Als der historische Kammweg 1904 eröffnet wurde, war er mit rund 820 Kilometern der längste Touristenweg im deutschsprachigen Raum – vom Egerland bis ins Altvatergebirge, markiert mit einem vierzinkigen Kamm, überwiegend auf böhmischer Seite. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Markierung aufgegeben, die Route geriet in Vergessenheit. Seit 2011 führt der Kammweg Erzgebirge–Vogtland diese Tradition fort: 288 Kilometer auf deutscher Seite entlang des sächsisch-böhmischen Kamms, von Geising im Osterzgebirge bis nach Blankenstein in Thüringen. Wer den Weg komplett geht, ist rund 83 Stunden unterwegs – und durchquert dabei eine Mittelgebirgslandschaft, die zwischen Bergwiesen, Hochmooren und Bergbaugeschichte ständig ihr Gesicht wechselt.
Was der Kammweg Erzgebirge–Vogtland ist
Der Kammweg Erzgebirge–Vogtland ist ein Fernwanderweg mit 17 Tagesetappen zwischen 10 und 25 Kilometern. Die Länge wird je nach Quelle mit 285 bis 289 Kilometern angegeben; der Tourismusverband nennt 288 Kilometer. Der Weg ist Teil des Europäischen Fernwanderwegs E3, in Blankenstein schließt er direkt an den Rennsteig an – wer will, wandert also einfach weiter durch den Thüringer Wald.
Seit 2011 trägt der Kammweg das Siegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“, im Januar 2026 wurde er zum sechsten Mal rezertifiziert – das Siegel gilt jeweils drei Jahre. Dahinter steht ein Gemeinschaftsprojekt der Tourismusverbände Erzgebirge und Vogtland mit 26 Kommunen und ehrenamtlichen Kammweg-Paten, die sich um Markierung und Wegzustand kümmern. Die Kammweg-Markierung ist durchgängig, Verlaufen ist hier schwer. Die Wegebeschaffenheit spricht für sich: 41 Prozent naturnahe Pfade, 44 Prozent Feinschotter, nur 15 Prozent Asphalt. Insgesamt summieren sich rund 4.500 Höhenmeter im Aufstieg – die Schwierigkeit liegt im Schnitt bei „mittel“, einzelne Etappen reichen von leicht bis schwer.
Der größte Teil des Weges, 182 Kilometer, verläuft durchs Erzgebirge – die Etappen 1 bis 12. Um sie geht es im Folgenden; Vogtland und Thüringen mit den Etappen 13 bis 17 bleiben einem eigenen Beitrag vorbehalten.
Von Geising auf den Kamm: die Etappen im Osterzgebirge
Der Einstieg hat es in sich: Etappe 1 von Geising nach Holzhau ist mit 24,7 Kilometern die längste des Erzgebirgs-Abschnitts und als schwer eingestuft. Sie führt über den Geisingberg (824 m), durch Altenberg und über den Kahleberg (905 m). Danach wird es entspannter: Etappe 2 nach Sayda misst nur 12,2 Kilometer, gilt als leicht und passiert Rechenberg-Bienenmühle – eine gute Wahl für alle, die den Kammweg erst einmal testen wollen.
Etappe 3 (10,1 km) bringt Wanderer über Neuhausen und den Schwartenberg (789 m) ins Spielzeugdorf Seiffen, wo die Drechslertradition des Erzgebirges bis heute lebendig ist. Von dort sind es 10,6 Kilometer nach Olbernhau, vorbei an der Saigerhütte – einem Denkmal der Hüttengeschichte und Teil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, das den Weg immer wieder begleitet.
Mit Etappe 5 (21 km) beginnt der einsamere Teil: durch das Naturschutzgebiet Schwarzwassertal nach Kühnhaide, weiter über den Hirtstein nach Satzung (14 km). Etappe 7 führt über Jöhstadt – wo an Betriebstagen die Museums-Schmalspurbahn Preßnitztalbahn dampft – zum Bärenstein (898 m), dessen Aussichtsturm den Blick über den Kamm freigibt.
Über den Fichtelberg: das Dach des Weges
Etappe 8 ist der landschaftliche Höhepunkt: 18 Kilometer vom Bärenstein über die Talsperre Cranzahl und den Fichtelberg nach Kurort Oberwiesenthal. Mit 1.215 Metern ist der Fichtelberg der höchste Berg Sachsens und zugleich der höchste Punkt des gesamten Kammwegs – wer sich für die höchsten Berge des Erzgebirges interessiert, sammelt auf dem Kammweg gleich mehrere davon. Oberwiesenthal selbst liegt auf 914 Metern und ist damit die höchstgelegene Stadt Deutschlands; die Fichtelberg-Schwebebahn von 1924 ist die älteste Seilschwebebahn des Landes. Wer am Fichtelberg einen Ruhetag einlegt, kann die grenznahe Lage für einen Abstecher nutzen – etwa für die Grenzwanderung von Boží Dar auf den Fichtelberg.
Vom Auersberg ins Vogtland
Hinter Oberwiesenthal wird der Kammweg stiller. Etappe 9 führt nach Rittersgrün, Etappe 10 in zehn Kilometern weiter nach Johanngeorgenstadt. Auf Etappe 11 (14 km) geht es über den Auersberg und durch Wildenthal nach Weitersglashütte, ehe Etappe 12 über Carlsfeld nach Mühlleithen den Übergang ins Vogtland markiert. Von dort setzen die Etappen 13 bis 17 den Weg durch Vogtland und Thüringen fort, bis in Blankenstein der Rennsteig übernimmt.
Der Kammweg in Zahlen
| Start / Ziel | Geising (Stadt Altenberg) / Blankenstein (Thüringen) |
| Länge | 288 km (Angaben schwanken 285–289), davon 182 km im Erzgebirge |
| Etappen | 17 Tagesetappen (ca. 10–25 km), Gesamtgehzeit ca. 83 Stunden |
| Höhenmeter | rund 4.500 m Aufstieg |
| Höchster Punkt | Fichtelberg, 1.215 m |
| Schwierigkeit | mittel, einzelne Etappen leicht bis schwer |
| Wege | 41 % naturnah, 44 % Feinschotter, 15 % Asphalt |
| Markierung | durchgängige Kammweg-Markierung |
| Auszeichnung | Qualitätsweg Wanderbares Deutschland (seit 2011, zuletzt rezertifiziert Januar 2026) |
| Saison | Mai–Oktober, Saisonauftakt „Anwandern am Kammweg“ am 1. Mai |
Anreise mit Bahn und Bus
Der Kammweg lässt sich gut ohne Auto angehen – ein Vorteil gerade bei Streckenwanderungen, bei denen der Wagen am Startort ohnehin nur im Weg stünde. Zum Ausgangspunkt Geising fährt die Müglitztalbahn (RB 72 ab Heidenau bzw. Dresden). Wer in der Mitte einsteigen will: Cranzahl erreicht man mit der Erzgebirgsbahn (RB 80 ab Chemnitz), von dort bringt die dampfbetriebene Fichtelbergbahn Wanderer auf Schmalspur nach Kurort Oberwiesenthal. Johanngeorgenstadt ist mit der RB 95 ab Zwickau angebunden, in Jöhstadt verkehrt die Preßnitztalbahn als Museumsbahn. Weitere Verbindungen und Praxistipps stehen im Beitrag zum Wandern ohne Auto im Erzgebirge.
Einkehr und Übernachtung
In Holzhau, am Ende der langen ersten Etappe, liegt die Pension und Gaststätte Fischerbaude direkt am Weg und serviert regionale Küche. Auf dem Bärenstein lohnt das Berggasthaus mit seinem 27 Meter hohen Aussichtsturm, der ab 1913 erbaut wurde. Auf dem Fichtelberg-Gipfel steht das Fichtelberghaus – wichtig zu wissen: Das Hotel ist seit März 2026 wegen Modernisierung geschlossen, die Wiedereröffnung ist für Dezember 2026 geplant; das Restaurant bleibt während der Bauphase geöffnet. In Oberwiesenthal bietet sich das Naturhotel Sachsenbaude als Quartier an.
Wer sich das Gepäckschleppen sparen will, greift zu den offiziellen Pauschalen des Tourismusverbands: „KAMM komplett“ mit 16 Wandertagen, „KAMM halb“ mit zweimal 7 Wandertagen oder „KAMM ganz kurz“ mit zwei Etappen – jeweils inklusive Gepäcktransfer zwischen den Unterkünften.
Häufige Fragen zum Kammweg Erzgebirge
Wie lang ist der Kammweg Erzgebirge–Vogtland?
Laut Tourismusverband 288 Kilometer (Angaben schwanken zwischen 285 und 289), aufgeteilt in 17 Tagesetappen mit einer Gesamtgehzeit von rund 83 Stunden. Auf das Erzgebirge entfallen 182 Kilometer.
Welche Etappe eignet sich für Einsteiger?
Etappe 2 von Holzhau nach Sayda: 12,2 Kilometer, als leicht eingestuft. Auch Etappe 3 nach Seiffen ist mit 10,1 Kilometern gut machbar und endet im Spielzeugdorf. Die erste Etappe ab Geising (24,7 km, schwer) sollte man dagegen nicht unterschätzen.
Kommt man mit dem ÖPNV zum Kammweg?
Ja. Geising ist über die Müglitztalbahn ab Heidenau/Dresden erreichbar, Oberwiesenthal über die Erzgebirgsbahn bis Cranzahl und die Fichtelbergbahn, Johanngeorgenstadt mit der RB 95 ab Zwickau.
Kann man den Kammweg ohne Gepäck wandern?
Ja, der Tourismusverband bietet Pauschalen mit Gepäcktransfer an: „KAMM komplett“ (16 Wandertage), „KAMM halb“ (2 × 7 Wandertage) und „KAMM ganz kurz“ (2 Etappen).
Fazit
Der Kammweg ist kein Weg der Superlative, sondern einer der Verlässlichkeit: durchgängig markiert, überwiegend naturnah oder auf Feinschotter geführt, mit Etappenlängen, die sich gut planen lassen. Der Erzgebirgs-Abschnitt zwischen Geising und Mühlleithen bündelt auf 182 Kilometern, was diese Region ausmacht – Bergbaugeschichte im UNESCO-Welterbe, Holzkunst in Seiffen, den höchsten Berg Sachsens und lange, stille Kammpassagen. Beste Zeit: Mai bis Oktober, traditioneller Auftakt ist das „Anwandern am Kammweg“ am 1. Mai. Wer nur eine Etappe gehen will, nimmt die Bahn – wer alle zwölf geht, versteht, warum schon 1904 ein Weg über diesen Kamm führte.
Passende Ausrüstung von DEPROC
Für Sommeretappen auf dem Kamm empfiehlt sich leichte, robuste Funktionskleidung – dazu eine Windschutzschicht für die exponierten Passagen über Fichtelberg und Auersberg.
- KENTVILLE MEN Shorts – leichte Trekkingshorts für warme Tagesetappen
- KENORA V LONG WOMEN Outdoorhose – lange Outdoorhose für Damen, auch für kühle Kammlagen
- HAMTON MEN Windbreaker – Windschutz für exponierte Abschnitte über 1.000 Metern


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