Zwischen Kühnhaide und Pobershau hat sich die Schwarze Pockau tief in den Gneis des mittleren Erzgebirges gegraben. Das Ergebnis ist ein Kerbtal, das mit wildem Wasser, mächtigen Felsklippen und stillen Bergwäldern zu den eindrucksvollsten Landschaften Sachsens zählt – das Schwarzwassertal. Wer die Mischung aus unverbautem Flusslauf, Bergbaugeschichte und weiten Ausblicken sucht, findet hier eine der lohnendsten Tagestouren der Region.

Ein Tal wie aus einer anderen Zeit

Das Tal der Schwarzen Pockau, im Volksmund schlicht Schwarzwassertal genannt, gilt als eines der schönsten Mittelgebirgstäler Deutschlands. Der Fluss fließt hier über weite Strecken naturbelassen, umgeben von Blockhalden, Mooren und alten Fichtenbeständen. Bereits 1967 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt und 2003 als Naturschutzgebiet neu festgesetzt; es umfasst heute rund 186 Hektar. Am Weg reihen sich markante Felsbildungen mit klangvollen Namen aneinander: Vogeltoffelfelsen, Ringmauer, Teufelsmauer und Nonnenfelsen begleiten den Aufstieg durch das Tal.

Die Rundtour ab Pobershau im Überblick

Eckdaten der Tour

  • Start und Ziel: Wanderparkplatz Hinterer Grund, Marienberg OT Pobershau
  • Länge: rund 14 bis 15 Kilometer (Rundtour)
  • Charakter: Talweg an der Schwarzen Pockau, Rückweg am Grünen Graben, kurze An- und Abstiege
  • Höhenlage: etwa 600 bis 750 Meter
  • Einkehr: Bergschänke zum Katzenstein in Pobershau
  • Highlights: Naturschutzgebiet Schwarzwassertal, Grüner Graben, Aussichtsfelsen Katzenstein

Vom Hinteren Grund in das Naturschutzgebiet

Die Tour beginnt am Wanderparkplatz im Hinteren Grund bei Pobershau. Schon nach etwa 500 Metern passiert der Weg das Mundloch des Stollns Tief Blühend Frisch Glück – ein erster Gruß des alten Bergbaus, der diese Landschaft über Jahrhunderte geprägt hat. Danach führt der Weg immer tiefer in das Tal der Schwarzen Pockau hinein. Der Fluss rauscht hier über Granit- und Gneisblöcke, im Frühsommer leuchten die Ufer grün, und wer leise unterwegs ist, kann mit etwas Glück eine Wasseramsel beobachten.

Über die Steinerne Brücke zum Grünen Graben

Nach rund viereinhalb Kilometern erreicht die Route an der Steinernen Brücke den Wendepunkt der Tour und steigt auf etwa 750 Meter Höhe zum Grünen Graben an. Ab hier ändert die Wanderung ihren Charakter: Statt am wilden Fluss läuft man nun eben und entspannt am historischen Kunstgraben entlang, der sich am Westhang des Tals nordwärts zieht. Die Wege am Graben sind angenehm zu gehen und geben immer wieder Blicke über das bewaldete Tal frei.

Am Katzenstein zurück nach Pobershau

Nach etwa sieben Kilometern erreicht man den Katzenstein, den bekanntesten Aussichtspunkt der Gegend. Vom Felsen fällt der Blick weit über das Schwarzwassertal und die Wälder rund um Pobershau. Für den Rückweg zum Ausgangspunkt bieten sich der Arnoldweg oder der Weintraubenweg an – beide führen zurück in Richtung Hinterer Grund.

Der Grüne Graben: Bergbaugeschichte am Wegesrand

Der Grüne Graben ist weit mehr als ein bequemer Wanderweg. Der rund acht Kilometer lange Kunstgraben wurde zwischen 1678 und 1680 am Berghang oberhalb der Schwarzen Pockau angelegt, um Aufschlagwasser zu den Zinnerzbergwerken sowie zu mehr als zehn Pochwerken und Wäschen im Revier Pobershau zu leiten. Er beginnt am östlichen Ortsende von Kühnhaide unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze auf etwa 710 Metern Höhe. In seinem unteren Abschnitt musste er auf rund 700 Metern Länge durch den Fels gehauen werden – eine beachtliche Leistung für das 17. Jahrhundert. Bis heute führt der weitgehend original erhaltene Graben Wasser und zählt als assoziiertes Element zur UNESCO-Welterberegion Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Wer sich für diese Epoche interessiert, findet in unserem Beitrag über den Kammweg Erzgebirge–Vogtland weitere Spuren der Bergbaugeschichte entlang des Erzgebirgskamms.

Der Katzenstein: Aussicht und Einkehr

Der Katzenstein erhebt sich 65 bis 90 Meter über den Talgrund und ist mit rund 250.000 Besuchern im Jahr der meistbesuchte Aussichtsfelsen des Erzgebirges. Der Blick reicht von hier weit über das Tal der Schwarzen Pockau – besonders am späten Nachmittag, wenn die Sonne den gegenüberliegenden Hang ausleuchtet, ist die Stimmung eindrucksvoll. Direkt am Felsen liegt die Bergschänke zum Katzenstein (Katzensteinweg 2, Marienberg OT Pobershau). Das Gasthaus mit Biergarten serviert regionale Küche und ist in der Regel von Mittwoch bis Sonntag geöffnet; die aktuellen Zeiten prüft man am besten vor der Tour.

Anreise, Parken und beste Jahreszeit

Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz Hinterer Grund in Pobershau, einem Ortsteil von Marienberg. Die Stellflächen sind an schönen Wochenenden schnell belegt, ein früher Start lohnt sich also doppelt – auch, weil das Tal am Morgen am stillsten ist. Die Tour ist von Frühjahr bis Herbst durchgehend machbar; nach längeren Regenphasen können die Talwege stellenweise feucht sein, festes Schuhwerk ist Pflicht. Wer weitere Touren in der Umgebung sucht, findet in unserer Übersicht der schönsten Sommertouren im Erzgebirge Anregungen. Und wer Wasser in anderer Form erleben möchte, kann die Wanderung mit einem Besuch an einer der Talsperren im Erzgebirge verbinden.

Häufige Fragen zum Schwarzwassertal

Ist die Tour für Familien geeignet?
Ja, mit Einschränkungen. Die Wege sind technisch unschwierig, die Gesamtlänge von rund 14 Kilometern ist für kleinere Kinder aber zu lang. Familien kürzen ab, indem sie nur den Abschnitt zwischen Hinterem Grund und Katzenstein gehen.

Darf im Naturschutzgebiet gebadet werden?
Das Schwarzwassertal ist Naturschutzgebiet, es gelten die üblichen Regeln: auf den Wegen bleiben, keine Pflanzen entnehmen, Hunde an die Leine. Baden im Fluss gehört nicht zu den vorgesehenen Nutzungen.

Kann man die Tour abkürzen?
Ja. Wer nur den Katzenstein besuchen möchte, erreicht den Aussichtsfelsen von Pobershau aus auf kurzem Weg. Auch eine kleinere Runde über Steinerne Brücke und Grünen Graben ist möglich.

Fazit

Das Schwarzwassertal vereint auf einer einzigen Runde fast alles, was das Wandern im Erzgebirge ausmacht: einen wilden, unverbauten Fluss, jahrhundertealte Bergbauzeugnisse am Grünen Graben und mit dem Katzenstein einen Aussichtspunkt, der seinen Ruf verdient hat. Dass am Ende der Tour eine Bergschänke mit regionaler Küche wartet, macht die Rundwanderung ab Pobershau zu einem rundum stimmigen Wandertag.


Passende Ausrüstung für die Tour im Tal

Im schattigen Kerbtal der Schwarzen Pockau bleibt es auch im Sommer kühl, am Katzenstein kann der Wind auffrischen. Diese drei Modelle aus dem DEPROC-Sortiment passen zur Tour:


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