In Cranzahl liegen Normalspur und Schmalspur an einem gemeinsamen Bahnsteig. Wer aus Chemnitz mit der Erzgebirgsbahn kommt, steigt hier über wenige Meter Bahnsteigkante in einen deutlich kleineren Zug um: 750 Millimeter Spurweite, davor in der Regel eine Dampflok. Der Übergang vom Alltagsverkehr in den historischen Betrieb funktioniert damit ohne Fußweg.

Eine Schmalspurbahn im Erzgebirge ist heute meist beides: Museum und Verkehrsmittel. Die Fichtelbergbahn fährt täglich nach Fahrplan, die Preßnitztalbahn, die Erzgebirgische Aussichtsbahn und die Museumsbahn Schönheide dagegen an festgelegten Fahrtagen, getragen von Vereinen. Dieser Überblick sortiert, welche Bahnen wo verkehren, was sie unterscheidet und wie du eine Fahrt sinnvoll mit einer Wanderung oder einem Ortsbesuch verbindest.

Fichtelbergbahn: Schmalspurbahn im Erzgebirge von Cranzahl bis Kurort Oberwiesenthal

Die Fichtelbergbahn ist die einzige Schmalspurbahn im oberen Erzgebirge mit ganzjährigem Regelbetrieb. Sie verbindet auf 17,35 Kilometern den Bahnhof Cranzahl mit dem Kurort Oberwiesenthal und überwindet dabei 238 Höhenmeter. Eröffnet wurde die Strecke am 19. und 20. Juli 1897; sie überquert sechs Brücken und bedient neun Stationen. Betreiberin ist die SDG Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft mbH mit Sitz in Annaberg-Buchholz. Sie ist durch Umfirmierung aus der BVO Bahn GmbH hervorgegangen.

Das markanteste Bauwerk ist das Hüttenbachviadukt kurz vor Oberwiesenthal. Es ist 110 Meter lang und 23 Meter hoch. Unterwegs gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde, was die Fahrzeit erklärt: 57 Minuten bergwärts, 55 Minuten talwärts. Im Einsatz stehen überwiegend Neubau-Dampfloks der Baureihe 99.77 bis 79, die als sächsische VII K zwischen 1952 und 1956 gebaut wurden. Von Mai bis September führt ein Zugpaar pro Tag einen offenen Aussichtswagen.

Strecke Cranzahl bis Kurort Oberwiesenthal (Kursbuchlinie 518)
Länge 17,35 km
Spurweite 750 mm
Fahrzeit 57 Minuten bergwärts, 55 Minuten talwärts
Stationen 9
Höchster Punkt Bahnhof Oberwiesenthal, 893 m über NN
Höhenunterschied 238 m
Eröffnung 19. und 20. Juli 1897
Betreiber SDG Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft mbH
Anschluss Erzgebirgsbahn RB80 in Cranzahl, gemeinsamer Bahnsteig

Im Regelfahrplan verkehren täglich vier Zugpaare, an ausgewählten Sonderverkehrstagen sind es sechs. Die jeweils aktuellen Fahrzeiten und Preise stehen auf der Fahrplan- und Tarifseite der Fichtelbergbahn. Entlang der Strecke listet die SDG selbst eine Reihe von Anlaufpunkten: in Cranzahl die Bäckerei Rolf Köhler und das 1. Räuchermann-Museum, in Neudorf das Gasthaus „Zum Holzwurm“, die Gaststub’ zur Bimmelbah’, die Leffelstub in der Schauwerkstatt „Zum Weihrichkarzl“ und das Suppenmuseum, in Vierenstraße das Hotel und Gästehaus Vierenstraße, in Oberwiesenthal die Bäckerei und Konditorei Roscher, das Café Central, das Meeresaquarium und die Sommerrodelbahn. Öffnungszeiten solltest du vorab selbst prüfen.

Preßnitztalbahn: Museumsbahn zwischen Steinbach und Jöhstadt

Nur ein Tal weiter östlich fährt die Preßnitztalbahn, ebenfalls auf 750 Millimetern. Ihre heutige Strecke misst rund acht Kilometer zwischen Steinbach auf 543 Metern und Jöhstadt auf 684 Metern, mit neun Haltestationen und einer größten Neigung von 25 Promille. Der Verlauf folgt der Preßnitz und dem Jöhstädter Schwarzwasser, Betriebsmittelpunkt ist der Bahnhof Schmalzgrube.

Die historische Altstrecke Wolkenstein bis Jöhstadt bestand von 1892 bis 1984 und war mit über 24 Kilometern deutlich länger. Was heute rollt, ist die Arbeit der 1990 gegründeten Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn e.V., die Strecke und Fahrzeuge besitzt und den Betrieb überwiegend ehrenamtlich führt; 1992 fuhr die erste Dampflok auf den ersten wiederaufgebauten Gleismetern. Der Betrieb stellt bewusst die Epoche um 1970 dar, vom Fahrzeugpark bis zur Bahnhofsausstattung. Wichtig für die Planung: Es gibt keinen täglichen Verkehr. Gefahren wird überwiegend an Wochenenden zwischen April und Anfang November, dazu kommen Sonderfahrten zu Advent und Jahreswechsel. Die Termine stehen auf der Vereinsseite.

Erzgebirgische Aussichtsbahn: Normalspur über das Markersbacher Viadukt

Die Erzgebirgische Aussichtsbahn ist keine Schmalspurbahn, gehört aber in jede Übersicht historischer Bahnen der Region. Sie verkehrt in Normalspur zwischen Schwarzenberg, Markersbach, Schlettau und Annaberg-Buchholz und überquert dabei das Markersbacher Viadukt. Träger ist der Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde e.V. mit dem Eisenbahnmuseum Schwarzenberg in der Schneeberger Straße 60, das nach Voranmeldung besucht werden kann.

2026 fährt die Bahn nur an einzelnen Wochenenden: am 4. und 5. April mit einer BR 628, am 14. Mai mit der Dampflok 50 3616, am 8. und 15. August mit dem Schienenbus LVT 772, bekannt als Ferkeltaxi, dazu am 19. und 20. September, am 17. und 18. Oktober mit Dampf sowie am 12., 13., 28. und 29. Dezember. Die aktuellen Fahrtwochenenden stehen auf der Seite der Aussichtsbahn. Direkt an der Strecke liegen Schloss Schlettau am Schlossplatz 8 und der Museumsbahnhof Schlettau des Eisenbahnvereins Bahnhof Schlettau e.V., der unter anderem an Fahrtagen der Aussichtsbahn geöffnet ist. Am westlichen Ende bietet sich Schwarzenberg mit Altstadt und Panoramaweg als Ergänzung an.

Museumsbahn Schönheide im Westerzgebirge

Die kürzeste der vier Bahnen fährt im Westerzgebirge. Die Museumsbahn Schönheide verbindet auf rund 4,5 Kilometern Schönheide mit Stützengrün-Neulehn, wieder auf 750 Millimetern. Die Strecke ist ein Reststück der einst langen Verbindung Wilkau-Haßlau bis Carlsfeld. Getragen wird der Betrieb vom 1991 gegründeten Verein Museumsbahn Schönheide e.V., im Einsatz sind Dampfloks der sächsischen Gattung IV K.

Bahnfahrt und Wanderung kombinieren

Die Fichtelbergbahn eignet sich am besten für Touren, die ohne Rückweg zum Parkplatz auskommen. Wer ohne Auto ins Erzgebirge reisen will, nimmt die Erzgebirgsbahn RB80 von Chemnitz über Flöha, Zschopau und Annaberg-Buchholz bis Cranzahl und steigt dort um. Parallel bedienen die RB81 nach Olbernhau-Grünthal und die RB95 von Zwickau über Aue nach Johanngeorgenstadt das rund 170 Kilometer lange Netz der Erzgebirgsbahn.

Vom Bahnhof Oberwiesenthal ist die Talstation der Fichtelberg-Schwebebahn in etwa zehn Minuten zu Fuß erreichbar. Sie ist die älteste Luftseilbahn Deutschlands. Sie ist seit Dezember 1924 in Betrieb, gebaut ab dem 1. September, eröffnet am 29. Dezember 1924. Auf 1.175 Metern Länge überwindet sie 302,9 Höhenmeter von der Talstation auf 905,5 Metern zur Bergstation auf 1.208,4 Metern. Oben steht mit 1.215 Metern der höchste Berg Sachsens. Wer lieber selbst hochgeht und die Schwebebahn für die Abfahrt nutzt, findet in unserer Rundtour auf den Fichtelberg eine passende Variante. Die Erzgebirgsstuben im Fichtelberghaus sind per Schwebebahn erreichbar.

Praktische Hinweise

Die Fichtelbergbahn hat einen eigenen SDG-Tarif. Das Deutschlandticket wird anerkannt; damit fährst du mit einem vergünstigten SDG-Historik-Zuschlag. Fahrkarten gibt es im Bahnhof Oberwiesenthal und im Zug. Welche Fahrscheine und Zeitkarten im Einzelnen gelten und was sie kosten, steht auf der Fahrplan- und Tarifseite.

Für Bauarbeiten wird die Strecke in der Regel jeweils für rund drei Wochen im März und im November gesperrt; die genauen Zeiträume nennt die SDG auf ihrer Fahrplanseite. Bei den vereinsgetragenen Bahnen gilt generell, dass du vor der Anreise den Fahrtagekalender prüfen solltest, weil dort nicht nach durchgehendem Fahrplan gefahren wird.

Auf dem Kamm wechselt das Wetter schnell: Der Bahnhof Oberwiesenthal liegt auf 893 Metern, der Fichtelberg auf 1.215 Metern. Wer im offenen Aussichtswagen mitfährt, sollte auch im Sommer eine winddichte Lage und einen Regenschutz im Rucksack haben.

Häufige Fragen

Welche Schmalspurbahn im Erzgebirge fährt täglich?

Nur die Fichtelbergbahn. Im Regelfahrplan verkehren täglich vier Zugpaare zwischen Cranzahl und Kurort Oberwiesenthal, an ausgewählten Sonderverkehrstagen sechs, unterbrochen von den Sperrzeiten im März und November. Preßnitztalbahn, Erzgebirgische Aussichtsbahn und Museumsbahn Schönheide fahren an festgelegten Fahrtagen.

Gilt das Deutschlandticket in der Fichtelbergbahn?

Ja, das Deutschlandticket wird anerkannt. Du fährst damit zu einem vergünstigten SDG-Historik-Zuschlag. Details stehen auf der Fahrplan- und Tarifseite.

Gehört die Weißeritztalbahn zum gleichen Gebiet?

Sie wird ebenfalls von der SDG betrieben und fährt auf 750 Millimetern über 26,3 Kilometer von Freital-Hainsberg nach Kurort Kipsdorf, besteht seit 1883, liegt aber im Osterzgebirge, rund 100 Kilometer vom Oberwiesenthaler Raum entfernt. Dritte Bahn der SDG ist die Lößnitzgrundbahn, die von Radebeul durch den Lößnitzgrund über Moritzburg nach Radeburg fährt, also außerhalb des Erzgebirges. Die Zittauer Schmalspurbahn liegt im Zittauer Gebirge und gehört nicht zum Erzgebirge.

Wie komme ich ohne Auto zur Fichtelbergbahn?

Mit der Erzgebirgsbahn RB80 von Chemnitz über Flöha, Zschopau und Annaberg-Buchholz bis Cranzahl. Dort liegen Normal- und Schmalspur an einem gemeinsamen Bahnsteig, der Umstieg ist kurz.

Fazit

Die Schmalspurbahn im Erzgebirge ist kein einzelnes Angebot, sondern ein Nebeneinander sehr unterschiedlicher Bahnen, drei davon auf 750 Millimetern, eine in Normalspur. Die Fichtelbergbahn liefert den verlässlichen Takt und die kurze Verbindung zu Schwebebahn und Gipfel, die Preßnitztalbahn eine dicht inszenierte Museumsstrecke mit klarer Epochenbindung, die Erzgebirgische Aussichtsbahn spektakuläre Normalspur-Ausblicke an wenigen Terminen im Jahr, die Museumsbahn Schönheide ein kompaktes Stück westerzgebirgische Bahngeschichte. Wer plant, geht am besten in dieser Reihenfolge vor: erst den Fahrtagekalender, dann die Anschlüsse, dann die Wanderung.

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Angaben zu Strecken, Fahrtagen und Tarif nach den offiziellen Seiten der SDG Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft, der IG Preßnitztalbahn e.V., der Erzgebirgischen Aussichtsbahn und des Vereins Museumsbahn Schönheide e.V., Stand 24. August 2026, korrigiert am 19. Oktober 2026 nach Hinweisen der SDG und der IG Preßnitztalbahn. Fahrpläne und Termine können sich ändern, bitte vor der Anreise prüfen.


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