Gut drei Kilometer südwestlich von Johanngeorgenstadt liegt der Kleine Kranichsee, ein Kammhochmoor an der tschechischen Grenze: Torfbildung seit rund 11.000 Jahren, Torf bis fünf Meter tief, der Moorkern bei etwa 930 Metern auf der Wasserscheide zwischen Zwickauer Mulde und Eger. Der Name kommt nicht vom Kranich, sondern vom tschechischen „granica“ für Grenze; erstmals erwähnt wurde er 1551.

Wer das Hochmoor Kleiner Kranichsee erwandern will, nimmt am besten die Rundtour ab dem Platz des Bergmannes: 8,39 Kilometer, 2:13 Stunden Gehzeit, 231 Höhenmeter. Dazu kommen ein Bohlensteg über das offene Moor, Ausblicke bis zum Fichtelberg und eine Bergstadt, deren Geschichte vom Silber- und Uranbergbau bis zum größten freistehenden Schwibbogen der Welt reicht.

Tour-Steckbrief: Kleiner Kranichsee

Start / Ziel Platz des Bergmannes, Johanngeorgenstadt (50.432362 N / 12.714111 O)
Länge 8,39 km · Rundweg
Gehzeit 2:13 h ohne Pausen
Höhenmeter 231 m im Auf- und Abstieg · höchster Punkt 935 m, tiefster 773 m
Charakter überwiegend Feld- und Waldwege, Wegzustand gut, beschildert; Markierung weiß-gelb-weiß; festeres Schuhwerk empfohlen
Highlights Hochmoor Kleiner Kranichsee mit Bohlensteg, Pferdegöpel, größter freistehender Schwibbogen der Welt, Blick auf den Erzgebirgskamm bei Oberjugel
Navi / GPX Track beim GPS-Wanderatlas

Interaktive Karte mit eingezeichneter Route (zoom- und verschiebbar) · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende · Track © GPS-Wanderatlas.

Das Hochmoor Kleiner Kranichsee: ein Moor auf der Wasserscheide

Der Kleine Kranichsee ist das einzige Moor im Erzgebirge, dessen Kern auf deutscher Seite liegt. Zugleich gilt er als das besterhaltene Hochmoor des sächsischen Erzgebirges. Unter Schutz steht er seit dem 7. Juni 1939, 1961 wurde das Gebiet auf 29,15 Hektar erweitert. Seit 2011 gehört er zum 103,80 Hektar großen Naturschutzgebiet „Kleiner Kranichsee, Butterwegmoor und Henneberger Hang“. Der offene Moorbereich misst rund 19 Hektar, die Höhen reichen von 850 bis 945 Metern. Zuständig ist der Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Eibenstock; zugleich ist die Fläche FFH- und Vogelschutzgebiet im Naturpark Erzgebirge/Vogtland.

Botanisch ist das Moor ein Sonderfall. Belegt sind Moor-Kiefer beziehungsweise Spirke (Pinus rotundata), Bergkiefer, Rundblättriger und Langblättriger Sonnentau, Scheiden- und Schmalblättriges Wollgras, Rauschbeere, Krähenbeere, Moosbeere, Rosmarinheide und weite Torfmoosdecken. Neben dem reichen Kreuzottervorkommen leben hier die Spezialisten offener Moore: Hochmoor-Gelbling, Hochmoor-Bläuling, Hochmoor-Perlmutterfalter, Alpen-Smaragdlibelle, Hochmoor-Mosaikjungfer und Birkhuhn.

Der Blick ins Moor hat Tradition. Um 1900 legte der Erzgebirgszweigverein Johanngeorgenstadt einen Knüppeldamm ins Moor und errichtete eine Aussichtskanzel; beide wurden mehrfach ersetzt und vor rund 30 Jahren aus Naturschutzgründen um einige Meter versetzt. Südlich schließt unmittelbar das 6,02 Hektar große tschechische Naturreservat „Malé jeřábí jezero“ an, seit 1962 geschützt. Der Große Kranichsee liegt westlich davon, sein Kern auf tschechischer Seite.

Wandern zum Kleinen Kranichsee: 8,4 Kilometer ab dem Platz des Bergmannes

Start und Ziel ist der Platz des Bergmannes (50.432362 N / 12.714111 O). Die Stadt selbst beschreibt eine als leicht eingestufte Acht-Kilometer-Variante: zum Pferdegöpel, an den Schanzenanlagen vorbei zum Henneberger Flügel, weiter zur T-Kreuzung Eisenstraße und zur Schautafel „Hochmoor“, wo der Rundweg im Schutzgebiet beginnt. Erreicht ist er nach rund 3,5 Kilometern und einem ausgedehnten Aufstieg.

Zurück geht es über den Kammweg Richtung Oberjugel – ein eigener Abschnitt der Route, der nicht mit der weiß-gelb-weißen Markierung identisch ist – und hinunter in den Lehmergrund. Sehenswert sind unterwegs die Arnikawiesen, das Hänelhaus und der Blick bei Oberjugel auf den Erzgebirgskamm mit dem Fichtelberg. Zum Schluss folgt der Bergbaulehrpfad – ein steiler Anstieg am Ende einer bis dahin gemütlichen Tour.

Der höchste Punkt liegt bei 935, der tiefste bei 773 Metern. Der Wegzustand ist gut, es dominieren Feld- und Waldwege, die Beschilderung ist vorhanden, festeres Schuhwerk wird empfohlen. Als zweiter Tourentag in derselben Ecke des Westerzgebirges passt die Wanderung auf den Auersberg.

Bergstadt mit Superlativen: Johanngeorgenstadt

Gegründet wurde die Stadt am 23. Februar 1654 von protestantischen Exulanten aus dem böhmischen Horní Blatná, der Bergstadt Platten; genehmigt hatte sie Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen. Sie liegt zwischen 700 und 1.000 Metern, ist die zweithöchste Stadt Sachsens und trägt wegen des Schneereichtums den Spitznamen „Johannsibirsk“. Aus hiesiger Pechblende isolierte Martin Heinrich Klaproth 1789 erstmals das Element Uran.

Das prägte das 20. Jahrhundert. Ab 1946 betrieb die SAG beziehungsweise SDAG Wismut hier Uranbergbau; 1953 lebten rund 45.000 Menschen im Ort, heute sind es 3.749 (Stand 31. Dezember 2023). Zwischen 1953 und 1960 musste ein Großteil der Altstadt wegen Bergschäden abgerissen werden. 1957 waren die Uranvorräte erschöpft. Der Henneberger Hang, heute Teil des Schutzgebiets, war Sperrgebiet und sowjetischer Truppenübungsplatz; bis 1990 standen dort Grenztruppen.

Heute nennt sich der staatlich anerkannte Erholungsort „Stadt des Schwibbogens“. Der am 15. Dezember 2012 eingeweihte, vom Unternehmer Siegfried Ott gestiftete Bogen ist 25 Meter breit, mit Kerzen 14,5 Meter hoch und besteht aus 700 Tonnen Stahlbeton und 15 Tonnen Edelstahl: der größte freistehende Schwibbogen der Welt. Daneben steht seit dem 13. Dezember 2014 eine gut 26 Meter hohe Großpyramide mit 11 Metern Flügelspannweite. Auch der älteste bekannte Schwibbogen der Welt, ein Metallstück von 1740, stammt von hier.

Am Pferdegöpel 1 steht der Nachbau des 1798 errichteten Göpels der „Neu Leipziger Fundgrube“. Bis 1915 zogen dort zwei Pferde Erz und Gestein aus 140 Metern Tiefe; 1948 wich die Anlage dem Uranbergbau, 1992/93 wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut. Nebenan liegt ein Lapidarium mit historischen Grenzsteinen. Portale nennen als Öffnungszeiten Dienstag bis Donnerstag sowie Samstag und Sonntag etwa 10 bis 16 Uhr; die Angaben widersprechen sich, ein Blick auf die Seite des Betreibers vor der Tour lohnt. Das Lehr- und Schaubergwerk „Frisch Glück“ (Glöckl), Wittigsthalstraße 13 bis 15, führt dienstags bis freitags sowie samstags, sonntags und feiertags um 10:30, 12:00 und 13:30 Uhr in den Berg.

Einkehr und Abkühlung

An der Route liegen die Gaststätte Henneberg, Henneberg 1, Telefon 03773 882104, und die Gaststätte Wanderheim, Jugelstraße 52, Telefon 03773 881927. Im Ort kommt der Schanzenblick mit Biergarten hinzu, Schulstraße 13, Telefon 03773 880945. In der Umgebung stehen Kunos Brauereigasthaus (Schulstraße 8) und Adners Gasthof (Hauptstraße 131) in Breitenbrunn sowie das Auersberg Haus (Auersbergweg 8) in Eibenstock zur Wahl. Die Öffnungszeiten wechseln, ein Anruf vorab erspart Enttäuschungen.

Zur Abkühlung dient das Naturbad „Am Schwefelbach“ in der Schwefelwerkstraße: wetterabhängig 10 bis 19 Uhr geöffnet, letzter Einlass 18 Uhr. Erwachsene zahlen 2026 fünf Euro, ab 17 Uhr drei Euro; Kinder und Jugendliche drei beziehungsweise zwei Euro, unter sechs Jahren ist der Eintritt frei. Wasserrutsche, Spielplätze, Kiosk, ein abgegrenzter FKK-Bereich und eine kostenlose Parkmöglichkeit gehören dazu. Tiere sind nicht gestattet.

Anreise nach Johanngeorgenstadt und beste Wanderzeit

Johanngeorgenstadt ist Endpunkt der RB 95 von Zwickau über Aue und Schwarzenberg (KBS 535, Erzgebirgsbahn/DB RegioNetz), Fahrzeit rund 71 Minuten. Weil auf der Strecke zeitweise Schienenersatzverkehr eingerichtet war, gehört ein Blick in den aktuellen Fahrplan zur Planung. Wie sich Touren im Erzgebirge grundsätzlich ohne Auto organisieren lassen, steht im Beitrag Wandern ohne Auto. Mit dem Pkw: großer Parkplatz am Platz des Bergmannes, dem offiziellen Start- und Zielpunkt.

Als Zugabe lohnt die am 15. Mai 1899 eröffnete Bahnstrecke nach Karlovy Vary, tschechische Streckennummer 142, bekannt als „Krušnohorský Semmering“. Ihr höchster Punkt bei Pernink liegt auf 915 Metern und damit 20 Meter über dem Scheitelpunkt der Semmeringbahn; Pernink ist der höchstgelegene Bahnhof des Erzgebirges. Erst am 17. April 1992 fuhr nach dem Krieg wieder ein Reisezug über die Grenze, ab 2000 gab es durchgehende Regional-Express-Verbindungen von Zwickau nach Karlovy Vary. Das aktuelle Angebot ist vor der Fahrt zu prüfen.

Bei der Jahreszeit bestimmt die Höhenlage alles. Windstärken 4 bis 7 sind hier ganzjährig keine Seltenheit, eine Windjacke gehört deshalb auch im Sommer in den Rucksack. Schon im späten 19. Jahrhundert war der Ort ein beliebtes Ziel für die Sommerfrische; im Winter macht der Schneereichtum dieselbe Runde deutlich anspruchsvoller.

Regeln im Naturschutzgebiet

  • Wegegebot nach § 23 Absatz 2 BNatSchG; abseits der Wege kann das Betreten laut Sachsenforst per Rechtsverordnung verboten sein.
  • Anleinpflicht für Hunde.
  • Pflückverbot, das auch für Moosbeere, Rausch- und Krähenbeere gilt.
  • Amtlicher Warnhinweis wegen Totholz und Astbruch: den Bereich bei starkem Wind, Gewitter, Starkregen und Eisanhang meiden.
  • Reiches Kreuzottervorkommen. Kein Grund zur Dramatik, aber ein weiterer Grund, auf Steg und Wegen zu bleiben und Hunde anzuleinen.

Häufige Fragen zur Wanderung zum Kleinen Kranichsee

Wie lang und wie schwer ist die Tour?

Die Rundtour misst 8,39 Kilometer bei 231 Höhenmetern, die Gehzeit liegt bei 2:13 Stunden ohne Pausen. Die Stadt stuft ihre Acht-Kilometer-Variante als leicht ein; fordernd ist vor allem der steile Bergbaulehrpfad zum Schluss.

Ist die Wanderung für Kinder geeignet?

Ja, die Runde gilt als familientauglich, der Wegzustand ist gut, festere Schuhe sind zu empfehlen. Der Aufstieg zum Moor zieht sich allerdings über rund 3,5 Kilometer – mit kleineren Kindern sollte man Zeitpuffer einplanen.

Darf man ins Moor hinein?

Nein. Es gilt das Wegegebot nach § 23 Absatz 2 BNatSchG, abseits der Wege kann das Betreten zudem per Rechtsverordnung verboten sein. Einblick geben der Bohlensteg und die Aussichtsplattform.

Wie kommt man ohne Auto hin?

Mit der RB 95 von Zwickau über Aue und Schwarzenberg bis zum Endbahnhof Johanngeorgenstadt (KBS 535), Fahrzeit rund 71 Minuten. Vom Bahnhof ist der Startpunkt zu Fuß erreichbar. Wegen zeitweisen Schienenersatzverkehrs den Fahrplan vorher prüfen.

Fazit: Lohnt sich die Wanderung zum Kleinen Kranichsee?

Der Kleine Kranichsee ist keine Gipfeltour, sondern eine überschaubare Halbtagesrunde, deren Wert im Ziel liegt: einem Hochmoor, das man vom Steg aus erlebt, ohne es zu betreten. Sie taugt für Familien und Naturinteressierte, die Wandern mit Bergbaugeschichte verbinden wollen; wer große Höhenmeter sucht, ist hier falsch. Als weitere Tourenidee mit ähnlichem Charakter bietet sich das Schwarzwassertal bei Pobershau an.

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