Die Schwarze Pockau hat sich zwischen Pobershau und Kühnhaide bis zu 80 Meter tief in den Rotgneis gegraben. Was dabei entstanden ist, gilt als geomorphologisch einzigartig in Sachsen: ein Kerb- und Klammtal mit Blocksteinhalden, Quellbächen und kleinen Wasserfällen, überragt von Felsen mit Namen wie Stiftskanzel, Ringmauer oder Teufelsmauer. Seit dem 23. Januar 2004 steht der Talzug als Naturschutzgebiet „Schwarzwassertal“ unter Schutz, festgesetzt per Verordnung des Regierungspräsidiums Chemnitz vom 18. Dezember 2003. Rund 186 Hektar umfasst das Gebiet, das sich über etwa acht Kilometer vom Hinteren Grund bei Pobershau bis Kühnhaide erstreckt, in Höhenlagen zwischen 540 und 735 Metern über NN.

Tour-Steckbrief: Grüner Graben und Schwarzwassertal

Start / Ziel Pobershau (Marienberg), Ortslage
Länge ca. 13,4 km · Rundtour
Gehzeit ca. 2:58 h
Anspruch leicht · Wegzustand gut
Highlights Schwarzwassertal, Grüner Graben, Katzenstein, Gasthaus Schwarzwassertal
Navi / GPX GPS-Wanderatlas

Interaktive Karte mit eingezeichneter Route (zoom- und verschiebbar) · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © GPS-Wanderatlas.

Für Wanderer ist 2026 ein besonderes Jahr: Am 21. Mai wurde der Grüne Graben nach rund fünf Jahren Sanierung offiziell wiedereröffnet und ist wieder vollständig zugänglich. Der historische Kunstgraben bildet die Westgrenze des Schutzgebiets und ist Teil der klassischen Rundtour. Wer sich vorab in älteren Tourenportalen informiert, sollte wissen: Dort stehen teilweise noch Sperrhinweise aus der Bauzeit.

Ein Durchbruchstal aus Rotgneis

Das Tal entstand, als die erzgebirgische Pultscholle in ihrer letzten Hebungsphase angekippt wurde und sich der Fluss in den aufsteigenden Untergrund einschnitt. Das Gestein gehört zur Rotgneiskuppel von Reitzenhain/Hora Svaté Kateřiny; anstehend sind geschieferte Zweiglimmergneise, Augengneise und stellenweise Graugneise. An der Aussichtsplattform Vogeltoffelfelsen informiert eine Geotoptafel über die Zusammenhänge.

Der Fluss selbst heißt Schwarze Pockau, tschechisch Černá, von alters her auch schlicht „Schwarzwasser“ – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fluss im Westerzgebirge. Er entspringt auf 890 Metern in einem Hochmoor nordöstlich des Berges Jelení hora (Haßberg) im böhmischen Erzgebirge, ist 33 Kilometer lang und mündet in Pockau als linker Nebenfluss in die Flöha. Auf 13 Kilometern bildet er bis Kühnhaide die deutsch-tschechische Staatsgrenze. Zwischen Kühnhaide und Neusorge (450 m) fällt er auf fünf Kilometern um 140 Meter. Seine dunkle Färbung stammt aus dem Moorwasser der Hochmoore; der mittlere Abfluss liegt bei 2,27 Kubikmetern pro Sekunde. Das Klima ist rau: rund sechs Grad Jahresmitteltemperatur, über 950 Millimeter Niederschlag im Jahr.

Die Referenz-Rundtour durch das Schwarzwassertal

Die offizielle Tour der Stadtverwaltung Marienberg trägt den Namen „Durch das Schwarzwassertal (Pobershau)“ und ist auch bei Sachsen-Tourismus dokumentiert. Start und Ziel liegen am Wanderparkplatz Hinterer Grund an der Naturschutzstation in 09496 Marienberg OT Pobershau.

Nach 500 Metern liegt rechts das Mundloch „Tief Blühend Frisch Glück Stolln“. Nach etwa einem Kilometer beginnt der enge Talabschnitt mit den Felsformationen. Rund 4,5 Kilometer weiter führt die „Steinerne Brücke“ hinüber zum Grünen Graben. Der Rückweg zweigt rechts Richtung Katzenstein ab und folgt dem Graben in Fließrichtung; über den gleichnamigen Aussichtsfelsen geht es zurück, wahlweise über den Arnoldweg oder den Weintraubenweg. Der Belag wechselt: 29 Prozent Pfad, 30 Prozent Schotter, 21 Prozent Asphalt, 11 Prozent Weg, 10 Prozent Straße.

Länge 13,49 km, Rundweg
Dauer 3:50 h
Höhenmeter 176 Hm Auf- und Abstieg, tiefster Punkt 540 m, höchster 707 m
Start/Ziel Wanderparkplatz Hinterer Grund, Naturschutzstation, 09496 Marienberg OT Pobershau
Markierung E3 weiß-blau-weiß, Kammweg (weiß-blau-weiß), EB weiß-rot-weiß
Schwierigkeit mittel, Kondition leicht

Wer weniger Zeit hat, nimmt die Kurzvariante „Vom Hinteren Grund zum Katzenstein und zurück“: 4,3 Kilometer, 1:25 Stunden, 185 Höhenmeter zwischen 538 und 687 Metern, ebenfalls als mittel eingestuft. Der Aufstieg über den Arnoldweg ist etwas beschwerlich, zurück geht es über den gelb markierten Weintraubenweg.

Felsen über dem Fluss

Die Stadt Marienberg führt sechs Formationen amtlich auf: Stiftskanzel, Vogeltoffelfelsen, Ringmauer, Katzenstein, Teufelsmauer und Nonnenfelsen. Der Katzenstein ist der bekannteste Aussichtspunkt und liegt nach Angaben der Naturschutzstation Pobershau rund 80 Meter über dem Fluss, der Nonnenfelsen etwa 60 Meter. Wer Gefallen an solchen Felsbastionen findet, wird auch in der Wolkensteiner Schweiz oder bei der Wanderung zu den Hohen Steinen bei Zöblitz fündig.

Grüner Graben: seit Mai 2026 wieder frei

Der Grüne Graben ist rund acht Kilometer lang und wurde im 17. Jahrhundert angelegt, überliefert ist das Jahr um 1680. Er leitet Wasser aus der Schwarzen Pockau bei Kühnhaide – Beginn auf etwa 710 Metern direkt an der Grenze – über die Wasserscheide nach Pobershau. Ursprünglich versorgte er Bergwerke, Erzpochwerke und Erzwäschen, ab dem 19. Jahrhundert die Industrie. Bis heute ist er wasserführend und weitgehend original erhalten.

Die Sanierung begann 2021. Grabenprofil und Mauern wurden wiederhergestellt, Böschungen befestigt, Zuflüsse saniert, bestehende Fußgängerbrücken erneuert und fünf neue gebaut. Für rund sechs Kilometer auf landeseigenen Waldflächen stellte der Freistaat Sachsen etwa drei Millionen Euro bereit, Bauherr war der Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Marienberg.

Marienberg ist mit der Historischen Altstadt und der Bergbaulandschaft Lauta Teil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Der Grüne Graben bei Pobershau wird von der Welterbe-Verwaltung als assoziiertes Objekt des Marienberger Bergbaugebiets geführt; die Stadt Marienberg und der Freistaat Sachsen bezeichnen ihn als Bestandteil des Welterbes.

Bergbau: Zinn, Silber und der Molchner Stolln

Marienberg wurde 1521 nach reichen Silberfunden als Bergstadt gegründet. In der Folge wurden die Wälder bis Ende des 16. Jahrhunderts großflächig abgeholzt und die vorherrschende Rotbuche durch die schnellwachsende Fichte ersetzt – eine Weichenstellung, die den Wald bis heute prägt. In Pobershau ist Zinnbergbau seit 1516 erwähnt; ab dem 17. Jahrhundert überwog Zinn. 1866 wurde der Bergbau eingestellt. Mundlöcher und Erzgänge sind in den Hängen kurz hinter dem Hinteren Grund zu sehen.

Das Besucherbergwerk Molchner Stolln (Amtsseite Dorfstraße 67, 09496 Marienberg OT Pobershau, Tel. 03735 62522) geht auf den Abbau von Silber, Zinn, Kupfer und Eisen ab 1491 zurück. Es ist ganzjährig geöffnet, Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 16:00 Uhr, Montag Ruhetag außer an Feiertagen. Führungen starten um 10:00, 11:30, 13:00, 14:30 und 16:00 Uhr, dauern 45 bis 60 Minuten und finden ab zwei Besuchern statt. Erwachsene zahlen 8 Euro, Kinder bis 18 Jahre 4 Euro. Der Stolln liegt im Ort Pobershau, nicht an der Talroute – als Ergänzung für denselben Tag ist er gut geeignet.

Wald, Vögel, Falter

Ursprünglich stockte hier Hainsimsen-Buchenwald, heute überwiegt die Fichte, in der Talaue in Form von Wollreitgras-Fichten-Wäldern. In den 1970er Jahren richteten Schwefeldioxid-Immissionen im Südteil erhebliche Schäden an. Geschützt sind unter anderem Fließgewässer mit Unterwasservegetation, Hainsimsen-Buchenwälder, bodensaure Fichtenwälder, Schlucht- und Hangmischwälder, Erlen- und Eschenwälder, kieselhaltige Schutthalden sowie Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation. Das Tal gehört zum FFH-Gebiet „Tal der Schwarzen Pockau“ mit 720 Hektar, ausgewiesen 2011.

Mindestens 70 Vogelarten brüten regelmäßig, darunter Raufußkauz, Sperlingskauz, Schwarzspecht, Grauspecht, Hohltaube, Wasseramsel, Zwergschnäpper und Wanderfalke, dazu Braunkehlchen, Neuntöter und Gebirgsstelze. Auch die Schmetterlingsfauna ist artenreich, unter anderem mit Gelbwürfeligem Dickkopffalter, Dukaten-Feuerfalter und Weißbindigem Mohrenfalter.

Anreise und Parken

Wanderparkplätze gibt es am Hinteren Grund (an der Naturschutzstation), an der Hüttstattmühle und am Katzenstein. Die Stadt Marienberg informiert auf einer eigenen Seite zur Parkplatzsituation. Im ÖPNV fährt die Buslinie E bis zur Haltestelle Pobershau/Kniebreche; von dort sind es 2,5 Kilometer bis zum Wanderstart. Eine Bahnanreise ist nicht möglich, da nach Marienberg kein regulärer Personenverkehr mehr fährt. Wer generell autofrei unterwegs sein möchte, findet in unserer Übersicht zum Wandern ohne Auto im Erzgebirge besser angebundene Alternativen.

Einkehr rund um Pobershau

  • Hotel und Restaurant Schwarzbeerschänke, Hinterer Grund 2, 09496 Marienberg OT Pobershau, Tel. 03735 91910. Restaurant montags 15:00 bis 22:00 Uhr, dienstags bis sonntags 11:00 bis 22:00 Uhr, warme Küche bis 20:00 Uhr, Reservierung telefonisch erbeten. Liegt direkt an Start und Ziel der Rundtour.
  • Gaststätte und Pension „Schwarzwassertal“ (Familie Hunger), Am Schwarzwasser 6, 09496 Marienberg OT Kühnhaide, Tel. 037364 8710, am Südende des Tals. Ob der öffentliche Gaststättenbetrieb derzeit läuft, ließ sich nicht zweifelsfrei klären – bitte vorher anrufen.
  • Landgasthof und Pension „Berghaus am Katzenstein“, Amtsseite Katzensteinweg 3, 09496 Marienberg OT Pobershau, Tel. 03735 91490. Öffnungszeiten bitte telefonisch erfragen.

Regeln im Naturschutzgebiet

Die Schutzgebietsverordnung ist deutlich: Verboten sind unter anderem das Verlassen der vorhandenen Wege, freilaufende Hunde, Zelten und Lagern, Feuer, Baden und Bootfahren, Radfahren und Reiten abseits der Wege sowie das Befahren mit Kraftfahrzeugen. Klettern ist ausschließlich an Nonnenfelsen, Katzensteinnadel, Goldkrone, Silberwand und Teufelsmauer nach den sächsischen Kletterregeln zulässig. Das Gebiet stand bereits 1938 als Landschaftsschutzgebiet und 1967 als Naturschutzgebiet unter Schutz; die Waldbewirtschaftung liegt beim Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Marienberg.

Ausrüstung für das Schwarzwassertal

Im engen Talgrund bleibt es auch im Sommer kühl und feucht, oben am Grünen Graben zieht der Wind über die Wasserscheide. Bei über 950 Millimetern Jahresniederschlag gehört Regenschutz in den Rucksack. Passend dazu aus dem DEPROC-Sortiment:

Häufige Fragen

Ist der Grüne Graben wieder begehbar?

Ja. Nach rund fünf Jahren Sanierung wurde der Grüne Graben am 21. Mai 2026 offiziell wiedereröffnet und ist wieder vollständig zugänglich. Ältere Tourenportale zeigen teilweise noch Sperrhinweise aus der Bauzeit.

Wie lang ist die Rundtour und wie anspruchsvoll ist sie?

Die offizielle Runde ab Wanderparkplatz Hinterer Grund misst 13,49 Kilometer, dauert 3:50 Stunden und verlangt 176 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Sie ist als mittel eingestuft, die Kondition als leicht. Eine Kurzvariante zum Katzenstein und zurück umfasst 4,3 Kilometer und 185 Höhenmeter.

Darf ich meinen Hund mitnehmen?

Hunde dürfen mit, aber nicht frei laufen. Freilaufende Hunde sind im Naturschutzgebiet ebenso untersagt wie das Verlassen der vorhandenen Wege.

Kann ich ohne Auto anreisen?

Nur eingeschränkt. Die Buslinie E hält an der Haltestelle Pobershau/Kniebreche, von dort sind es 2,5 Kilometer bis zum Wanderstart. Eine Bahnanreise scheidet aus, weil nach Marienberg kein regulärer Personenverkehr mehr fährt.

Fazit

Das Schwarzwassertal verbindet zwei Dinge, die im Erzgebirge selten so dicht beieinanderliegen: eine geologisch bemerkenswerte Klamm und eine über Jahrhunderte gewachsene Bergbaulandschaft. Nach der Sanierung ist der Grüne Graben wieder vollständig begehbar; damit lässt sich die 13,5-Kilometer-Runde erstmals seit Jahren in ihrer klassischen Form gehen. Wer weniger Zeit mitbringt, erreicht mit der Kurzvariante auf 4,3 Kilometern den bekanntesten Aussichtspunkt des Tals. Wer den Tag füllen will, kombiniert das Tal mit einer Führung im Molchner Stolln. Dass der Weg nach dem Hochwasser vom 12. August 2002 streckenweise zerstört war und erst 2005 wieder freigegeben wurde, ist heute kaum noch zu erkennen.


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