze, auch als Wohnmobilstellplatz nutzbar), der Parkplatz am Berghotel auf dem Gipfel (20 Plätze), der Parkplatz Am Markt (50 Plätze) und der Wanderparkplatz an der B95 zur Verfügung.

Mit der Bahn wird es zum kleinen Abenteuer: Der Bahnhof Bärenstein liegt an der Strecke Vejprty–Annaberg-Buchholz, die im Saisonverkehr an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zwischen Cranzahl, Bärenstein, Vejprty und Chomutov bedient wird – ein täglicher Zugverkehr besteht nicht. Zwischen Cranzahl und Vejprty gelten Deutschlandticket und VMS-Tarif. Über Busverbindungen informiert vms.de; dort lohnt vor der Tour ohnehin ein Blick auf die aktuellen Fahrpläne.

Einkehr am und um den Berg

Die naheliegendste Adresse ist das Berghotel Bärenstein direkt auf dem Gipfel (Bergstraße 18) mit regionaler Küche. Laut Website ist das Restaurant täglich geöffnet, sonntags bis donnerstags von 11 bis 21 Uhr, freitags und samstags bis 22 Uhr – die aktuellen Zeiten sollte man vor dem Besuch auf der Website prüfen. Im Umfeld bieten sich außerdem das Erlebnishotel & Restaurant Fichtenhäusel im Ortsteil Kühberg (Königswalder Str. 20) und der Landgasthof „Zur Fichte“ (Fichtberg 15) an.

Eckdaten zum Bärenstein

Höhe 897,8 m ü. NHN (rund 898 m), Basalt-Tafelberg
Gipfelrundweg „Oberer Rundweg Bärenstein“: 1,4 km, ca. 30 min, ca. 51 hm, leicht, kinderwagengerecht, Markierung weiß-gelb-weiß
Große Runde „Über den Kamm zum Bärenstein“: 11,4 km, ca. 3:15 h, 365 hm, mittel, Start Wanderparkplatz B95, digitalen Track nutzen
Aussichtsturm 30 m, am Berghotel Bärenstein auf dem Gipfel
Parken Wanderparkplatz Bergstraße, Parkplatz am Berghotel, Parkplatz Am Markt, Wanderparkplatz B95
ÖPNV Bahnhof Bärenstein (Strecke Vejprty–Annaberg-Buchholz), Saisonverkehr Sa/So/Feiertage; Deutschlandticket gilt Cranzahl–Vejprty; Busse: vms.de

Drei Ausrüstungsteile, die auf einer Tour wie dieser sinnvoll sind:

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Bärenstein im Erzgebirge?

Der Bärenstein misst 897,8 Meter über Normalhöhennull, also rund 898 Meter. Damit ist er der höchste der drei Basalt-Tafelberge des oberen Erzgebirges – höher als Pöhlberg und Scheibenberg.

Ist der Gipfelrundweg auch für Familien geeignet?

Ja. Der „Obere Rundweg Bärenstein“ ist 1,4 Kilometer lang, leicht und kinderwagengerecht. Vier Aussichtspunkte und drei Sagentafeln machen die halbe Stunde auch für Kinder kurzweilig.

Kann man direkt am Gipfel parken?

Ja, am Berghotel auf dem Gipfel gibt es einen Parkplatz mit 20 Stellplätzen. Wer lieber zu Fuß aufsteigt, startet am Wanderparkplatz an der Bergstraße oder am Wanderparkplatz an der B95.

Was sieht man vom Aussichtsturm?

Bei klarem Wetter reicht der Blick vom 30 Meter hohen Turm zu Klínovec und Fichtelberg, im Westen zur Talsperre Cranzahl, im Südosten zu Mědník und den böhmischen Kammlagen, im Norden bis Annaberg mit dem Pöhlberg – dazu ins Sehmatal.

Tour-Steckbrief: Über den Kamm zum Bärenstein

Start/Ziel Bärenstein (Ort), am Fuß des Berges (50.50544, 13.01961)
Strecke 11,4 km (Rundtour)
Dauer ca. 3:15 h
Auf-/Abstieg 365 m / 361 m
Schwierigkeit mittel
Highlights Kammweg Erzgebirge–Vogtland, deutsch-tschechischer Grenzkamm, Gipfelplateau des Bärensteins mit Aussichtsturm, Blicke nach Vejprty/Weipert
Tour & GPX Über den Kamm zum Bärenstein (Tourismusverband Erzgebirge)



Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © Tourismusverband Erzgebirge / Outdooractive

Fazit

Der Bärenstein vereint auf kleinem Raum, was das obere Erzgebirge ausmacht: Geologie zum Anfassen im alten Basaltbruch, einen Rundumblick über die höchsten Berge des Erzgebirges und eine gelebte Nachbarschaft über die Grenze hinweg. Ob als kurzer Familienausflug mit Gipfelrundweg oder als Elf-Kilometer-Runde über Kammweg, Talsperre und Vejprty – der dritte Tafelberg ist der komplette.


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